16:9 – Ein schickes Format
Verfasst von Thomas Michalski am März 26, 2007
Moin Moin!
Ich habe es ja das letzte Mal bereits angedeutet – heute geht es um 16:9.
Die Entscheidung, „Xoro: the Eifelarean“ noch ins 16:9-Format zu konvertieren ist tatsächlich erst sehr, sehr spät in der Produktion gefallen. Erst beim vorletzten Postproduktions-Durchlauf, in dem vor allem der Ton abgemischt wurde, kam Ralf und mir der Gedanke, die Konvertierung mal zu riskieren.
Da zahlen sich dann auch die neulich vorgestellten Heuler aus, denn „Die zweite Teufelei des Dr. Fu Man Chu“ war tatsächlich unser erster Geh- und Feldversuch im 16:9-Areal.
Aber warum nun macht es Sinn, in 16:9 zu Filmen?
Insgesamt steht man in Deutschland dem Breitbild noch immer skeptisch gegenüber. Auf herkömmlichen Fernsehern, die das eher quadratische 4:3-Bildformat verwenden, entstehen diese unschönen Balken unten und oben am Bildrand. Ursprünglich war sogar das Kino mal grob in diesem Format und reichte von 1,33:1 (was 4:3 entspricht) bis zu 1,37:1.
Man kann allerdings schon mal eingangs festhalten, dass diese gewaltigen schwarzen Balken, die einem assoziativ in den Sinn kommen, wenn man 16:9 hört, eigentlich ganz anderen Bildformaten erwachsen. So kann man etwa dem Backcover von „Pirates of the Caribbean 2“ entnehmen, dass der Film in 2,35:1 vorliegt. Steht zwar auch 16:9 drüber, meint hier aber die Optimierung. Das Bild ist aber genau genommen 16:6,8 – noch mal markant schmaler also.
Wer einmal darauf achtet wird feststellen, dass die Balken sich in korrektem 16:9 (übrigens 1,78:1) wesentlich harmloser machen.
Trotzdem, auf den meisten Fernsehern hat man eben noch diese Balken. Warum also das schmale Bild? Es guckt sich natürlicher. Wir sehen als Menschen die Welt gewissermaßen auch im Breitbildformat, was einfach an unserem horizontal angeordeneten Augenpaar liegt. Untersuchungen sprechen von einem optimalen Seitenverhältnis von 2:1 bis 5:3 für unsereins, wo all die oben genannten Breitbild-Format weitaus näher dran sind als das klassische 4:3.
Es guckt sich aber auch einfach „filmischer“. Das ist eine Konditionierungsgeschichte, denn selbst wenn Fernsehsender wie RTL tapfer selbst 2,35:1-Filme solange aufzoomen, bis die Ränder verschwinden, „Kinofilme haben Balken“. Das ist eine Botschaft, die einfach sitzt. Wer nun also seinerseits einen Film dreht – und darum geht es hier ja auch – und möchte, dass Leute den als „Film“ akzeptieren, der sollte den Formatwechsel durchaus bedenken.
Zumal, das kann ich aus Erfahrung sagen, es ist gar nicht mal so einfach in 4:3 zu drehen. Um es mal am klassischen Beispiel zu zeigen: Es ist High Noon im wilden Westen. Zwei Cowboys stehen sich gegenüber, die Duster schon zurückgeschlagen und eine Totale (also, kurz gesagt, weit entfernte Kameraeinstellung) zeigt beide Duellanten. In 16:9 ist das toll, man hat die Horizontlinie, die beiden Cowboys füllen die Bildränder und dazwischen etwas Himmel. Ist das Bild dagegen 4:3, dann hat man unten noch endlos viel Boden und oben noch endlos viel Himmel. Das sieht doof aus. Noch doofer übrigens bei alten Fernsehaustrahlungen, die mal wieder aufgezoomt sind, so dass man die Pampa sieht, nicht aber die Schützen.
Doch auch so ist die Gefahr von urig komischen Kameraperspektiven bei 4:3 ziemlich hoch. Im Dialog hat man irgendwie immer zu viel Oberkörper oder Himmel im Bild, bei Außenaufnahmen kann man irgendwie nie genug Landschaft mit im Bild zeigen.
Bei „Xoro“ konnten wir in beiderlei Hinsicht davon profitieren. Der Film wirkt nun mehr wie ein Spielfilm (irgendwie vermisse ich im Deutschen die Doppelung von „film“ und „movie“ aus der englischen Sprache…) und wir konnten gleichzeitg einige recht herbe Schnitzer beheben.
Einige Bilder in diesem Eintrag illustrieren das hoffentlich etwas…
Die Botschaft findet übrigens langsam ihren Weg. 16:9 ist das weltweit anerkannte Standardformat für HD-Fernseher und erst vor kurzer Zeit konnte sich selbst der große, öffentlich-rechtliche WDR dazu durchringen, dass zu sagen, was unsere Überschrift erschuf: 16:9 ist ein schickes Format.
Nächstes Mal geht es dann um ein eher ungewöhnliches Thema, denn dann geht es um Sprache.
Zum Thema 16:9 kehren wir aber sicher noch mal wieder. Ralf, unser Mann von der Technik, ist totunglücklich, dass ich seine feche Rechenformel nicht mehr eingebaut habe, aber all die Details, die machen wir ein anderes Mal…
Grüße,
Thomas

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Die Kamera (4 von 5): 16:9 versus 4:3 « Eifelarea Film sagte
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