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Hinter den Kulissen deutscher NoBudget-Filmer

Was macht einen Film zum Film? Teil 3: Die Beleuchtung II

Verfasst von Thomas Michalski am Oktober 24, 2007

Guten morgen,
schön von den Strahlen der aufgehenden Sonne geweckt worden? Der perfekte Einstieg, um weiter über Licht zu reden.

Die Drei-Punkt-Beleuchtung
Der Klassiker und quasi das 1×1 der Lichtregie ist die sogenannte Drei-Punkt-Beleuchtung. Kern dieser Beleuchtung ist das sogenannte key light. Das ist eine starke und oft harte Lichtquelle, die der Lichtlogik innerhalb der Szene folgt. Ist es etwa eine Nachtszene bei Vollmond, so würde das Licht vermutlich von Oberhalb auf die Szene gerichtet werden und den Winkel des Erdtrabanten imitieren.
Sieht man nur das einmal durch den Sucher, so wirkt es sehr künstlich, weil eindimensional. Hier kommt das fill light ins Spiel, dass etwa 90° von dem key light entfernt aufgestellt wird und ihm gewissermaßen entgegen leuchtet. Es muss deutlich schwächer sein als die primäre Lichtquelle und dient vor allem dazu, eine vielfältigere Detailzeichnung der Szene zu liefern.
Die dritte der drei Quellen ist dann das sogenannte background light, eine ebenfalls schwache und sehr diffuse Lichtquelle, die den Hintergrund leicht erhellt, damit die Szene nicht in kompletter Schwärze stattfindet.

Die Vier-Punkt-Beleuchtung
In der Vier-Punkt-Beleuchtung gleicht der Aufbau der Ausleuchtung erst einmal dem vorigen Szenario, wird aber um eine Option erweitert. Ein sogenanntes back light steht exakt hinter der gefilmten Person (oder dem gefilmten Objekt) und leuchtet es von hinten an. Das führt dazu, dass die Kontur zu leuchten scheint und den Vordergrund so stark vom Hintergrund trennt.
Das größte Problem bei einem derartigen back light ist es, die Lichtquelle – die zumeist keinerlei Existenzberechtigung innerhalb der Szene hat – vor der Kamera zu verbergen, was die Verwendung vor allem bei ruhigen oder statischen Aufnahmen von weitestgehend unbewegten Motiven nahelegt.

Der Beleuchtungsstil
Generell kann man zwischen drei verschiedenen Arten der Ausleuchtung einer Szene unterscheiden. Die goldene Mitte bildet dabei der sogenannte „Normalstil“, der wie immer an den schwammigen Begriff einer Norm gekoppelt ist. Gemeint ist hier die Norm der Sehgewohnheiten der Zuschauer; eine im Normalstil gehaltene Szene erfüllt also einen durchschnittlichen Anteil von hellen und dunklen Elementen und ist der Standard.
Das dunkle Extrem ist dagegen eine Low Key-Beleuchtung. Ein Großteil des Bildes liegt hier im Dunkeln und Schatten sind oft inszenatorische Schwerpunkte. Die meisten Beispiele für diesen Stil finden sich im film noir, der gerade seinen harten Ruf ebenfalls diesem Stil verdankt.
Das andere Modell ist demnach die High Key-Beleuchtung, bei der eine Szene gleichmäßig hell und ohne Schatten, manchmal gar überbeleuchtet erscheint. High Key-Sequenzen sind zwar auch intentional und mit künstlerischem Hintergedanken zu filmen, oft aber auch eher praktischer Natur. Seifenopern etwa verwenden sehr viele High Key-Arbeiten, da so Kamerawechsel ohne einen notwendigen Umbau der Lichtquellen realisiert werden können. Für Sitcoms gilt das gleiche.

Üben!
Das Ende des Lieds von der Beleuchtung ist aber bei all dieser Theorie ernüchternd simpel: Es ist alles Übung und Praxiserfahrung. Zwar stellt die Drei-Punkt-Ausleuchtung einen soliden Einstieg dar und wie schon bei dem Stativ bei den Kamerahalterungen, so gilt auch hier: Wenn man nicht sicher ist, wie man es lösen soll, greift man am Besten zum Klassiker.
Irgendwie passen hier auch sehr schön die Worte eines Übungsleiters an der RWTH: „Is’ easy, wenn man kann.“
Die Arbeit mit Licht ist immer knifflig und erfordert viel Gefühl. Das bekommt man allerdings von alleibm wenn man selber mit Licht arbeitet. Der Lohn ist dabei immens, denn eine gut ausgeleuchtete Szene wirkt direkt drei Mal besser als alles, was man nur mit Gott als Beleuchter aufgenommen hat.

Kommendes Mal widmen wir uns dann einem verwandten Thema: Dem Thema der Farben im Film.

Viele Grüße,
Thomas

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