Eifelarea Film

Hinter den Kulissen deutscher NoBudget-Filmer

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Was man für SFX vom Set mitnehmen sollte

Verfasst von Thomas Michalski am Februar 10, 2008

Morgen zusammen!
Will man Effekte später in der Postproduktion umsetzen, hat es durchaus Sinn, vom Set etwas mehr mit nach Hause zu nehmen als bloß die eigenliche Aufnahme. Einen kleinen Crashkurs durch das Themengebiet will ich euch heute bieten, damit euch einige Probleme gar nicht erst unterkommen, mit denen wir uns schon herumgeschlagen haben.

Der ColorChecker
Der ColorChecker ist auf den ersten Blick ein sehr unscheinbares Utensil: Es ist eine Farbtafel, oft in A4 oder einem vergleichbarem Format, und zeigt auf seiner Oberfläche eine Matrix von 6×4 farbigen Feldern. Doch hat es dieses kleine Stück Faustdick hinter den Ohren.
Farben sind von vielen Faktoren abhängig – unter anderem von direktem und indirektem Licht und von den Blendeneinstellungen der Kamera, nur als Beispiel. Schneidet man nun diverse, ganz unterschiedliche Aufnahmen hintereinander, so stellt man oft fest, dass durch Wolkenzug, anders aufgestellte Scheinwerfer und dergleichen die Shots einfach partout nicht zueinander passen wollen.
So etwas kann man in der Postproduktion korrigieren und wir werden uns zu gegebener Zeit auch einmal anschauen, wie das in der Praxis funktioniert, doch der Nutzen der besagten Farbtafel ist auch jetzt schon einleuchtend: Es ist eine Referenz. Diese 6×4-Matrix bietet einem ein immer gleiches Set an Farben, die man einfach nur vor jeder Einstellung oder, noch besser, vor jeder Aufnahme nur kurz vor die Kamera halten muss, um in der Postproduktion dann entsprechend das Videomaterial entsprechend bearbeiten zu können.

Das ist für nachträglich einkopierte Effekte sogar noch bedeutsamer, denn nichts ist schlimmer als ein CGI-Effekt, der einem sofort ins Auge fällt, nur weil die Farben so gar nicht ins Bild passen wollen, oder aber, der in unterschiedlichen Einstellungen plötzlich ganz unterschiedlich ausschaut, weil man versucht hat, die natürlichen Lichtwechsel Pi mal Daumen zu emulieren.
Hier greift dann der ColorChecker.

Es gibt kommerzielle ColorChecker, die in unterschiedlichster Verarbeitung und unterschiedlichsten Preisstaffeln daherkommen, sowie allerlei mehr oder weniger gelungene Quellen im Internet.
Um euch das Leben aber einfacher zu gestalten, könnt ihr auch einfach unseren ColorChecker verwenden. Den bieten wir euch hier ein Mal als RGB-Version an, die den kommerziellen Ausführungen am Nächsten kommt, was die farbliche Präzision betrifft, sowie eine farbraumbedingt leicht abweichende CMYK-Variante, die wir speziell für den Druck in gänigen Copyshops oder auch einfach über den heimischen Tintenstrahl- oder Farblaserdrucker optimiert haben.
Ausdrucken (wir empfehlen mindestens 120 Gramm-Papier), am besten noch laminieren und ab ans Set damit.

Den Eifelarean ColorChecker RPG herunterladen

Den Eifelarean ColorChecker CMYK herunterladen

Skizze
Es ist so simpel, dennoch sollte man es nie vergessen: Wer Effect Shots dreht, sollte sich eine möglichst genaue Skizze mit Entfernungsdaten bezüglich der Positionen von Kamera und Darstellern anlegen.
Diese macht es später wesentlich einfach, nachzuvollziehen, wer gerade wo genau steht, denn Filmmaterial ist und bleibt 2D, was dies sonst bisweilen schwierig macht. Kennt man zudem diese Entfernungen, lassen sich Effekte auch besser skalieren, denn auch wenn man niemals nur nach Zahlen und bar allen Augenmaßes vorgehen sollte, hat es doch oft auch Sinn, die Fakten zu bedenken.

Etwas, womit man sich in diesem Zuge auch einmal auseinandersetzen sollte, sind die sogenannten „horizontalen Aufnahmewinkel“ der eigenen Kamera, zu Neudeutsch „horizontal angel of view“, oder kurz hAOV.
Der hAOV ist aber mal wieder so ein Thema für ordentlich ausgewachsene Kopfschmerzen für alle nicht wirklich Technik-versierten Filmer, weshalb wir uns dem nach unserer generellen Tour durch die Spezialeffekte einmal widmen werden.

Licht
Eine der häufigsten Macken, die nicht gelugene Effekte haben, ist das Licht. Wenn die Schatten, die sich auf dem „Körper“ eines Effektes abzeichnen, nicht mit den Lichtquellen am Set korrespondieren, wird man schnell – oft alleine schon unterbewusst, denn das Gehirn ist sehr begabt darin, Dinge aufzuzeigen, die falsch sind – ohne überzeugten Zuschauer dastehen.
Es gibt eine Menge professionelles Equipment für derartige Aufgaben, Lichtmesser etc., doch mit einem kurzen Besuch im Bastelbedarf kann man bereits einen ersten Schritt in die richtige Richtung unternehmen: Wir brauchen einen weißen Ball.
Das ist natürlich durchaus eine ziemliche Flickschuster-Lösung, aber sie hilft dennoch. Wie auch den Color Checker, so kann man auch den besagten weißen Ball einfach mal durch die Szene tragen und beobachten, wie sich darauf Schatten abzeichnen (Winkel und Intensität sind hier beide interessant). Nimmt man dies als geistige Referenz und kombiniert das mit den realen Position der Scheinwerfer, die man ja auch seiner Skizze (s.o.) entnehmen kann, ist man bereits wieder einen guten Schritt weiter, wenn man sich effektiv wirklich an seinen Rechner setzt.

Marker
Wer schon im Bastelbedarf steht, um sich seinen weißen Ball zu kaufen, der sollte auch in einem noch ein Paket selbstklebende, grellbunte Marker mitnehmen. Die kleben meistens sehr gut, sind flexibel einsetzbar und haben alle den gleichen Zweck: Sich verändernde Positionen von Objekten später in der Postproduktion leichter nachvollziehbar zu machen.
Wie das praktisch geht, werden wir in fernerer Zukunft beleuchten, wozu man es alles einsetzen kann, erzähle ich dagegen beim kommenden Update.
Zu merken ist aber: Diese Marker kosten absolute Spottpreise (da kriegt man auch mal 200 Etiketten für weniger als einen Euro, wenn man sucht) und sind immer mal praktisch; und wenn nur als spontane Marker abseits des Kamerabereichs, um etwa Schauspielern Indizien zu geben.

Tennisball am Spieß
Neben der Sache mit dem Licht gibt es noch ein Element, das schlechtere SFX eigentlich immer enttarnt: Mangelnde Interaktion mit den Effekten. Sagen wir, man will nachher eine kleine Fee in die Szene einkopieren. Nun muss aber der Darsteller natürlich ohne die CGI-Fee interagieren, spricht also im Prinzip mit der Luft. Hier sind es mal wieder die Details, die einen verraten: Die Pupillen fokussieren nichts, die Augenbewegungen sind inkosequent, das Timing ist nicht abzuschätzen.
Die gängige Lösung, selbst da, wo Budget existiert, hört auf den hoch sprechenden Namen „Tennisball am Spieß“ („tennis ball on a stick“) und ist, naja, genau das. Der Tennisball kann, ob der Stange, auf die man ihn steckt, recht frei am Set bewegt werden, der Schauspieler kann ihn aber ganz bravourös anstarren und, mit etwas Überwindung, auch gut mit ihm Spielen. Der CG-Mensch weiß, wo er seine digitale Fee hinsetzen soll, der grelle Ball ist noch recht gut aus dem Bild zu entfernen, die dünne Stange ebenso. Sicher, das ist nicht gerade was für Einsteiger, aber sagen wir einfach mal, dass man als Einsteiger auch einfach keine SFX konstruieren sollte, mit denen interagiert wird.
Aber um noch mal zu betonen, wie erschreckend „professionell“ diese Methode ist: Bei der Produktion von „Jurassic Park 2“ haben die Macher aus Pappe in Lebensgröße die Silhouetten der Dinosaurier ausgeschnitten und am Set entlang getragen, um den Darstellern eine Idee zu vermitteln.

Soviel zu einigen Tipps aus der Praxis, damit ihr einige Fehler einfach mal wieder nicht machen müsst, die wir „auf die harte Tour“ gelernt haben. Kommendes Update dann bleiben wir bei konkreten Tricks und schauen einmal, wie man am Besten im Vorfeld vorgeht, wenn man im Drehbuch bzw. bei der Drehplanung über einen offensichtlichen Effect Shot stolpert.

Grüße,
Thomas

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Der Nachbericht

Verfasst von Thomas Michalski am September 4, 2007

Der Drehtag ist vorbei, alle sind zufrieden, aber auch müde und geschafft. Man fährt nach Hause, haut sich ins Bett und, in unserem Amateur-Umfeld, wird am Folgetag vermutlich erst mal wieder vom Alltag überrumpelt.
Man geht arbeiten, kümmert sich vielleicht noch um andere Projekte und die nächste Vorplanung, um alles, nur nicht um die Nachbereitung. Und dann, der Schnitt geht so dahin, stellt sich langsam eine gewisse Verwirrung ein. Was war noch mal auf welchem Band gelandet? Wer war an dem Tag am Set gewesen? Wer braucht jetzt noch alles Credits-Einträge als „Fahrer“? Haben wir die Szene am See komplett gedreht, oder stehen noch Einstellungen aus? Welche waren schon beim letzten Mal im Kasten? Als der Scheinwerfer kaputt ging, war das Dreh 2 oder 3?

Damit all das nicht passiert (und glaubt mir, es kann – so lange, wie wir an „Xoro“ sitzen, haben wir da einiges erlebt) führen wir neuerdings auch Nachberichte. Das kommt einem ebenfalls wie furchtbare Bürokratie vor, aber glaubt mir, es rechnet sich oft dann eben doch irgendwann.

Unser Tagesbericht-Bogen ist eigentlich ziemlich selbsterklärend, weshalb wir auch ihn hier wieder zum freien Download bereitstellen. Und selbst wenn ihr nicht jedes Feld so ausfüllt, wie wir uns das ausgeknobelt haben, dann ist das auch nicht schlimm – Hauptsache, ihr wisst nachher noch, wie es zugegangen ist.

Insofern beenden wir unsere Tour durch den Papierurwald mit diesem Bericht dann auch. Kommendes Update wird es dagegen wieder bunt und fröhlich, denn es gibt einen ersten Ausblick auf das Cover von Xoro, sowie eine Beschreibung des Inhalts der streng limitierten DVD-Edition.

Bis dahin aber: Der Tagesbericht.

Viele Grüße,
Thomas

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Eine Szene organisatorisch zerlegen

Verfasst von Thomas Michalski am August 23, 2007

Moin Moin!

In einem Drehbuch, da steht eine ganze Menge drin. Da liest man Regieanweisungen, ganz viel Dialog und viele Anmerkungen, die zur Verflimung des Stoffes wichtig sind. Man muss sich jedoch zeitig vor Augen führen, dass diese Angaben beileibe nicht alle für die Organisation des Filmes notwendig sind.
Damit Néo und ich uns nicht in irrelevanten Informationen der Produktion verlaufen, verwenden wir ein Merkblatt, mit dem wir eine Szene gewissermaßen schematisch darstellen können. Darauf finden sich Notizen zu allen möglichen Punkten, jedoch keine Angaben zur Inszenierung.
Wir vermerken darauf:
Produktion – Den Namen des Filmprojektes
Datum des Drehs – eben das
Szenennumme – gemäß der finalen Drehbuchfassung
Name der Szene – zur internen Referenzierung
Innen/Außen sowie Tag/Nacht – selbsterklärend
Beschreibung – eben das
Seite – gemäß der finalen Drehbuchfassung

Darsteller – eine Auflistung aller wichtigen Charakterdarsteller, die Anwesend sein müssen
Komparsen – „Austauschbare“, weil nicht für die Handlung relevante, weitere Gesichter im Bild
Stunts – gibt es körperlich gefährliche Sequenzen in der Szene?
Ausstattung – was muss an genereller Ausgestaltung am Set sein?
Spezialeffekte – sowohl am Set („Spezialeffekte“) als auch in der Postproduktion („visuelle Effekte“) anfallende, besondere Einstellungen
Haare/Make-Up – ist eine besondere Aufmachung erforderlich?
Musik – welche Musikstücke werden hier eingespielt? Gibt es viellleicht auch ein Radio o.ä. direkt in der Szene?
Spezialausrüstung – Lichtanlage, Generator, besondere Kamerahalterungen? All sowas notieren wir hier
Produktionsnotizen – all das, was sonst noch zu vermerken ist

Wir haben uns dazu ein Merkblatt zurechtgezimmert, dass derzeit auch gewissermaßen das eigentliche Drehbuch von „Verfluchte Eifel“ ersetzt. Wir arbeiten mit diesen Blättern und können so recht geschickt vorausplanen, Listen für den Dreh erstellen u.ä.
Damit ihr nicht eigens durch diesen Arbeitsprozess gehen müsst, stellen wir euch das Dokument aber auch gerne zur Verfügung und bieten es hier im Blog zum Download an.

Das Szenen-Merkblatt herunterladen

Dieses Merkblatt ist aber natürlich für die Regie vollkommen ungeeignet. Darum zeigen wir euch das nächste Mal die größte Waffe jedes kreativen Filmemachers – das Storyboard.

Viele Grüße,
Thomas

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