Eifelarea Film

Hinter den Kulissen deutscher NoBudget-Filmer

Archiv für die Kategorie ‘Was macht eigentlich…?’

Was macht eigentlich … ein Regieassistent? Und was nicht?

Verfasst von Thomas Michalski am Juli 30, 2007

Morgen auch!
Generell kann man sagen, dass der Regieassistent nun mal dem Regisseur als unterstützende Kraft zur Seite steht. In der Vorproduktion etwa kümmert sich der Regieassistent um das sogenannte Vorstoppen des Drehbuchs, also die geschätzte Längenbestimmung der Szenen.
Dazu koordiniert er die Erstellung des s.g. technischen Drehbuchs und ist dabei, wenn Drehorte vom Regisseur besichtigt oder Rollen besetzt werden. Mit dem Drehplan im Hinterkopf ist er auch Teil der Truppe, die die finalen Storyboards anfertigt.

Am Set selber hat er dann noch andere Aufgaben. Zusammen mit der Produktions- und Aufnahmeleitung koordiniert er die Dreh- und Arbeitsabläufe, kontrolliert die gedrehte Szenenlänge mit der geplanten und dient als Schnittstelle für den Regisseur zu anderen „Abteilungen“ am Set.

Abzugrenzen ist der Regieassistent dabei noch von zwei anderen Zweigen. Mit den „Set-Runnern“ hat er soweit nichts zu tun, denn diese unterstehen direkt dem Aufnahmeleiter. „Set-Runner“ sind die Hilfskräfte am Set, die hinter den Kulissen tendenziell für alles eingesetzt werden, damit es voran geht. Das Tragen von Kisten, das Schmieren von Brötchen – Set-Runner.
Ebenfalls nicht das Bier des Regieassistenten ist die „Continuity“. Die wacht darüber, dass es eben keine Anschlussfehler gibt. Hat der Darsteller die selben Klamotten an wie gestern? Trägt die Schauspielerin das Haar gleich? Hatte der Schurke die Narbe nicht sonst auf der linken Wange?
Je nach Produktion ist das ein mehr oder weniger fordernder Job; bei „Xoro“ war allenfalls der Schmuck der Hauptdarstellerin in diesem Sinne anspruchsvoll, bei der TV-Serie „24“ gibt es etwa alleine eine eigene Angestellte dafür, die Uhren immer wieder richtig zu stellen, damit im Umschnitt On-Set-Uhren nicht plötzlich die falsche (Echt-)Zeit zeigen.
Darin etwa aufgegangen ist auch der Beruf des „Script Girls“, respektive zu Deutsch, der „Ateliersekretärin“. Deren Job ist es, darauf zu achten, dass Text und Regieanweisungen auch wie abgesprochen gefilmt werden und nichts unter den Tisch fällt.

Man merkt also schon, da ist ‘ne Menge Volk am Set. Regie und -assistenz, dazu drei Typen von Leitern, Set-Runner, Continuity und Ateliersekretärinnen … und das, obwohl wir die ganzen technischen Jobs noch gar nicht angesprochen haben.

Grund genug, uns im kommenden Eintrag noch mal etwas zuzuwenden, was auch außerhalb einer Filmproduktion zwingend notwendig und leider noch immer sehr selten ist – die Qualifikation zur Teamarbeit.

Grüße,
Thomas

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Was machen eigentlich … all diese „Leiter“ bei einem Film?

Verfasst von Thomas Michalski am Juli 27, 2007

Morgen auch!
Wenn ihr das hier lest, bin ich vermutlich gerade in Holland und entspanne mich mit einigen Freunden … zeitverzögerte Artikelveröffentlichungen sind schon eine feine Sache.

Aber zum Thema. Es gibt in diesen Listen der Jobs, die es beim Film gibt, eine ganze Liste von „-leiter“-Einträgen. Drei davon sollen uns hier und heute mal interessieren, da es auch zunächst einmal die sind, die selbst Amateurfilmproduktionen betreffen können: Herstellungsleiter, Produktionsleiter und Aufnahmeleiter.

Der Herstellungsleiter sind dabei am höchsten Punkt des Aussichtsturmes und überwachen so das Gesamtgebilde, dass eben „Filmherstellung“ heißt. Das klingt in Teilen wahnsinnig nach dem Executive Producer und das stimmt auch, die deutschen und englischen „Rollen“ sind da in bestimmten Punkten einfach nicht deckungsgleich.
Der Herstellungsleiter existiert in zwei Geschmacksrichtungen – freiberuflich und festangestellt – und überwacht ganz von oben gewissermaßen, dass die Produktion sauber voran geht. Details gehen dabei eher an ihm vorbei.
Eifelarea Film verzichtet insgesamt auf einen Herstellungsleiter.

Das ist beim Produktionsleiter schon anders. Die Filmproduktionsleitung dient vor allem dazu, die künstlerischen Vorstellungen der Regie praktisch umzusetzen. Sie sind für Planung, Kontrolle und Durchführung der gesamten Entstehung verantwortlich und organisieren die Handlungsabläufe in allen drei großen Produktionsschritten, also Vor-, Haupt- und Postproduktion.
Variabel ist es, ob der Drehplan und die Kostenkalkulation in den Händen der Herstellungs- oder der Produktionsleitung liegen, da gibt es durchaus beides. Insgesamt kann man sagen, dass die Produktionsleitung dafür Sorge trägt, dass die richtigen Schauspieler zur richtigen Zeit, die richtigen Kostüme tragend, am richtigen Set stehen, an dem auch die Crew, mit dem richtigen Equipment ausgestattet, steht, um die richtigen Teile des Drehbuchs zu filmen.
Die Produktionsleitung haben bei uns Néomi und ich inne.

Verbleibt der Aufnahmeleiter. Der ist knifflig, mal wieder, von den restlichen Leuten sauber abzugrenzen. In der Vorproduktion kümmert sich der Aufnahmeleiter um das generelle Zeitmanagement, er erstellt Wochen- und Tagespläne, auch, was das Budget betrifft. Er plant und koordiniert den Dreh, holt Drehgenehmigungen ein etc.
Während des Drehs selber überwacht er den Tageszeitplan und generell die Abläufe, in der Regel aber nur selten am Set selber. Darum wird der Aufnahmeleiter in Englisch auf oft als Production Office Coordinator bezeichnet.
Bei Eifelarea haben wir an dieser Rolle allerdings der Umsetzbarkeit halber gerüttelt. Die Vorproduktionsaufgaben der Aufnahmeleitung sind bei uns zur Produktionsleitung übergegangen, während der Aufnahmeleiter – Markus – auch einen guten Teil der Kompetenzen des Regieassistenten inne hat.

Moment, Regieassistent?
Perfekt, ein Thema für den kommenden Eintrag.

Viele Grüße,
Thomas

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Was macht eigentlich … ein Regisseur?

Verfasst von Thomas Michalski am Juli 24, 2007

Jeder kennt sie – die großen Regisseure unserer Zeit. Während Produzenten nur in Ausnahmen aus ihrem Schattendasein ausbrechen können, sind Regisseure normalerweise die Helden im Rampenlicht.
Doch was genau macht ein Regisseur eigentlich? Das generische, moderne Making Of suggeriert uns, dass er Leuten Kommandos gibt, manchmal am Set steht, manchmal auf Monitoren vom Nebenraum aus zuschaut und … naja, irgendwie den Film … macht.

Was aber genau tut ein Regisseur?
Er ist die künstlerich-kreative Gesamtleitung eines Filmprojektes. Während der oder die Produzenten die ganz weltliche Organisation übernehmen, ist es der Regisseur, der das geschriebene Wort im Drehbuch in eine Folge von Bildern verwandelt.
Er nimmt sich also das Drehbuch und baut es aus, oder um, jenachdem wie man es nennen will. Er entwirft Storyboards, also kleine „Comics“, die bereits die Bildaufteilung und die Einstellungsfolge demonstrieren. Er arbeitet dabei eng mit dem ‚Director of Photography‘ zusammen, der in Deutschland oft ganz bescheiden „Kameramann“ heißt, genauso wie er mit den Darstellern schon vor dem eigentlich Dreh die Ausformulierung ihrer Rollen bespricht.
In diesem Punkt übernimmt er auch die Hoheit über die Handlung des Films. Er interpretiert das Drehbuch so, wie er es für richtig hält und der Autor der Geschichte verblasst dabei.
Auf das haben wir ja auch schon von der Drehbuch-Autoren-Seite aus hingewiesen.

Es ist tatsächlich die deutsche Rechtslage, die einem noch einen Hinweis darauf gibt, wie man sich den Job eines Regisseurs vorstellen kann. Für ein deutsches Gericht sind all die Leute, die am Set oder auch in der Pre- und Postproduktion an dem Film arbeiten, Handwerker unter Aufsicht des Regisseurs. Da steckt viel Weisheit drin, denn es zeigt, wie die Rollenverteilung ist. Der Regisseur hat ein Bild (bzw. eigentlich ja viele Bilder) im Kopf und der Rest der Truppe versucht letztenendes nur mit aller Kraft, die sie haben, diese Bilder Wirklichkeit werden zu lassen.

Es ist übrigens eine Legende, dass der Regisseur auch derjenige ist, der den Film schneidet. Der ‚Editor‘, der zu Deutsch ‚Cutter‘ heißt (sinnig, was?), ist in der Regel derjenige, der den Film schneidet. Zwar arbeitet er in den meisten Fällen mit dem Regisseur zusammen, aber es gibt auch andere Beispiele. Diese Kooperation etwa konnte man bei den „Herr der Ringe“-Making Ofs oft beobachten, während etwa David Fincher bei der „Alien Quadrilogy“ unter anderem seine Kooperation verweigert hat, weil man ihm bei „Alien 3“ jedwedes Mitspracherecht am Ende genommen hatte.
Die „Fluch der Karibik“-Sequels dagegen hatten beide mehrere Cutter, um Zeit zu sparen; so konnten jeweils unterschiedliche Passagen gleichzeitig bearbeitet werden und der sehr, sehr enge Zeitplan gehalten werden.

Dieser finale Schnitt eines Filmes nennt sich, zweckmäßig, „final cut“. Es ist in Hollywood eine ziemliche Seltenheit und Auszeichnung, wenn ein Regisseur das volle Recht am „final cut“ hat, denn das heißt, dass auch das Studio und die Produzenten, Marketing und all die anderen, an der Vermarktung des Filmes beteiligten Parteien kein Mitspracherecht haben.
Bei kleineren Filmen ist das aber auch oft anders – Kevin Smith etwa hat „Clerks 2“ sogar zu weiten Teilen nach dem täglichen Drehschluss in seinem Zimmer, auf seinem PowerBook geschnitten und hatte den Filmschnitt bei Drehende bereits in weiten Teilen fertig.

Und bei uns? Bei „Xoro“ hatten wir eine Arbeitsteilung mit Matthias als Regisseur und mir als Editor/Cutter. Das hat ziemlich gut funktioniert, war aber bisweilen etwas träge, weil Matthias zu der Zeit in Gummersbach hing, ich in Aachen wohnte, aber aus technischen Gründe in der Eifel schneiden musste. Aber es hat eine interessante, kreative Wechselwirkung gehabt.
Bei „Verfluchte Eifel“ werden wir es jetzt anders machen und Matthias hat sowohl Regie als auch Schnitt inne. Das Recht am „final cut“ aber liegt bei uns allen.

Abschließend noch ein Zitat von Alan A. Armer, das den Job des Regisseurs sehr elegant beschreibt:
„Er ist Vater und Mutter, Priester, Psychologe, Freund, Autor, Schauspieler, Photograph, Kostümbildner, Elektronikfachmann, Musiker, graphischer Künstler und spielt noch ein Dutzend andere Rollen.“

Aber auch wenn er Chef ist, so ist er doch nicht der einzige mit „Kommandogewalt“. Darum bleiben wir dieses Mal der „Was macht eigentlich…“-Reihe noch etwas treu und schauen uns kommendes Mal mal andere Leute an, die am Set und darum herum etwas zu sagen haben…

Grüße,
Thomas

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Was macht eigentlich … ein Produzent?

Verfasst von Thomas Michalski am April 4, 2007

Ich glaube, keine Frage wurde bei Filmen so oft gestellt, wie die nach dem Aufgabenbereich des Produzenten. Ich meine, nicht ganz zu Unrecht – nehmen wir als Beispiel ein Making Of zu „The Rock“. Dann ist klar, Nicolas Cage und Sean Connery, die sagen was, die sind die Hauptdarsteller. Und Michael Bay, den kannte damals zwar noch niemand, aber klar, der hat Regie geführt (streicht das „klar“ und denkt euch ein „kommen wir auch noch mal drauf zu sprechen“, aber gut). Doch wer ist dann dieser Jerry Bruckheimer, der auch immer was zu sagen hat? Was hat der da verloren?

Der Grund, weshalb so viel Unklarheit herrscht, liegt aber nicht zuletzt darin begründet, dass es für die Rolle eines „Produzenten“ kleine klaren Grenzen gibt. Es gibt keine eindeutige „job description“, die weltweit ihre Gültigkeit hat. Ein Schauspieler macht vor der Kamera im groben Bahnen stets einen vergleichbaren Job, der Produzent dagegen kann sehr unterschiedliche Aufgabenfelder und Einflussgebiete haben.

Die beste Definition ist es wohl noch zu sagen, dass der Produzent die Bedingungen schafft, damit der Film produziert werden kann. Er Koordiniert, überwacht und kontrolliert – mit unterschiedlichem Anteil je nach Person und FIlm – die Finanzierung, das Engagement der wichtigsten Crewmitglieder und kümmert sich um den Kontakt zu den Distributoren. Er sitzt schon zu Beginn an Bord, wenn der Film entwickelt, d.h. ausgearbeitet wird, und er wird nur in wenigen Ausnahmefällen bei der endgültigen Schnittfassung (dem „final cut“) ein Wörtchen mitzureden haben.
Darin unterscheidet er sich vom Regisseur, der gewissermaßen am Set die Hoheit hat. So ist es beispielweise der Regisseur, der am Set dafür sorgt, dass die Schauspieler da stehen, wo sie stehen, aber es ist der Produzent, der dafür sorgt, dass genau an jenem Tag, an jenem Ort jene Personen überhaupt stehen.

Dazu gibt es dann noch Produzenten in besonderen Geschmacksrichtungen. Der ‚Executive Producer‘ überwacht sozusagen die anderen Produzenten bei der Arbeit, der ‚Associative Producer‘ fungiert dagegen als untergeordneter Assistent eines Produzenten. ‚Co-Producer‘ teilen sich als Gruppe das Aufgabenfeld eines Produzenten, wohingegen der ‚Supervising Producer‘ mal wieder einer der Aufpasser ist, allerdings nur schwer trennungsscharf und allgemeingültig von ‚Executive Producer‘ abzugrenzen ist.
Es gibt noch ’ne Reihe anderer Produzententypen; wer da wirklich einsteigen will, ist mit der FAQ der amerikanischen Producer‘s Guild vermutlich nicht schlecht beraten.

Wohlgemerkt ist dies das streng amerikanische Modell. Gerade dort schluckt der Produzent mittlerweile häufig auch massiv Aufgaben von drei Zweigen, die wir uns hier ein anderes Mal ansehen werden, wenn es heißt „Was machen eigentlich … Aufnahme-, Herstellungs- und Produktionsleiter?“

Das nächste Posting wird aber mal wieder alleine unserem Film gehören und wir geben dann einen Ausblick darauf, auf welchem Wege Xoro eigentlich verfügbar gemacht werden wird.

Grüße,
Thomas

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