Easy Props 14: Stacheldraht

Hallo zusammen!

Ich hab das bisher fast immer versäumt, aber mit der neuen „stabilen“ Veröffentlichungsrate von einer Folge Easy Props alle zwei Monate dachte ich mir, kann ich das hier ja auch mal wieder öfters propagieren.

Was ist Easy Props? Eine Youtube-Video-Reihe, in der ich – manchmal alleine, oft mit Helfer – einfach zu bauende, bastelnde oder umzusetzende Effekte vorstelle. Von Kunstblut bis rostigem Metall, von DIY-Projektoren bis hin zu kleinen Blenden, um das Bokeh der Kamera zu verändern.

Und in der neuesten Folge – der Titel verrät es – geht es um Stacheldraht. Einfach zu machen, schnell fertiggestellt, optisch überzeugend und dabei vollkommen ungefährlich.
Und das geht so:

Wenn euch darüber hinaus die vorangegangen Episoden interessieren, hier ist eine Playlist mit allem, was schon erschienen ist:

Viele Grüße,
Thomas

Lampen für Jedermann

Hallo zusammen

Eine unserer Bauleuchten am Set von Hilde und die Glocken der Amazonen

Eine unserer Bauleuchten am Set von Hilde und die Glocken der Amazonen

Lampenfolien, Schweißerhandschuhe und Kaffee

Bauleuchten beim Dreh von Verfluchte Eifel. Man beachte a) die Schweißerhandschuhe, die wir nahe der heißen Leuchtmittel tragen und b) den Kaffee in meiner Hand😉

Professionelle Studiolampen kosten Geld, und zwar nicht wenig. Man tut also gut daran, eine Alternative zu finden. Die perfekte Alternative hieß für NoBudget-Filmer jahrelang „Bauscheinwerfer“. Die sind für rund 15 Euro in jedem Baumarkt zu bekommen. Wer etwas sucht und Glück hat, findet sogar welche auf einem Stativ, was einem die Arbeit natürlich erheblich erleichtern kann.
Allerdings sind Bauscheinwerfer auch nicht ohne Tücke. Inszenatorisch eher ein Problem ist das harte Licht, das sie normalerweise werfen und das zu unschönen „Schlagschatten“ führt, also hart abgezeichneten Umrissen.
Der andere Nachteil ist dagegen die große Hitze, die Bauscheinwerfer erzeugen. Nicht nur lohnt hier der Erwerb einiger Schweißerhandschuhe, um die Dinger im Zweifel auch mal halten zu können, sondern es gilt auch sonst, die Augen offen zu halten. Styropor, eine beliebte Reflektionsfläche für indirektes Licht (sehr leicht und absolut weiß; mehr zu Reflektoren gibt es dann aber kommende Woche), schmilzt man schon mit einem 500 Watt starken Scheinwerfer in Windeseile ein und selbst professionelle Scheinwerferfolie ist nicht gegen die Temperaturen gewappnet, die so ein Gerät produzieren kann, wenn es nur lange genug läuft.

Eine LED-Scheinwerfer mit Farb-Vorsätzen; Ladenpreis etwa 20-25 Euro

Eine LED-Scheinwerfer mit Farb-Vorsätzen; Ladenpreis etwa 20-25 Euro

Aber es gibt mittlerweile ja durchaus gute Alternativen. Die Krönung sind definitiv heute LED-Scheinwerfer. LEDs sind von ihrer Lichtfarbe her nicht ganz unproblematisch, aber mittlerweile kriegt man schon für um die 20-30 Euro kleine Leuchten, die mit verschiedenen Aufsätzen verschiedene Lichtfarben erzeugen können. Diese laufen meist auf Batteriebetrieb, was ein weiterer Pluspunkt ist, wenn man mobil oder in freier Wildbahn drehen möchte. Die genannte Preisklasse ist allerdings auch die absolute Untergrenze. Mehr Geld bringt einem deutlich mehr Leuchtkraft, eine bessere Verarbeitung, Akkus und Witterungsbeständigkeit. Doch auch wenn LEDs stromsparender sind, als alle Alternativen, sollte man ihren Energiehunger nicht unterschätzen. Das Äquivalent von sechs AA-Batterien in etwa 30 Minuten durchzujagen ist nicht ungewöhnlich.

Eine mobile Arbeitslampe aus dem Baumarkt

Eine mobile Arbeitslampe aus dem Baumarkt

Gewissermaßen das Pendant aus dem Baumarkt kann dazu dann noch ein sogenanntes mobiles Baulicht sein. Vielleicht kennt ihr sie vom Automechaniker her – stabartige Geräte, oft auch per Akku betrieben und mit LEDs besetzt. Die sind nett, aber häufig dunkler als die dezidierten LED-Foto- und Filmleuchten. Außerdem ist die Lichtfarbe bei denen wirklich eine mittlere Katastrophe und sehr, sehr blau. Dennoch, wer gar keine Alternative hat – und sei es, weil ein Licht ausgefallen ist und jetzt ein Ersatz hermuss –, der findet in den Leuchten vielleicht einen Helfer.

Ein Ringlicht, es kann wahlweise für Fotos blitzen oder auch für Videoaufnahmen konstant leuchten

Ein Ringlicht, es kann wahlweise für Fotos blitzen oder auch für Videoaufnahmen konstant leuchten

Spezialisiert – aber für unsere Zwecke auch überspezialisiert – sind übrigens sogenannte Ringlichter. Damit sind wir zurück im Foto-Betrieb – Ringlichter sind LED-Kränze, die vorne auf das Objektiv geschraubt werden und darum in Richtung der Kamera leuchten. Nett für mobile Journalisten, Dokumentarfilmer und natürlich für Fotografen, aber aufgrund der Art, wie ein Film ausgeleuchtet wird bestenfalls als Fülllicht zu gebrauchen.

Ein schon geradezu antikes Filmlicht, zusammen mit einer Super-8-Kamera auf dem Flohmarkt ergattert

Ein schon geradezu antikes Filmlicht, zusammen mit einer Super-8-Kamera auf dem Flohmarkt ergattert

Abschließend sei noch gesagt: Wie bei aller Technik gilt auch hier, dass je älter und je billiger die Geräte sind, desto größer die Unfallgefahr ist. Mit einem LED-Scheinwerfer kann man sich fast nichts tun, behaupte ich, mit einer kochend heißen Bauleuchte dagegen ganz vortrefflich. Nebenstehend abgebildet seht ihr dagegen eine alte mobile Leuchte, die ich auf dem Flohmarkt zusammen mit einer Super-8-Kamera erworben habe. Oben spannt man die gleichen Leuchtmittel ein, die auch in einem Bauscheinwerfer glühen – doch liegt er hier frei, anders als bei den meisten Bauleuchten. Besser noch: Das kurze Kabel kommt direkt und ohne Schutzkontakt in die Sicherung. Ist es eingesteckt, leuchtet nicht nur die Lampe mit voller Intensität, nein, zudem knistert das ganze Gerät vernehmlich vor sich hin. Solche Apparate sind vielleicht als ein Stück (Hobby-)Filmhistorie interessant, aber tut mir (und euch) einen Gefallen und nutzt sie nicht.
Dafür sind moderne Alternativen viel zu gut.

Viele Grüße,
Thomas

Die wichtigste Schraube am Stativ

Hallo zusammen!

Wer irgendeine Form von Kamerahalterung verwendet – Stative etwa, Slider oder auch Steadycams, der befestigt sein Aufnahmegerät daran, indem er beides mit einer Schraube verbindet. Diese Schraube befindet sich oben auf einem Stativ, auf Slidern und auf jeder anderen Vorrichtung. Manchmal ist die Schraube selbst wieder Teil eines lösbaren Elements – einer sogenannten Wechselplatte oder Schnellwechselplatte –, wodurch die Kamera etwa ohne viele Handgriffe zwischen einem Stativ und einem anderen System gewechselt werden könnte, sofern diese die gleiche Norm verwenden. Doch auch da gilt: Es ist letztlich eine Schraube, die Halterung und Kamera-Korpus verbindet.

Gewinde sml

Will man nun aber selbst eine Kamera-Halterung bauen, so kann man nicht jede handelsübliche Schraube nehmen. Manchmal liest man, dass Kameras metrische M6-Gewinde verwenden würden – doch das ist falsch. Es ist zwar tatsächlich so, dass man eine M6-Schraube in der Regel mit etwas Nachdruck in eine Kamera schrauben kann und das auch hält, doch geht das recht schnell auf Kosten des Gewindes. Es hat historische Gründe, dass hier weitgehend auf metrische Normen verzichtet wird. Das klassische Stativgewinde, was beispielsweise bei Spiegelreflex-Kameras, aber auch bei Camcordern zum Einsatz kommt, ist für eine 1/4“-Schraube ausgelegt. Die kann man man nicht völlig selbstverständlich überall in jedem Baumarkt erwerben, doch die ist durchaus auch in Deutschland zu haben.
Alternativ dazu könnten einem auch Gewinde mit 3/8“ unterkommen, das ist dann aber vermutlich schon ein Gerät der Oberklasse, das eine solche Schraube verwendet. Vollformat-Kameras etwa, oder spezialisiertes Audio-Equipment.

Um es zudem noch etwas komplizierter zu machen, gibt es die Gewinde auch noch mit zwei unterschiedlichen Flankenwinkeln. Früher wurde der britische Standard BSW mit 55° Flankenwinkel genutzt, heute der amerikanische Standard UNC mit 60°. Zumindest hier hat man aber Glück, denn der Unterschied ist so marginal, dass tatsächlich alte Schrauben ohne Probleme (und ohne Schäden) in neue Halterungen passen und umgekehrt. (Wer es gerne pedantisch mag, der findet das alles übrigens auch in Stein gemeißelt in der Norm DIN4503 / ISO1222.)

Der zweite Faktor, den man beachten sollte, wenn man sich selbst eine Kamerahalterung konstruiert, ist die Tiefe des Gewindes. Wer sich das obige Foto anschaut, sieht, dass die Schraube nicht sehr weit aus der Halterung herausragt. Es ist mehr als genug, um die Kamera zu halten, aber eben auch nicht zu viel. Anders als bei einem Möbelstück, wo man die Schraube in der Regel bis zum Kopf reindrehen und sie dann noch mal festziehen mag, muss man nicht weit in eine Kamera vorstoßen, bevor man beginnt, empfindliche Teile in Gefahr zu bringen. Hier empfiehlt es sich, in Zweifel bei der eigenen Kamera einmal vorsichtig nachzumessen und dann Vorkehrungen zu treffen, dass man nicht zu weit drehen kann – etwa, weil die Schraube gar nicht zu weit aus der Konstruktion herausragt, oder beispielsweise indem man einen „Stopper“ aus zwei gegeneinander gekonterten Muttern auf dem Gewindestab anbringt. Auf jeden Fall sollte man hier im Vorfeld Acht geben, denn im Eifer des Gefechts ist sonst schnell mal unüberlegt eine Drehung zu viel gemacht und das Equipment beschädigt.

Viele Grüße,
Thomas

Ein neuer Star-Wars-Fanfilm

Hallo zusammen!

Ach ja, Star-Wars-Fanfilme. Sie sind wie ein roter Faden, der sich hier durch diese Seite zieht. Aber zugleich etwas, wo mich lange nichts mehr so richtig gerockt hat. Imps: the Relentless hat großartig angefangen, ist aber nun schon seit so vielen Jahren inaktiv, dass es fast an Vaporware grenzt, Ryan vs. Dorkman 2 wird dieses Jahr 10 Jahre alt und Troops wird kommendes Jahr zwanzig. Zwanzig.
Neulich hab ich hier auf Kara verwiesen, der ist gut, aber auch der ist kein völliger „Wow“-Moment gewesen.

Und dann kam da Darth Maul: Apprentice um die Ecke.
Lassen wir erst einmal den Film für sich sprechen.

Das ganze Stück stammt ursprünglich aus deutschen Landen und wurde von Studenten zusammengeführt, wie man nachlesen kann. Man sieht es, denke ich, an keiner Stelle.
Einen Extra-Jubel gibt’s mindestens von unserem „Xoro“-Darsteller Scorp und mir für Matthis Landwehr, der für uns seit Kampfansage: Der letzte Schüler und Lasko irgendwie schon einer der deutschen Action-Namen ist, und der hier ebenfalls einen Jedi gibt.
Es ist das Stuntteam von defcon unlimited beteiligt, deren Firebucket Challenge wir ja auch sozusagen angenommen haben. Auch sei natürlich nicht unerwähnt, dass die Außenaufnahmen zu einem guten Teil in der Eifel und die Studio-Aufnahmen in Aachen entstanden sind, was uns natürlich ebenfalls am Herzen liegen muss.
Es gibt ein ganz sympathisches Hinter-den-Kulissen-Video zum Dreh, das auch viele uns vertraute Momente – Aussitzen von Regen, Finger-Wärmen an Kochgut, irritierte und amüsierte Touristen und dergleichen – zeigt:

Kurzum, es ist mir ein erzsympathisches Stück Filmprojekt, und eines, das mir wieder mal selbst vor Augen führt, warum wir das eigentlich machen, was wir machen.
Nichtsdestotrotz habe ich z.B. auf einigen News-Seiten, die den Film mit Recht betrommelt haben, auch Kommentare gelesen, die mich ehrlich verständnislos zurücklassen.
Kommentare darüber, dass man ja nun das x-te Lichtschwert-Kampf-im-Wald-Projekt echt nicht gebraucht habe.
Diskussionen darüber, dass Darth Maul ja wohl niemals gegen so viele Jedi hätte gewinnen können.
Beschwerden darüber, dass die Leute zu wenig unterschiedliche Lichtschwerter hätten.
Und Unverständnis dafür, warum Leute sich so eine Mühe machen, nur um so ein „Filmchen“ zu produzieren.

Wie gesagt, es lässt mich verständnislos zurück. Für mich ist, obschon der Film ja nun keine tiefgehende Handlung hat, Darth Maul: Apprentice ein lebendes Beispiel für nahezu alles, was an Film toll ist. Für die Möglichkeiten des Mediums, den Spaß der Produktion, die Ehrung von Vorbildern und die Kameradschaft am Set. Es ist ein Stück Ehrgeiz, es ist viel Herzblut nötig, 18 Drehtage über Jahre verteilt abzufeiern, um am Ende „nur“ einen Kurzfilm zu haben.
Und es ist, egal was Hater sagen mögen, exzellent umgesetzt.
Darth Maul: Apprentice zeigt auch, wie enorm die Verteilung technischer Möglichkeiten zugenommen hat. Das Kameramaterial und die damit verbundenen tollen Bilder, die Kamerahalterungen, Greenscreeen-Aufnahmen, Seilzüge und Drohnen – wenn mir damals zu Zeiten von Xoro: the Eifelarean einer gesagt hätte, dass so etwas im Privatbereich mal möglich sein würde, ich hätte ihm nicht geglaubt.
Heute hat im Grunde jeder mit seinem Smartphone eine HD-Kamera in der Tasche, und von dort aus steigen die Möglichkeiten nur immer weiter an.
Sicher, das Team hinter dem Film hier wusste zudem sehr gut, was es tat, verstand die tolle Technik auch gewinnbringend einzusetzen. Aber das ist Übung. Dass man es heute üben kann, das wiederum ist die Errungenschaft.

Ich bin sicher, felsenfest überzeugt, dass da draußen der eine oder andere sitzt, jung wie wir’s bei Xoro waren, der dies sieht und beschließt, so etwas auch können zu wollen. Machen zu wollen. Der sich in Bälde eine Kamera und ein paar Freunde schnappt und seinen ersten Film dreht.
Und von dort aus immer weiter gehen wird, mit jedem Jahr.
Das ist etwas, was wir zelebrieren sollten. Bejubeln und fördern.
Man muss nicht immer was zu nörgeln haben.
Man darf auch mal jubeln.

Und wenn Darth Maul mit einer fetten Kampfchoreo Jedis im Wald verhaut?
Dann juble ich.

Viele Grüße,
Thomas

Ein paar Videos quer durch’s Netz

Hallo zusammen!

Ich weiß, schmachvoll ist es, aber ich bin diese Woche einfach nicht dazu gekommen, einen Freitagsartikel hier für das Blog zu schreiben. Damit ihr aber nicht ganz ohne Futter dasteht, dachte ich mir, ich durchkämme mal meinen Video-Verlauf der letzten Wochen und schaue, ob da nicht das eine oder andere sehenswerte Stück dabei ist.

Ist es.

Und insofern gibt es heute die klugen Gedanken anderer Leute.

Fangen wir mit einem meiner derzeitigen Lieblings-Kanäle auf Youtube an: the Nerdwriter.
Da gäbe es so viele sehenswerte Videos, aber ich wollte mich heute auf zwei beschränken. Einmal eine tolle Betrachtung von Alfonso Cuaróns Harry Potter and the Prisoner of Askaban:

Und einmal eine nicht weniger tolle Analyse darüber, wie Howard Shore den Soundtrack für die Herr der Ringe-Filme entwickelt:

Anders als beim Nerdwriter kann ich Every Frame a Painting nicht immer zustimmen. Sie sind immer sehenswert, die Videos, aber zustimmen kann ich nicht immer.
Definitiv sehenswert ist aber das folgende Video, was sich anhand der Filme der Coen-Brüder mit dem eigentlich so basalen Konzept von Schuss und Gegenschuss befasst:

Ganz was anderes gibt es bei Cinefix. Top-10-Listen haben ja ein wenig den Ruf, schnell zu produzierendes, Klicks anziehendes und zugleich oft minderwertiges Videomaterial zu sein. Nun, Cinefix beschämt alle anderen, denn deren Format für Top-10-Listen demonstriert einen Umfang und eine Liebe zum Medium, die man selten so findet.
Ihre Top 10 Movie Twists of All Time sind weniger spoilernd als man meint, aber manche Pointe wird hier natürlich schon verschossen. Zugleich ist es aber eine unglaublich gute Übersicht von sehenswerten Filmen – und sei darum verlinkt:

Und zuletzt haben wir hier mal wieder den Kanal von Channel Awesome. Der Nostalgia Critic alias Doug Walker befasst sich unter dem ganz coolen Kampfbegriff WTFU – Where’s the Fair Use mit Youtubes aktueller „Krise“.
Wer es nicht mitbekommen hat: Youtubes ContentID-System, das eigentlich dazu dient, Raubkopien und ähnliches aufzuspüren und auszuschalten, läuft in den letzten Wochen regelrecht Amok, schießt anerkannte Kanäle aus dem Netz und ist allgemein außer Kontrolle. Walkers Video hat eine Menge Dialog zu dem Thema ausgelöst, gebunden an das bei uns in Deutschland eh nicht ganz vergleichbar gegebene Konzept von Fair Use, und betrifft letztlich auch deutsche Schöpfer, sofern sie etwas bei Youtube bereitstellen wollen.
Das ist das Video hier:

So, damit solltet ihr über die Woche kommen, oder?
Kommenden Freitag geht es dann mit dem gewohnten Programm hier weiter!

Viele Grüße,
Thomas

Wisse, was du drehen willst

Hallo zusammen!

Es gibt eine Menge ganz pragmatischer Fragen, die man sich vor einem Filmdreh stellen kann – welche Szenen werden gedreht, wer muss dafür anwesend sein, was wird an Equipment hinter, an Requisiten vor der Kamera gebraucht und derlei mehr.

Aber es gibt noch eine andere Art, sich im Vorfeld zu fragen, was genau man eigentlich dreht – die Hintergründige. Worum geht es in dem Film, den man dreht? Die Antwort darauf kann sehr oft als Schlüssel dienen, um auch zu begreifen, worum es in einzelnen Szenen gehen soll und Entscheidungen zu treffen, wenn sie spontan nötig sind.

So gibt es etwa eine Anekdote zu Francis Ford Coppola: Beim Filmdreh von „Der Dialog“ wurden ihm von der Requisitenabteilung verschiedene Regenmäntel zur Wahl gestellt: einer durchsichtig, einer dunkel. Sie wollten wissen, ob er sich die fragliche Figur wie einen Detektiv vorgestellt hat, wie einen Humphrey Bogart, oder was sonst. Nun könnte er wahlweise einfach eine willkürliche Wahl treffen, oder aber – noch fataler – unentschlossen am Set stehen. Coppola aber denkt komplexer: Sein Film, weiß er, dreht sich unter anderem um das Thema der Privatsphäre – und darum wählt er den durchsichtigen Schirm, weil er es in dem Kontext spannender findet. Solche Entscheidungen sind aber nur möglich, wenn man über die eigene Materie weiterführender nachgedacht hat als nur von einem technisch-realisierenden Standpunkt aus.

Dies ist jedoch auch eine Herangehensweise, die nicht auf das intellektuelle Kino beschränkt ist. Mein Standardbeispiel ist hier die „Fast & Furious“-Reihe. Auf den ersten Blick ist es eine Filmreihe über „coole Typen“ und schnelle Autos. Das mag auch das Thema sein. Das Leitmotiv aber ist ein ganz anderes: Es ist eine Filmreihe über das Konzept von Familie. Und wenn man sich die Filme unter dieser Prämisse noch mal bewusst anschaut, kann man überall diese typischen, kleinen Designentscheidungen ausmachen, die im Falle eines jeden Drehs aufkommen. Man kann aber vor allem ausmachen, wie oft die Antwort auf mögliche Fragen schon alleine durch dieses Leitmotiv gegeben wurde.

Darum gilt: Man muss seinen Film nicht nur kennen, man muss ihn verstehen. Verständnis für den Inhalt des Films dient nicht nur dazu, dass man beim Dreh schneller gute Entscheidungen treffen kann, es ist zugleich eine Rettungsleine, die verhindert, dass spontane Setzungen plötzlich deplatziert wirken können – denn das Leitmotiv schafft automatisch Kontext.

Viele Grüße,
Thomas

Behördengänge

Hallo zusammen!

Wer auf dem Grund von Stadt oder Gemeinde filmen will, muss leider jeweils regional selber recherchieren, an welche Stellen er sich zu wenden hat. Das ist von Ortschaft zu Ortschaft unterschiedlich; in einigen Gegenden gibt es eigene Mitarbeiter für den Filmsektor im Rathaus, anderswo hat man sich derartige Fragen noch nie gestellt.

Dabei ist der eigene Fachangestellte in der Regel eher Fluch als Segen, denn Orte und Städte mit entsprechenden Erfahrungen wissen sowohl um den Aufwand wie auch um das (normalerweise) vorhandene Kapital und lassen sich eine Drehgenehmigung dann auch gerne mal tageweise ganz ordentliche Beträge kosten.

Ist man dagegen in Gebieten, wo diese Frage noch nie auf dem Tisch war, kann man alle Bürokratie vielleicht auch einfach umgehen, indem man sich etwa an Ortsvorsteher wendet. Die sind in den seltensten Fällen wirklich zuständig, aber können durchaus ein verbindliches Okay unterschreiben. Und mehr braucht man als NoBudget-Filmer ohnehin nicht. Hauptsache man hat etwas, was man Leuten zeigen kann, die während des Drehs nachfragen kommen, wer man eigentlich ist.

Der zweite Gang, der sich eigentlich immer lohnt, ist der zu Polizei oder Ordnungsamt. Gerade wer etwas drehen will, was Außenstehende falsch verstehen könnten (Szenen mit Waffen, Skinheads, andere Elemente, die nach Verbrechen aussehen) oder aber bei dem die Gefahr einer Lärmbelästigung vorliegt, sollte kurz Bescheid geben.

Das kostet aller Erfahrung nach eigentlich nie Geld und landet meistens mit einem freundlichen Lächeln einfach im Ordner, aber kann im einem im Zweifelsfall viel Ärger ersparen.
Denn niemand profitiert, wenn die Streifenwagen aufrollen, weil „sich da welche im Wald gegenseitig erschießen“ oder so.

Vielleicht habt ihr aber auch nicht gehört, habt einfach so gedreht und plötzlich leuchtet das Blaulicht auf, als sich eine Streife in euren Dreh schiebt. Das ist kein Problem, es ist aber dennoch immer eine ernste Situation. Gerade wenn die Stimmung am Set eher fröhlich war, ist dies ein guter Moment, um sich ins Gedächtnis zu rufen, dass dort gerade Gesetzesvertreter eingetroffen sind. Ein normaler Filmdreh ist nichts Illegales, oft aber in einer Grauzone und die Wahrscheinlichkeit, dass einer der eintreffenden Beamten da spezielle Kompetenz besitzt, ist gleich null. Aber auch das ist kein Probem.

Begegnet ihnen höflich und freundlich. Leistet Anweisungen erst einmal Folge und – wichtig – geht direkt konstruktiv in das Gespräch. Wie es in den Wald hinein schallt …

Die Erfahrung lehrt, dass ein paar freundliche Worte und eine ausreichende Erklärung in den allermeisten Fällen, solange sich niemand zurecht gestört gefühlt hat durch den Dreh, dazu führen, dass man gesagt bekommt, man könne weitermachen. Manchmal sind die Beamten sogar fasziniert und lassen sich alles erklären.

Wer aber meint, den starken Filmemacher markieren zu wollen – selbst wenn er eine Genehmigung vom Ordnungsamt in der Tasche haben sollte –, wird schnell feststellen, dass er dennoch am kürzeren Hebel sitzt. Wie in so vielen Momenten im Leben: Konstruktiv agieren führt weitaus schneller zum Ziel.

Viele Grüße,
Thomas