Die Deppenliste

Hallo zusammen!

Man vergisst so schnell etwas. Man braucht so viel und ist gerade im NoBudget-Bereich auch oft für viele, viele Dinge gleichzeitig zuständig, sodass es leicht ist, etwas zu übersehen. Und wenn alle Requisiten, alle Kostüme, Akkus, Filter und Objektive am Set sind, aber man die Kamera vergessen hat, dann ist auch keinem geholfen.

Das effektivste Mittel dagegen ist, so trist und banal es wirken mag, eine Liste. Von einem Bekannten habe ich den Begriff „Deppenliste“ aufgeschnappt und mag ihn sehr; nicht, weil ich denke, dass Leute, die etwas vergessen, besondere Deppen sind, sondern vielmehr, weil ich fest glaube, dass wir alle Deppen sind.

Auf welche Art ihr die Liste pflegt, ist natürlich offen: Ob nun per App auf dem Smartphone, mit entsprechend vorgefertigten Vordrucken, in einem Notizbuch oder auf Schmierblättern ist egal, Hauptsache die Liste an sich existiert. Zweimal. Denn nicht nur zu Beginn müsst ihr daran denken, alles einzupacken, auch am Ende, wenn es heim geht. Dann ist man aber auch noch geschafft, vielleicht ein wenig aufgeregt, steht möglicherweise tropfnass im Wald oder muss recht zügig eine angemietete Location verlassen – und dann ist die Liste sogar doppelt ihr Geld wert.

Überlegt euch also ein System, dass euch ermöglicht, An- und Abreise abzuhaken. Vielleicht einfach in Form von zwei Spalten, je zum ankreuzen, vielleicht stattdessen aber auch wirklich mit einer doppelten Ausfertigung.

Und was kommt dann auf diese Liste?

Alles. Absolut alles.

Es empfiehlt sich, vielleicht Themenblöcke zu machen, um die Übersicht nicht zu verlieren, aber wirklich alles, was ihr an dem Tag braucht oder brauchen könntet kommt auf die Liste. Am Besten schreibt ihr die Liste auch nicht direkt bevor ihr packt, sondern wenigstens am Abend vorher, vielleicht sogar über die Tage vor dem Dreh hinweg. Das gibt euch die Möglichkeit, ab und zu draufzuschauen und zu sehen, was ihr noch vergessen oder bisher übersehen habt.

Die Erfahrung lehrt: Irgendwas findet sich immer noch, über das man am Ende beim Dreh dann froh ist.

Viele Grüße,
Thomas

Der Plan zum Drehbeginn

Hallo zusammen!

Irgendwann dann ist es soweit – ihr steht am Drehort, ob nun Set, Studio oder irgendetwas dazwischen. Leute schauen euch erwartungsvoll an, denn spätestens beim Erreichen des Sets wandert noch einmal eine ganz neue Form von Verantwortung auf eure Schultern: Immerhin ist es euer Film und Leute, die da sind um zu helfen, erwarten nun, dass man ihnen sagt, wie sie helfen können.

Ein paar Punkte, die sich bei uns bewährt haben, wären folgende:

  1. Seid pünktlich. Eine Reihe Leute stellen sich möglicherweise widrigen Verhältnissen, um euch zu helfen, einen Film entstehen zu lassen. Sie nicht warten zu lassen ist schon eine Sache der Höflichkeit.
  2. Begrüßt alle Anwesenden und sagt in einem schon mal Danke.
  3. Erklärt allen noch einmal, was heute gedreht wird und warum. Worum geht es, wer spielt welche Rolle. Erklärt in einem auch, wer weshalb da ist – wer soll vor die Kamera und wer erfüllt welche Rolle hinter den Kulissen.
  4. Bittet um grundlegende Fragen, sodass diese einmalig für alle Anwesenden beantwortet werden können.
  5. Während die Schauspieler sich parat machen – Kostüme, Make-Up etc. – ist ein guter Zeitpunkt, noch einmal mit der Crew zu reden und dort eventuelle Fragen aus der Welt zu schaffen.
  6. Im Anschluss sollte auch mit jedem Schauspieler noch einmal gesprochen werden – gibt es Fragen, Bedenken oder Anmerkungen? Und selbst wenn nicht: Zeigt den Schauspielern, dass ihr ein Ansprechpartner seid.
    [6b. Sind Leute anwesend, die noch keinerlei Vertrag unterzeichnet haben? Dann holt das schnell nach, ab dem Moment, an dem sie mitwirken, aber das nicht geklärt ist, kann es zu Problemen kommen.
  7. Gibt es etwas, was ihr als Nebenerzeugnis mitnehmen wollt? Aufnahmen für das Making-of? Anmoderationen für ein Vlog? Fotos von Darstellern in ihren Kostümen? Egal was es ist: Macht es am Anfang. Die Erfahrung lehrt, dass am Ende so oder so die Zeit knapp wird, aber solche kleinen Extras fallen sonst am ehesten unter den Tisch.
  8. Drehbeginn.

Wie immer gilt: Das ist keine sklavisch einzuhaltende Liste mit Vorgaben, eher ein Vorschlag. Wichtig ist vor allem: Macht euch einen Plan, geht möglichst geordnet vor und – wichtiger noch als alles andere – geht gut mit euren Helfern um.
Dankbarkeit obsiegt.

Viele Grüße,
Thomas

Spielt auf, meine lebenden Requisiten!

Hallo zusammen!

Es ist immer eine Stilfrage, wie viel Freiheit man seinen Darstellern am Set lässt. Wenn man sich Interviews mit professionellen Drehbuchautoren anschaut, wird dort gerne betont, dass sie schon erwarten, dass man dem Script aufs Wort hin folgt. „Wir hatten schon unsere Gründe, das so zu schreiben“, heißt es dort dann. Auch manche Regisseure sind am Set pedantisch und erwarten, dass Schauspieler auf den Zentimeter hin präzise genau die Punkte ansteuern, die sie ihnen nennen.
Andere sehen das lockerer; in beiderlei Hinsicht. Sie nehmen das Script mehr als Leitfaden und lassen auch die Schauspieler mit der Situation spielen, schauen, wohin sie das führt und passen die Inszenierung entsprechend daran an.

Wie immer gilt: Der Mittelweg ist eigentlich nie verkehrt. Szenen zunächst mit dem Wortlaut des Drehbuchs umzusetzen schadet niemandem, alleine schon, dass man es entsprechend einmal „im Kasten“ hat. Aber darüber hinaus ist es oft lohnend, die Schauspieler auch einfach einmal machen zu lassen.
Sie haben sich intensiv mit ihren Rollen befasst und haben sich vermutlich, egal welcher Schauspielmethode sie folgen mögen, auch Gedanken zu den Beweggründen ihrer Figur gemacht. Sie haben ein eigenes Verständnis davon, was in ihrer Figur vorgeht und ziehen daraus ihre Schlüsse darüber, wie sie das, was im Drehbuch steht, weiter interpretieren. Es ist nicht immer zielführend und manchmal kommt vor allem Unfug dabei heraus, keine Frage, aber oft findet man auch pures Gold, wenn man ihrer Intuition vertraut.
„Wir werden ein größeres Boot brauchen“, mag vielleicht der ikonischste Satz aus „Der weiße Hai“ sein, aber er stand niemals im Script; vielmehr entfuhr er Darsteller Roy Scheider beim Anblick ihres mechanischen Hais. Spielberg ließ ihn drin – und schrieb Filmgeschichte.
Mein liebstes Beispiel aber stammt aus Ridley Scotts „Blade Runner“. Wenngleich nicht spontan am Set, so nahm sich Rutger Hauer einen Tag vor dem Dreh seines bewegenden Monologs am Ende des Films – „All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen“ und alles davor – den Text selber einmal zur Brust und trug dann, ohne Absprache mit Scott, am Set seine eigene Fassung vor. Er erntete Applaus der Crew, seine Fassung wurde verwendet und einmal mehr wurde Filmgeschichte geschrieben.

Lasst den Darstellern die nötige Freiheit, wenn sie es wünschen.
Bedenkt allerdings eines – je mehr Schnitte ihr in einer Szene habt, desto wichtiger ist Kontinuität und desto schwieriger werden längere Abweichungen in einer Szene. Wir kommen aber auf dieses ganze Themenfeld im Laufe des Jahres noch zurück.

Viele Grüße,
Thomas

Ein paar filmische Inspirationen

Hallo zusammen!

Ich hatte euch ja als Ausgleich für das trockene Thema am Freitag noch ein paar Videos versprochen. Nun, dann wollen wir doch auch direkt mal …

Zwei Videos aus der Kategorie „VFX Breakdown“ haben mich in den letzten Wochen begeistern können. Das eine ist dabei aber auch direkt schwierig:
Passend zur Oscar-Season gab es ein entsprechendes Video zu Star Wars: The Force Awakens zu sehen, das eine Menge coole Einblicke liefert hinsichtlich der Frage, was praktisch, was digital und was gemischt gelöst wurde. Zumal ich gerade bei den Kombinationen einige Varianten echt abgefahren fand.
Das Problem: Das Video ist relativ schnell wieder aus dem Netz verschwunden und seither sehr rar gewesen. Man kann es googeln, aber das überlasse ich euch ;)
Dann wiederum schrieb ich diesen Artikel hier Freitagabend, als mich der Link einer Freundin erreichte, der das alles wieder aufwiegt. Wen also Star-Wars-FX interessieren – hier geht’s echt ins Detail:


Eine wirklich coole Kombination aus praktischen und digitalen Effekten hat derweil auch die zweite Staffel Hemlock Grove zu bieten; die Serie ist zwar auf Netflix, aber gesehen habe ich sie bisher nicht, weshalb ich gar nicht sagen kann, ob das nachfolgende Video ein Spoiler ist. Auf jeden Fall ist es irre beeindrukend! (Und eher nichts für ganz zart Besaitete …)

Wer derweil noch nicht genug Star Wars hat, dem sei hier mal wieder nach langer Zeit ein Fanfilm empfohlen: Kara ist nicht perfekt, aber hat finde ich ein paar echt sehenswerte Elemente:

Derweil nutzen die Jungs bei Red Giant ihre Arbeit an Präsentationen ihrer eigenen Produkte zugleich als Ausrede, coole Kurzfilme zu drehen. Seth Worley (ihr erinnert euch vielleicht an Real Gone, den hatten wir hier auch mal) hat Go Bag gedreht, den ich einfach nur cool finde:

Und der hat nicht ein Making of …

… sondern zwei:

Ich hoffe, ich konnte euch damit den Sonntag ein wenig versüßen.
Ich mach mich nun mal wieder an Hilde – mit jeder Woche dem fertigen Film wieder ein Stückchen näher.

Viele Grüße,
Thomas

Über den Sinn und Unsinn einer Schweigepflichtserklärung

Hallo zusammen!

Vorweg eine gute Nachricht: Ab jetzt gibt es diese Ratschläge zur Filmproduktion hier im Blog wieder jede Woche Freitags. Das ist doch mal was, oder?

Wer einmal in professionellere Medienproduktionen vorstößt, der macht dort früher oder später Kontakt mit einer Verschwiegenheitserklärung (manchmal auch: Schweigepflichtserklärung), oder bisweilen aus dem Englischen entlehnt: mit einem „Non-Disclosure Agreement“, kurz NDA.
Und das hat auch durchaus seinen Sinn.
Gerade in Zeiten des Internets ist es wichtig, die Kontrolle über das eigene Projekt zu behalten. Weder will man vorzeitig Spoiler in der Welt haben, noch will man, dass die Highlights des eigenen Films oder gar die Planung für zukünftige Projekte nach draußen gelangen. Ergänzt man, wie populär Franchises mittlerweile sind, so ist das nur umso nachvollziehbarer.

Das ist auch nicht neu. Es hatte den selben Zweck – Geheimhaltung –, dass „Rückkehr der Jedi-Ritter“ unter dem Arbeitstitel „Blue Harvest“ gedreht wurde und dass damals Drehbuchseiten auf dunkelrotem Papier geschrieben waren, um Fotokopien zu verhindern. Aber das alles ist mit dem Internet natürlich rasant kritischer geworden.

Ich habe in meinem Leben auch schon manch solche Erklärung unterschrieben. Dennoch ist mein Ratschlag immer ganz klar, wenn ich gefragt werde, ob ich das bei einem NoBudget-Projekt auch sinnvoll fände, es zu lassen. Denn auf den ersten Blick mag das sinnvoll scheinen, in der Praxis aber scheitert es im Zweifel schon an einem einfachen Punkt: Der Umsetzung.
Es geht bei solch einer Erklärung ja weniger darum, das Ausplaudern von Details zu verhindern, sondern vielmehr darum, es bei einem Verstoß zu ahnend. Dies ist der Punkt, an dem man sich fragen muss: Würde man seine Freunde – mit denen man ja vermutlich zusammenarbeitet – verklagen wollen, weil sie ein Foto von sich am Set des Films auf Instagram geladen haben? Wohl nicht, oder?
Selbst bei Mitwirkenden von außerhalb ist es die damit dann verbundenen Mühen vermutlich nicht wert; den Image-Schaden, den es sicherlich nach sich ziehen würde, schon mal gar nicht. Wie in jeder kleinen Community sind Leute, die mit Anwälten auf Probleme werfen, nie beliebt und schnell alleine. (Mit Recht, nebenbei bemerkt.)

Die Lösung, die ganz ohne Verträge und Rechtsschutzversicherungen funktioniert, sind hingegen freundliche Worte. Wer seine Helfer bittet, nichts auszuplaudern oder dieses und jenes bis zum Erscheinen des Filmes nicht jedem zu erzählen, wird feststellen, dass der Wille zur Mitwirkung eigentlich immer vorhanden ist.

… und weil die olle Juristerei für sich genommen oft so viel Pflicht und so wenig Kür ist, gibt’s zum Ausgleich am Sonntag noch ein paar „coole Videos anderer Leute“ hier zu sehen.
Deal? Deal.

Viele Grüße,
Thomas

Hilde und die Glocken der Amazonen: Offizieller Trailer Nr. 1

Hallo und frohe Weihnachten!

Nach diversen Weihnachts-Teasern und Blog-Videos ist es heute nun endlich, endlich soweit und ich kann ihn enthüllen – den ersten richtig offiziellen Trailer zu Hilde und die Glocken der Amazonen:

Was bedeutet richtig offiziell?
In unserem Falle vor allem, dass das, was ihr dort jetzt seht, aussagekräftig ist, was den finalen Film angeht. Ton, Farblook, langsam sind wir am Ziel und insofern kann man auch guten Gewissens auf diesen Trailer deuten und sagen: Schaut, daran arbeiten wir seit Jahren.

Viel Spaß damit!

Und natürlich ein frohes Weihnachtsfest, ein paar besinnliche Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Ins Jahr 2016. Das Jahr, in dem Hilde erscheinen und Xoro 2 beginnen wird.

Viele Grüße,
Thomas

Hilde: Blogvideo 18 – Gute Dinge sagt man mehrfach

Hallo zusammen!

Von mir über die letzten zwei Abende geschnitten und von Ralf wie immer schneller als man schauen kann zu Youtube geladen – es gibt ein neues Hilde-Blogvideo. Und insofern ohne Umschweife:

Viel Spaß damit!

Viele Grüße,
Thomas