Warum Keying der Teufel ist

Moin!

Mittlerweile gibt es ja im Grunde keine größere Produktion mehr, wenigstens im Blockbuster-Hollywood-Segment, die ohne sie auskommt: Blue- oder Greenscreen-Aufnahmen.
Der Oberbegriff, mit dem man sich gewissermaßen die Farbaufzählung spart, ist „Keying“. Und das ist eigentlich eine feine Sache.

Man gibt dem Computer einen Farb- oder Helligkeitsbereich an. Dieser wird dann im Film, Einzelbild für Einzelbild bestimmt und zu den anderen Bereichen hin abgegrenzt. Der Computer macht dann den so bestimmten Bereich in jedem Frame („Frame“ ist beim Film ein schlaues Wort für Einzelbild) transparent.
So kann man beispielsweise einen Darsteller vor einer grünen Wand filmen, diese dann per Keying entfernen und statt dessen dort eine andere Landschaft hinsetzen. Zack, und schon transportiert man den Schauspieler aus dem Studio heraus etwa auf eine grüne Wiese.

Größter Liebhaber dieser Technik dürfte noch immer George Lucas sein, der nahezu die kompletten Star Wars-Prequels vor entsprechenden Screens gedreht hat. Doch auch andere aktuelle Filme wie „Sin City“ oder „300“ bedienen sich dieses Verfahrens.

Klingt ja auch toll, oder? Es hat etwas von „Die große weite Welt sehen, ohne die Garage zu verlassen“.
Leider aber gibt es für den Amateur- und auch Semiprofi-Anwender ein dickes Problem, denn das Material, dass man auch mit einer guten Mini-DV- oder einer mittelprächtigen HD-Kamera bekommt, wird sich nur schwierig erfolgreich keyen lassen.

Dafür gibt es verschiedene Einzelgründe. Neben der Schwierigkeit, überhaupt erst mal eine vernünftige Rückwand aufzutreiben oder anzufertigen ist vor allem die Technik ein Problem. Sowohl DV als auch MPEG2 (Letzteres findet man leider auch noch bei neueren HD-Cams) kompirimieren Farben. Soll hier jetzt nicht im Detail erklärt werden, aber sagen wir mal so: Die Farbinformationen werden vereinfacht, um die aufgezeichneten Daten kleiner zu halten. Das wird so gemacht, dass es dem bloßen Auge gar nicht auffällt … beim Keying dann aber merkt man schnell, woran man ist.

Um grob das Problem, dass wir intern auch „Lochfraß“ nennen, mal zu illustrieren, nebenstehend zwei Aufnahmen, die Ralf und ich neulich zum Test gemacht haben.
Bevor sich wer beschwert, japp, wir wissen auch, dass das Ausgangsmaterial schon suboptimal ist, aber es geht ja um‘s Prinzip.
Keying - Die Rohaufnahme Wir haben die Aufnahmen vor einer entsprechenden Wand gemacht, die sich an sich gut aufnehmen ließ. Dann haben wir fahrend einige Landschaftsaufnahmen gemacht, die als Hintergrund fungieren sollen. Alles ins Programm geladen, das Keying-Plugin aktiviert und herausgekommen sind … zwei Videos, die uns perfekt zeigten, wo die Probleme liegen.
Keying - Das Beispiel Wer sich die bearbeitete, nebenstehende Version einmal anschaut, der wird schnell einige der Probleme bemerken. Die Heizstreben der Heckscheibe sind komplett verschwunden und auch die Kontur der Haare hat sich in ein ziemliches Pixel-Kanten-Meer verwandelt.
Keying - Das zweite Beispiel Noch härter hat‘s die Aufnahme nach vorne heraus getroffen, denn wer sich mal den zerfranselten Rand rund um den Rückspiegel beschaut, ebenso den entlang der Frontscheibe, der erkennt das Problem.
Dass wir dann auch noch ein Loch im Daumen des Fahrers sehen geht auf eine andere Tücke zurück, nämlich eine zu große farbliche Ähnlichkeit der Hautfarbe mit unserer Keying-Fläche. Ebenso ist es ein Problem, dass der halbtransparente, grünliche Streifen auf der Frontscheibe nicht transparent geblieben ist, dafür aber die Bügel der Brille des Fahrer verschwunden sind.

Wir wollen hier gar nicht behaupten, dass das nicht geht. Im Gegenteil, selbst deutsche Filme wie Kampfansage zeigen, was selbst mit DV möglich ist, wenn man weiß, was man tut.
Sehr gut weiß, was man tut.

Generell gilt aber auch hier wieder die Faustregel: Was du per Hand machen kannst, das mach per Hand, es zahlt sich immer aus.

Das war‘s für heute, aber wir bleiben noch beim Thema. Das nächste Mal zeige ich euch noch einige Screenshots direkt aus Xoro, wo wir auch mit Keying gearbeitet haben und wo es teilweise funktioniert hat, teilweise nicht.
Und in dem Sinne zeigen wir dann auch gleich mal, was man tun kann, wenn es eben gerade nicht funktioniert hat…

Angenehme nächste Tage,
Grüße,
Thomas

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Ein Gedanke zu „Warum Keying der Teufel ist

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