Von der Idee zum Drehbuch

Moin!
Drehbücher sind irgendwie immer einfach da, oder? Filme haben ein Drehbuch, klar – aber wo kommt das her? Klar, am Anfang hatte jemand eine Idee, und dann?

Entgegen der landläufigen Meinung setzt sich normalerweise nicht ein einzelner Mensch hin und packt seine Idee sofort in ein „kurbelfertiges“ Drehbuch, wie man auf Schlau so sagt. Vielmehr durchläuft ein Film – wir beschränken uns hier mal wieder auf narrative Filme, also „nicht-Dokus“ – eine Reihe von Stationen, bis er wirklich fertig ist.

Idee
Ich meine, dieser Part ist selbsterklärend. Jemand denkt sich etwas aus, was als Film funktioniert, oder adaptiert etwas, was es schon gibt. Es ist schade, aber Letzteres ist natürlich die weitaus häufigere Variante. Jetzt hat er diese Idee. Und nun?

One-Liner
Traditionell beginnt man dann mit einem sogenannten One-Liner. Das ist recht selbsterklärend, ebenso wie die etwas aus der Mode gekommene deutsche Bezeichnung des Einzeilers.
„Texas Tom findet in einem Stock, den er von seinem letzten Abenteuer mitgebracht hat, eine Karte zur Truhe des Todes, doch ein Nazi versucht diese vor ihm zu erlangen.“
Oder so. Halt ein Satz, der die Filmhandlung ganz grob umreißt.

Synopsis
Es folgt die Synopsis, manchmal auch Synopse genannt. Lapidar gesagt ist das ein Text für den DVD-Rücken. Maximal eine Seite lang, eher kürzer, wird hier die generelle Struktur des Films grob umrissen. Keine Details, keine Dialoge, alles sehr oberflächlich.
Doch die Synopsis ermöglicht es einem, binnen weniger Minuten eine Idee von dem Film zu bekommen, was gerade auch sinnvoll ist, wenn man das Werk doch irgendwo einreichen möchte. Wie ein Abstract bei einer wissenschaftlichen Arbeit ist es eben die Zusammenfassung.

Treatment
Der nächste Schritt ist das Treatment. Ich persönlich erkläre das immer als ein „Drehbuch ohne Dialoge“. Mit zehn bis zwanzig Seiten Umfang wird hier der Film bereits recht genau beschrieben, aber erneut, ohne alle Details auszuarbeiten.
Man muss wohl schweren Herzens einräumen, dass viele „Drehbücher“ im Amateurbereich eher bessere Treatments sind. Es geht hier vor allem darum, bereits eine Grundlage zur Planung des Films zu haben. Alle wichtigen Charaktere sind beschrieben, die Locations absehbar, die Strukturen endgültig erkennbar und der Aufwand ist schlicht einzuschätzen.
Im Profi-Bereich ist es normalerweise so, dass ein Treatment die Grundlage zu einem Drehbuchauftrag ist. Was aber nicht bedeutet, dass jetzt direkt ein endgültiges Drehbuch auf den Tisch geworfen wird.

Drehbuch-Entwürfe
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, auch wenn alle Straßen dorthin führen. Der erste Drehbuchentwurf ist selten die Grundlage für eine Filmproduktion und nicht selten wird sogar am Set noch massiv etwas an der eigentlich endgültigen Fassung geändert.
Wer direkt sein erstes Drehbuch nehmen will, sollte sich doch nach ein, zwei Wochen noch mal an die eigenen Nase fassen und diese Absicht überprüfen. Wir haben Xoro ziemlich straight nach einer Version 1.1 des Drehbuchs begonnen und danach noch ganze Szenen hinzugefügt und gestrichen. Das ist Aufwand, das ist Arbeit, das sollte man vermeiden.
Viele Revisionen sind auch nichts, wofür man sich jetzt schlecht fühlen muss.
„The Departed“, Scorseses oscarprämierter Gangsterfilm, hat ein Drehbuch von William Monahan. Und obwohl das schon wiederum nur ein Remake des asiatischen „Infernal Affairs“ von Alan Mak und Felix Chong ist, gab es auch nicht direkt ein „shooting script“.
Laut dem Booklet der DVD-Edition ist das verwendete Drehbuch die insgesamt zwölfte Fassung.
Häufig werden die Versionen durchgehend farbcodiert, so dass man am Umschlag direkt sieht, welche Edition man da hat. Das muss man aber natürlich nicht so machen.

Das endgültige Drehbuch
Erst danach, nach dieser langen Reise, hat man ein sogenanntes „shooting script“, also ein „kurbenfertiges Drehbuch“. Damit ist man auch noch nicht fertig, etwa wollen dann auch bald Storyboards angefertigt werden. Doch wer einmal bis hier ist, kann sagen, dass wenigstens dieser Teil der Produktion damit wohl in trockenen Tüchern ist.

Spätestens jetzt sollte man sich auch Gedanken um vertragliche Absicherungen machen – eher früher.
„Selbst unter Freunden?“ mag man fragen. Die Antwort lautet „Oh ja.“
Und warum das so ist, das erzähle ich euch das nächste Mal…

Grüße,
Thomas

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