Verträge? Ach was, wir sind doch Freunde!

Guten Nachmittag zusammen!

Das heutige Thema ist eine recht heikle Angelegenheit, die immer eher unangenehm anzusprechen ist. Aber man möge mir glauben, wenn ich sage, es lohnt sich, das Thema auf den Tisch zu legen, bevor man tatsächlich einen Grund dazu hat.

Prinzipiell erscheint die Absicherung durch Verträge bei den meisten No-Budget-Filmen recht egal zu sein. Man dreht ja meist eh unter Freunden, zahlt niemandem Geld für irgendwas und alles läuft mehr oder weniger per Handschlag ab. Das ist ja auch schön und gut, allerdings fehlt in einem ganz essentiellen Punkt die Weitsicht.

Denn niemand hört es gerne, aber Freundschaften sind häufiger als einem lieb ist eine endliche Geschichte. Sicher, jedermann hat diese Freunde, die er seit frühesten Tagen kennt und mit denen er bis ins Grab hinein Zeit verbringt, aber gilt das für alle? Wohl kaum.

Nun enden die meisten Freundschaften eher dadurch, dass sie einschlafen, aber es gibt auch immer wieder jene, die mit einem Knall enden. Und hier beginnt es dann auch plötzlich für einen eventuellen Film zu einem Problem zu werden.

Ein Beispiel:

Marie und Bobby sind ein Paar. Zusammen mit einigen Freunden haben sie gerade einen kleinen Film an ihrem Internat in Produktion, der zur Hälfte abgedreht ist und zu dem Marie das Drehbuch verfasst hat. Neu in der Clique ist dagegen Kitty, die sich zu Maries Leidwesen mit Bobby recht gut versteht.

Als Marie eines Abends aus dem Fenster blickt, sieht sie die beiden draußen auf dem zugefrorenen See Schlittschuhfahren.

Da reißt bei Marie der Geduldsfaden und am Morgen macht sie Bobby eine Szene. Der weiß gar nicht wie ihm geschieht, hatte tatsächlich keine bösen Absichten, kann das Missverständnis aber auch nicht aufklären, bevor Marie ihm erklärt, dass sie sofort aus ihrem gemeinsamen Film aussteigen würde. Und sie nähme ihr Drehbuch mit…

Man muss festhalten, dass gerade bei einer NoBudget-Produktion keine saubere Trennung vom Professionellen und dem Privaten vorzunehmen ist. Das ist ein Problem, denn zwischenmenschliche Beziehungen auf jedweder Ebene sind nie unkompliziert.

Da man mit seinen Freunden zusammen arbeitet, gibt es nicht den psychologisch durchaus sinnvollen Cut nach dem Arbeitstag, nach dem man dann Heim zu Kind, Kegel und eben Freunden fährt. Genauso fehlt einem auch das finanzielle Druckmittel, Leute zur Arbeit zu bewegen, dass man bei einer „richtigen“ Produktion hätte (Gruppenmanagement wird hier auch mal Thema sein).

Und hier ist dann der Punkt erreicht, wo der Vertrag greift. Wenn ein Vertrag über die Nutzungsrechte am Drehbuch vorliegt, hat der Bobby aus obigem Beispiel eine Handhabe, mit der er seinen Film auch produzieren kann, wenn er sich mit Marie ordentlich zerstritten hat. Und was anfangs etwas albern wirken mag, wird plötzlich zu einer wahrlich sinnvollen Einrichtung.

Prinzipiell sollte man sich auch zumindest einmal überlegen, welche Rechtsform für die eigene Gruppe überhaupt sinnvoll ist. In der Regel wird es die GbR sein, eventuell auch ein Verein. Hier aber rate ich dann auch eindeutig dazu, „echte“ Juristen zu fragen, denn mein Wald-und-Wiesen-Jura-Wissen aus dem Poiltikstudium reicht mir nicht, um hier jetzt den Berater zu markieren.

Vielleicht holen wir uns für die Rechtsform mal einen Gastautor her, für heute sage ich mal: Schlagt mal die GbR nach. Die könnte euer Ding sein, hat aber einige Eigenheiten, die ihr im Vorfeld klären solltet; ganz besonders, was Auflösungsbedingungen betrifft.

Zurück zu den Verträgen. Der erste Vertrag, den man aufsetzen wird, abseits eines eventuellen GbR-Vertrags oder so, dürfte dann auch der Drehbuchentwicklungsvertrag sein.

Den gibt es in verschiedenen Umfängen, wobei die richtig professionellen Versionen mittlerweile ja wirklich alles abdecken, bis hin zu Webseiten-Nutzungs-Klauseln und Videospielrechten.

Was man so bedenken sollte, wenn man selber einen Drehbuchentwicklungsvertrag aufsetzt, dazu dann nächstes Mal mehr.

Wer übrigens erkannt hat, welcher Film mich bei obigem Beispiel implizit inspiriert hat, kann sich ja mal melden. Zu gewinnen gibt es explizit nichts, aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja mal was…

Schöne Grüße,
Thomas

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4 Gedanken zu „Verträge? Ach was, wir sind doch Freunde!

  1. David

    Hallöchen,
    Nette Idee mit dem Blog und sicher nützlich für viele Amateurfilmer. Da wir zur Zeit mit den Vorbereitungen zu unserem Abifilm anfangen, werde ich wohl auch öfter mal reinschauen.
    Der inspirierende Film wird wohl X-Men 3 gewesen sein.

    Viele Grüße,
    David

    Antwort
  2. Marcel Gehlen

    Hallo,

    ich glaube auch es war X-Men 3. Im übrigen regt sich Marie meiner Einschätzung nach auch zurecht auf 😉

    Ein Professor von mir meinte einmal „Verträge sind dazu da, dass man sich verträgt“.
    Den Spruch fand ich gut und ich denke der passt auch hierhin. Auch wenn sowas am anfang komisch wirkt tut es doch keinem weh und ist am Ende immer nützlich.
    Denn ein Ende mit Knall knallt ohne Vertrag oft noch mehr, was man auch an vielen Scheidungen sieht 😉

    Viele Grüße,

    Marcel

    Antwort
  3. eifelarea Autor

    @ X-Men 3:
    Japp, da liegt ihr beide richtig. War jetzt auch nicht zu knifflig, denke ich, aber dennoch … *applaudiert*

    @ David:
    Freut mich, dass dir unser Blog hier gefällt. Werde die einzelnen Produktionsschritte hier in Zukunft in dem Maße auch schildern, wie sie auch bei uns durch „das Projekt nach Xoro“ wieder durchlaufen werden.
    Insofern folgen dann in naher Zukunft erste Einträge zu Produktionsplanungsschritten über das Drehbuch hinaus…
    Kannst dich gerne bei Fragen bei uns melden, oder aber natürlich auch, wenn es bei euch ein fertiges Werk zu bestaunen gibt. Wir interessieren uns doch sehr für sowas.

    @ Marcel:
    Gefällt mir, der Spruch, den muss ich mir merken.
    Hatten bei der DORP oder bei Eifelarea bisher ja auch nie so Probleme, aber von den Condrianern habe ich auch schnell gelernt, wie wichtig Verträge sind. Die spielen LARP-bedingt Orga-Mäßig ja doch ’ne Liga über unseren Wurzeln 🙂

    Grüße,
    Thomas

    Antwort
  4. Cosima Glück

    Ich bin auf der Suche nach Musterverträgen, z.B. der Rechteverzichtserklärung, die ich Komparsen oder bei Videoclips die „Gefilmten“ unterschreiben lasse, damit ich mein Video – juristisch gesehen sauber – ins Internet stellen darf. Gibt es da etwas www? Danke Cosima

    Antwort

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