Was eine gute Crew ausmacht

Gute morgen zusammen!

Keine großen Worte, wir haben Fragen zu beantworten!
Hangeln wir uns dieses Mal doch einfach mal an einigen Leitpunkten zu den Antworten vor, die ich letztes Mal versprochen habe.

Was man will
Die erste Frage, die man sich beim Aufbau einer „Mannschaft“ stellen sollte, ist einfach: Was will man eigentlich?
„Einfach“ ist dabei natürlich relativ – so einfach die Frage zu stellen ist, so schwer ist sie vermutlich beim ersten Mal auch zu beantworten. Aber im Grunde kann man hier gut aushelfen, denn die Anzahl möglicher Antworten ist begrenzt.

Man möchte zunächst mal einen Film drehen, denke ich. Aber warum möchte man das tun? Wahlweise wohl aus Spaß am Dreh oder aber des Endergebnisses wegen. Und natürlich gibt es das in der Regel nur im Paket, aber man antworte dann eben schwerpunktmäßig.
Dreht man alleine aus Spaß am Dreh, so kann man augenblicklich auf das letztes Mal nur negativ erwähnte Anarcho-Modell zurückgreifen. Eine Hand voll Leute, eine Kamera, das alles eingepackt, irgendwo hingefahren und abgedreht. Kein Thema.
Knifflig wird es, wenn das Endergebnis die Priorität darstellt. Dann nämlich muss man eine wichtige Bedingung erfüllen: Man braucht produktive Kräfte.

Produktive Kräfte?
Im Büro eines Familienunternehmens hängt ein Plakat, auf dem steht: „Wer alleine arbeitet addiert, wer im Team arbeitet multipliziert.“
Mal ganz von der sprachlichen Brillanz der Metapher (respektive deren Abwesenheit) abgesehen, ist dieser Spruch sehr wahr. Eines aber wird oft übersehen und Kindern heute schon im Schulalter in Gruppenarbeiten falsch beigebracht:
„Team“ heißt nicht „viele Leute“, „Team“ heißt „viele Leute, die zusammen an einem Strang ziehen“.
In einer Vorlesung zum Thema „Unternehmenskommunikation“ habe ich neulich noch gehört, dass ein Arbeiter, der nicht mit dem Team harmoniert, die Produktivität von drei kooperativen Kräften „auffrisst“.
Daraus ergibt sich, dass die Leute, die man ans Set lässt, eben für das Team arbeiten müssen. Hierarchien und deren Bedeutsamkeit haben wir letztes Mal noch angesprochen, an diesem Punkt sei noch der andere Fallstrick erwähnt: Nicht jeder, der am Set steht, arbeitet auch. Zuschauer sind kein Problem, solange sie sich nicht als Arbeitskräfte tarnen.
Hier ist tatsächlich etwas Intuition gefragt, denn es gibt wiederum auch Leute, die nur dann richtig effektiv sind, wenn sie sich dabei gepflegt unterhalten können. Kein Scherz: Diese Leute bringen so am Ende des Tages mehr, als wenn man sie zur Arbeit treiben würde.
Defizite in diesem Bereich sind aber leicht auszumachen. Wenn es nicht läuft, fragt euch natürlich auch, woran es liegt. Erlaubt euch bisweilen aber auch die Arroganz zu fragen, an wem es vielleicht liegt.

Delegierte
Ein anderes, wunderbares Mittel um eine gewisse Effizienz am Set zu waren, sind Leute, die bereits motiviert sind. Die Rechnung ist simpel: Wenn man selber x Mitarbeiter zur Arbeit kriegt, dann kriegen y Delegierte y*x Mitarbeiter zur Arbeit. Jedenfalls grob.
Diese Delegierten müssen vor allem drei Eigenschaften mitbringen: Sie müssen selber motiviert sein, sie müssen die eigene Sicht auf das Projekt zumindest in weiten Teilen unterstützen und sie müssen grob wissen, was sie tun.
Letzteres sind Erfahrungswerte und können wachsen, Mittleres eine Grundvoraussetzung. Aber woher denn nun? Woher kommen motivierte Mitarbeiter?

„Du bist meine Nummer 1“
Wir gehen mal davon aus, dass die Leute, die am Set auftauchen, den Film auch wirklich drehen wollen. Wollen sie nicht, so hätten sie eigentlich schon bei den „produktiven Kräften“ ausgesiebt werden sollen.
Und dann gibt es eine einzige, unschlagbar wichtige, unersetzbare Verhaltensregel: Gebt euren Mitarbeitern ein Gefühl dafür, wie wichtig sie für das Projekt sind!
Habt ihr was gemerkt? Ich habe nicht geschrieben „Gebt ihnen das Gefühl, wichtig zu sein.“ Das steht in den meisten Ratgebern und ist reines Gift; die Implikation daraus ist nämlich, dass sie es nicht sind, sondern glauben sollen.
Doch sie sind wichtig und man kann, egal was mancher sagt, alleine keinen Film drehen. Von dem Mediengestalter hinter der Kamera bis zu dem Freund einer Statistin, der in der Pause Brötchen schmiert, sind diese Leute die Essenz, die Seele des Projektes.
Wenn wir also festhalten, dass man sie loben soll, macht es ehrlich und seid wirklich dankbar. Wir reden hier nicht von Schulterdrücken wir man das in der Szene aus Tim Burtons Batman her kennt, der ich die Überschrift dieses Abschnitts entliehen habe. Jeder einzelne Mann, jede einzelne Frau am Set ist deine Nummer 1 – immer gerade genau in dem Sektor, in dem sie arbeitet.

Liebe deine Set-Crew als Ganzes
Zuletzt noch eine letzte Mahnung. Es gibt in dem ohnehin genialen „Shadow of the Vampire“ eine Szene, in der Max Schreck ein wichtiges Mitglied der Produktion tötet. F.W. Murnau wirft ihm daraufhin an den Kopf: „Why him, you monster? Why not the… script girl?“
Oooh ha, ganz gefährliche Geschichte. Was man in jedem Fall vermeiden sollte, ja, vermeiden muss, sind Favoriten. Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass – um bei den beiden Klischees von oben zu bleiben – der Mediengestalter an der Kamera vermutlich schwerer zu ersetzen sein wird das der Brötchenschmierer; alleine schon, weil Mediengestalter eine Tendenz dazu haben, die Besitzer der einzigen Kamera zu sein.
Egal. Der Brötchenschmierer muss auch zufrieden sein!
Denn Unfrieden ist ein Virus, der schnell die Runde machen kann. Dann sind plötzlich Leute auf einen schlecht zu sprechen, weil man einen Favoriten hat (mit Recht) und Leute sind dem Favorisierten Gram, weil er eben genau das ist. Kurzum, es wird mal wieder unproduktiv – doch dieses Mal ist das Unproduktive ist hausgemacht.
Ein damit verbundenes Thema, dass Camille Landau und Tiara White in ihrem Buch „What They Don’t Teach You at Film School“ ziemlich breittreten, dass ich hier aber nur beim Namen nennen will, sind Beziehungen am Filmset – ganz besonders solche, die erst am Set entstehen. Hmm. Die Trenngrenze zum Favoritenproblem ist offenkundig, aber hier ist mein Rat einfach: Seht zu, dass euch das nicht in die Füße kommt. Es ist eine universelle Logik, die für jeden Arbeitsplatz gilt: Mit Beginn der Arbeit werden Freunde und Paare zu Kollegen.

Zwischenfazit
Es könnte langsam der Eindruck entstehen, dass ich bisher im Bereich Mitarbeiterführung mehr über den Chef gesagt habe, als über die Mitarbeiter. Dieser Eindruck ist dann richtig und von einer universellen Weisheit, denn im Endeffekt sind viele schlechte Arbeitskräfte auch wiederum nur schlecht geführte Arbeitskräfte.
Doch wollen wir dennoch nächstes Mal dann endlich einmal konkreter werden.

Bis dahin alles Gute,
happy filming, and god bless*
Thomas

___________________
* Ich schrieb es schon mal an anderer Stelle und wiederhole es gerne: Von Bob Ross lernen, heißt Siegen lernen.
Mehr dazu mal irgendwann anders…

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