Crew-Kommandos für entspannte Drehtage

Juten Morjen miteinander!
Auch heute keine große Vorrede … was heute folgt, ist mein kleiner, privater Sieben-Punkte-Plan der besten Ratschläge, wie man den Ablauf am Set entspannt und produktiv halten kann.

Hierarchie (mal wieder)
Wir haben es hier ja schon oft angesprochen, hier nun aber noch mal ganz klar: Es kann am Set nur einen Regisseur geben. Aber, auch das nicht vergessen, nur einen Director of Photography, vulgo Kameramann, eine Produktionsleitung, eine Aufnahmeleitung etc.
Jeder sollte am Set seinen Aufgabenbereich kennen und ihm nachkommen, er sollte aber auch die Grenzen seines Aufnahmebereichs kennen und in ihnen verbleiben. Das heißt nicht, dass man nicht kreative Vorschläge machen darf, aber man sollte sich da bisweilen auch zurückhalten.
Warum das was mit Motivation der Mitarbeiter zu tun hat? Ganz einfach: Wenn die Chefs sich streiten, dann macht es auch dem Arbeiter keinen Spaß. Und wer dauernd hinterfragt wird, der verliert die Lust an seinem Aufgabenbereich.
Natürlich muss man dazu seinen Leuten vertrauen können, aber dass die Mitarbeiter generell produktiv sein wollen müssen, das haben wir vergangenes Mal ja schon angesprochen.

Wissen was man tut, bevor man es tut
Wenn der Regisseur das Set betritt und dann erst mal vier Stunden lang unschlüssig ist, wie eine bestimmte Einstellung auszusehen hat, ist das für alle anderen entnervend, da sie Leerlauf haben. Und Leerlauf ist auch Gift.
Es ist dabei im Grunde egal, wie man es angeht. Michael Bay erklärt im Making Of zu „Die Insel“, dass er als erste Handlung am ersten Drehtag erst mal einfach fünf Kameras setzt und zu drehen beginnt, damit gewissermaßen der Kreislauf des Organismus, der sich Crew nennt, in Gang kommt. Das ist eine Methode.
Kevin Smith dagegen gibt im Making Of zu „Clerks 2“ zu, dass er sich vor Drehbeginn immer alleine mit den Schauspielern und vielleicht noch dem Kameramann trifft, um die Szenen schon mal ohne den Stress einer wartenden Crew durchprobieren zu können. Ähnliches war auch schon von Robert Rodriguez zu hören.
Wie man es auch immer angeht – und auch darauf werden wir einmal zu sprechen kommen – man sollte seine kreative Vision nicht erst am Set suchen müssen.

Die Type mit dem Plan
Listen sind deine Freunde. Wir hatten bei „Xoro“ so einige Momente, wo man einfach nur hätte schreien wollen, weil auch nach der zweiten halbstündigen Fahrt zurück zur Requisite noch immer nicht alle Props am Set angekommen waren.
Listen machen das Leben einfacher. Im Verlauf der Produktion gab es dann bald eine Equipment-Liste für jeden Drehtag, es gab bei mir eine Telefonliste mit genau den Darstellern pro Tag, damit ich sie früh morgens zur Kontrolle noch mal anrufen konnte etc.
Es fühlt sich manchmal wie schlimmste Bürokratie an – aber wer das erste Mal einen Diebstahl zu drehen hat und feststellt, dass das Diebesgut noch daheim liegt, wird das Fehlen der Listen verfluchen. Ebenso jene, die zu drehen beginnen und feststellen, nur noch ein DV-Band in der Kiste zu haben.
Glaubt mir, I’ve been there.

Überblick und Zuversicht
Was zeichnet einen guten Kommandanten, ganz gleich in welchem Metier, aus? Überblick und Zuversicht. Es muss am Set Leute geben, die einfach wissen, was nun zu tun ist. Meistens sind das die Typen mit den Listen.
Was muss gedreht werden? Was muss jetzt gedreht werden? Wen und was brauchen wir dafür? Wer von den Anpackern wird gerade nicht gebraucht? Ist das okay, wenn der Hauptdarsteller mal gerade zur Fastfood-Kette gegenüber läuft und sich einen Burger holt?
Und bei all dem muss man, einmal mehr, eine absolute Zen-Ruhe ausstrahlen. Der Drehtag wird klappen. Man weiß, was man tut. Alles liegt im Zeitplan. Kein Grund zur Unruhe.
Niemals sollte man zu seinen Leuten gehen und durchblicken lassen, dass gerade Dinge richtig nicht funktionieren. Nicht die Crew belügen, das haben wir schon geklärt, aber selbst wenn man gerade vielleicht selber vor Wut über irgendeine Panne oder den versauten Zeitplan kocht ¬– alles im Lot. Das wird.
Denn in der Regel wird es das auch.

Ansprechpartner
Am Set stehen normalerweise sehr viele Leute herum. Aber auch wenn der Regisseur oben in der Nahrungskette steht, heißt das nicht, das alle entsprechend zum Regisseur rennen sollen, wenn etwas unklar ist.
Man sollte für bestimmte Bereiche entsprechend bestimmte Leute abstellen. Kreative Fragen? Regisseur. Inszenatorische Fragen? Kameramann. Set-Organisation? Die Aufnahmeleitung. Projekt-Organisation? Produktionsleitung.
Über die genauen Grenzen der ganzen -leitungen werde ich mich kommende Woche einmal auslassen. Für heute soll genügen: Geht sicher, dass jeder am Set eine grobe Idee hat, wen er wegen was fragen kann.
Das hält den Ablauf schlank, alle sind beschäftigt und keiner überrannt – ergo: weniger Stress.

Gruppenkuscheln
Die Crew ist eine Familie. Das ist mal wieder so ein Marketing-Satz, aber wem an einem angenehmen Ablauf gelegen ist, der versucht das auch in die Tat umzusetzen. Die Leute sollten zusammenhalten und mehr füreinander sein als bloß „Typen am Set“.
Das ist in der Regel recht einfach zu produzieren. Es ist unglaublich, was alleine ein gemeinsames Frühstück vor langen Drehtagen oder ein gemeinsames Abendessen in der Frittenbude um die Ecke da bewirken kann. Oder man geht mit den Leuten vor Drehbeginn oder auch während der Zeit mal Abends einen trinken.
Soziale Bindungen schafft man über soziale Aktivitäten. Häufig sind Amateur-Crews natürlich ohnehin aus Freundeskreisen rekrutiert – wenn sie das aber sind, und dennoch Leute mitmachen, die nicht „dazugehören“, ist das gerade Gesagte umso wichtiger. Ansonsten kommt es zu ungewollter Cliquenbildung und unbeabsichtigten Ausschlüssen.

Catering
Der letzte Punkt ist ebenso kulinarisch wie simpel: Sorgt für Verpflegung am Set. Hier sollte man dann auch wirklich darauf achten, dass man sinnvolle Nahrungsmittel erwirbt, aus mehrerlei Gründen:
Eine paar Brote oder ein Topf Nudeln sind nicht sonderlich teuer, machen aber richtig satt und liegen nicht so schwer auf dem Magen wie, beispielsweise, Fritten und Knabberzeug.
Genauso kann man ja ruhig Cola ans Set nehmen, ist eigentlich nie falsch, ebenso natürlich Kaffee oder auch Tee. Aber gerade an warmen Drehtagen sollte ein gewisser Grundstock an Wasser, sprudelnd und still, immer vorhanden sein. Denn anders als Cola oder Kaffee stillt das vernünftig den Durst und sorgt für ausreichend Flüssigkeit im Körper.

Das wären sie dann, die 1×7 Punkte zum angenehmen Drehablauf. Es gibt da sicherlich noch mehr und wir beenden unser Blog ja auch nicht an diesem Punkt, wohl aber diesen Eintrag.
Nächstes Mal gibt es einen kleinen Happen aus den filmischen Grundkenntnissen, danach setzen wir endlich mal ein weiteres Versprechen um und fragen uns mal wieder: Was macht eigentlich…?

Viele Grüße,
Thomas

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