Was macht eigentlich … ein Regisseur?

Jeder kennt sie – die großen Regisseure unserer Zeit. Während Produzenten nur in Ausnahmen aus ihrem Schattendasein ausbrechen können, sind Regisseure normalerweise die Helden im Rampenlicht.
Doch was genau macht ein Regisseur eigentlich? Das generische, moderne Making Of suggeriert uns, dass er Leuten Kommandos gibt, manchmal am Set steht, manchmal auf Monitoren vom Nebenraum aus zuschaut und … naja, irgendwie den Film … macht.

Was aber genau tut ein Regisseur?
Er ist die künstlerich-kreative Gesamtleitung eines Filmprojektes. Während der oder die Produzenten die ganz weltliche Organisation übernehmen, ist es der Regisseur, der das geschriebene Wort im Drehbuch in eine Folge von Bildern verwandelt.
Er nimmt sich also das Drehbuch und baut es aus, oder um, jenachdem wie man es nennen will. Er entwirft Storyboards, also kleine „Comics“, die bereits die Bildaufteilung und die Einstellungsfolge demonstrieren. Er arbeitet dabei eng mit dem ‚Director of Photography‘ zusammen, der in Deutschland oft ganz bescheiden „Kameramann“ heißt, genauso wie er mit den Darstellern schon vor dem eigentlich Dreh die Ausformulierung ihrer Rollen bespricht.
In diesem Punkt übernimmt er auch die Hoheit über die Handlung des Films. Er interpretiert das Drehbuch so, wie er es für richtig hält und der Autor der Geschichte verblasst dabei.
Auf das haben wir ja auch schon von der Drehbuch-Autoren-Seite aus hingewiesen.

Es ist tatsächlich die deutsche Rechtslage, die einem noch einen Hinweis darauf gibt, wie man sich den Job eines Regisseurs vorstellen kann. Für ein deutsches Gericht sind all die Leute, die am Set oder auch in der Pre- und Postproduktion an dem Film arbeiten, Handwerker unter Aufsicht des Regisseurs. Da steckt viel Weisheit drin, denn es zeigt, wie die Rollenverteilung ist. Der Regisseur hat ein Bild (bzw. eigentlich ja viele Bilder) im Kopf und der Rest der Truppe versucht letztenendes nur mit aller Kraft, die sie haben, diese Bilder Wirklichkeit werden zu lassen.

Es ist übrigens eine Legende, dass der Regisseur auch derjenige ist, der den Film schneidet. Der ‚Editor‘, der zu Deutsch ‚Cutter‘ heißt (sinnig, was?), ist in der Regel derjenige, der den Film schneidet. Zwar arbeitet er in den meisten Fällen mit dem Regisseur zusammen, aber es gibt auch andere Beispiele. Diese Kooperation etwa konnte man bei den „Herr der Ringe“-Making Ofs oft beobachten, während etwa David Fincher bei der „Alien Quadrilogy“ unter anderem seine Kooperation verweigert hat, weil man ihm bei „Alien 3“ jedwedes Mitspracherecht am Ende genommen hatte.
Die „Fluch der Karibik“-Sequels dagegen hatten beide mehrere Cutter, um Zeit zu sparen; so konnten jeweils unterschiedliche Passagen gleichzeitig bearbeitet werden und der sehr, sehr enge Zeitplan gehalten werden.

Dieser finale Schnitt eines Filmes nennt sich, zweckmäßig, „final cut“. Es ist in Hollywood eine ziemliche Seltenheit und Auszeichnung, wenn ein Regisseur das volle Recht am „final cut“ hat, denn das heißt, dass auch das Studio und die Produzenten, Marketing und all die anderen, an der Vermarktung des Filmes beteiligten Parteien kein Mitspracherecht haben.
Bei kleineren Filmen ist das aber auch oft anders – Kevin Smith etwa hat „Clerks 2“ sogar zu weiten Teilen nach dem täglichen Drehschluss in seinem Zimmer, auf seinem PowerBook geschnitten und hatte den Filmschnitt bei Drehende bereits in weiten Teilen fertig.

Und bei uns? Bei „Xoro“ hatten wir eine Arbeitsteilung mit Matthias als Regisseur und mir als Editor/Cutter. Das hat ziemlich gut funktioniert, war aber bisweilen etwas träge, weil Matthias zu der Zeit in Gummersbach hing, ich in Aachen wohnte, aber aus technischen Gründe in der Eifel schneiden musste. Aber es hat eine interessante, kreative Wechselwirkung gehabt.
Bei „Verfluchte Eifel“ werden wir es jetzt anders machen und Matthias hat sowohl Regie als auch Schnitt inne. Das Recht am „final cut“ aber liegt bei uns allen.

Abschließend noch ein Zitat von Alan A. Armer, das den Job des Regisseurs sehr elegant beschreibt:
„Er ist Vater und Mutter, Priester, Psychologe, Freund, Autor, Schauspieler, Photograph, Kostümbildner, Elektronikfachmann, Musiker, graphischer Künstler und spielt noch ein Dutzend andere Rollen.“

Aber auch wenn er Chef ist, so ist er doch nicht der einzige mit „Kommandogewalt“. Darum bleiben wir dieses Mal der „Was macht eigentlich…“-Reihe noch etwas treu und schauen uns kommendes Mal mal andere Leute an, die am Set und darum herum etwas zu sagen haben…

Grüße,
Thomas

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7 Gedanken zu „Was macht eigentlich … ein Regisseur?

  1. FincherFanatic

    Hi. Ich bin durch Zufall hier gelandet, weil ich nach „David Fincher“ Artikeln gesucht habe. Du sprichst mit ALIEN3 ja tatsächlich leider das größte Drama an, das David Fincher in seiner Regie-Karriere durchleben musste. Und nicht zuletzt hat wohl gerade dieses Erlebnis zu dem perfektionistischen und kompromisslosen Regisseur gemacht, der er heute ist: Filme wie SE7EN (der ja ursprünglich mit Happy End produziert werden sollte!), FIGHT CLUB oder ZODIAC wären ohne einen derart präzisen, durchsetzungsstarken und visionären Regisseur wie Fincher gegen die amerikanischen Studios nicht durchzusetzen gewesen. Aber zum Glück hat er es ja geschafft!

    🙂

    Antwort
  2. eifelarea Autor

    Japp, insofern ist Fincher auch immer ein gutes Beispiel, wenn man einen bekannten, amerikanischen Regisseur sucht, der aber noch immer einer filmischen Vision folgt und nicht nur Filme abkurbelt.
    Selbst Panic Room, der ja jetzt nicht derart als moderner Klassiker gefeiert wird wie Sieben oder Fight Club, hat mich sehr beeindruckt. Gerade auch Finchers visueller Stil sagt mir persönlich sehr zu … der Name wird hier also auch mit Sicherheit noch öfter fallen…
    Ich hoffe, unser Blog sagt dir auch sonst zu 🙂

    Grüße,
    Thomas

    Antwort
  3. sandra

    danke ich bin danit ser weit gwkommen den das brauche ich für die schule.dddddddddddddaaaaaaaaaannnnnnnnnnnnkkkkkkkkkkkkeeeeeeeeeee

    Antwort
  4. Kevin

    Hey, habe mir eben noch das ‚The Hobbit‘ making of angeschaut und hatte mich gefragt was der Regisseur bei einem Film alles macht.Der Text hat mir echt gut geholfen dabei, danke !
    Jetzt bleibt bei mir noch die Frage offen, wie wird man Regisseur ? Ich beginne im Oktober eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton und wollte danach eventuell die Richtung des Editors einschlagen. Da ich die Hoffnung habe danach mit mehr wissen über die Entsteheung eines Films an den Beruf des Regisseur zu gelangen. Ist das möglich oder gibt es da bestimmt Wege ?! Braucht man Glück oder ist das ganze eine durchaus machbare Sache ?!
    Danke im Vorraus für die Antwort Voraus
    Gruß Kevin

    Antwort
    1. Thomas Michalski Autor

      Hallo Kevin,
      entschuldige die späte Antwort, aber ich war eine Woche in Urlaub.

      Wie in den meisten kreativen Bereichen gilt auch beim Feld der Regie, dass es nicht *den* Weg zum Ziel gibt. Mit dem Mediengestalter und der Tendenz Richtung Schnitt / Editor / Cutter bist du denke ich auf keinen Fall auf dem falschen Weg. Und klar, ein Quäntchen Glück braucht man, aber ich denke das gilt im Grunde für alle Berufe.

      Die besten Ratschläge, die ich da geben kann, sind zweierlei: Zum einen der Ratschlag, dass es immer schadet, sowohl viele Leute zu kennen als auch von vielen Leuten gekannt zu werden – da greift der Mediengestalter vollends, denn damit arbeitest du ja in der Branche und bist sozusagen „an der Quelle“.
      Zum anderen der Ratschlag, dass es immer wichtig ist, jemand zu sein, mit dem die Leute zusammenarbeiten wollen. Das umfasst Fach- und Sachkompetenz (das ist lernbar), den Willen hart an etwas zu arbeiten (das ist eine Einstellungssache, aber ich denke du würdest nicht hier fragen, wenn du nicht schon motiviert wärst; versuche einfach, dir diese Motivation zu erhalten), aber auch einfach der Umgang mit anderen.
      Wil Wheaton fasste es mal schön unter „Don’t be a dick!“ zusammen. Sehr, sehr wahr.

      Letztlich damit zusammenhängend sei vielleicht noch gesagt, dass kaum jemand von Null auf Hobbit startet. Auch kleine Projekte können toll sein – schau einfach, dass du das, woran du aktuell arbeitest, immer mit Leidenschaft betreibst, aber zugleich nie aus den Augen verlierst, wo das Ziel deines Weges in deinen Augen ist.
      Wenn dir beides gelingt, dürfte einem Erfolg nichts im Wege stehen 🙂

      Viele Grüße,
      Thomas

      Antwort
  5. tentakel4711

    Hallo ! Danke für die vielen interresanten Informationen, das hat mir schon etwas geholfen .
    –> Ich suche einen Ansprechpartner (Film und Fernsehn) denn Ich möchte meine Lebenserfahrung verfilmen, Ich war 15 als ich an einer Drogenausgelösten Psychose erkrankte.
    Und ich suche auf diesem Weg Experten, die das verfilmen wollen . Meine Erfahrungen mit Gesetzlicher Betreuung sind umfangreich und erschreckend. Ich biete ungeschminkte Wahrheit, und will das einem breiten Publikum zukommen lassen ! Eine Email an mich reicht, und ich melde mich zurück (TENTAKEL4711@GMAIL.COM) In diesem Sinne vieleGrüße an die Filmszene und vielen Dank für jede Reaktion !!!

    Antwort

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