Das Storyboard: Die Quintessenz der Szenengestaltung

Juten Morjen leeve Fründe!
Wir haben uns letztes Mal angesehen, womit wir bei der Eifelarea-Orga eine Szene planen. Das Kreativteam greift zu einem anderen, sehr bewährten Mittel für ihren Teil der Arbeit – das Storyboard.
Das Storyboard, für die wenigen, denen noch nie eines begegnet ist, ist eine Art Comic. Es ist eine Bildfolge, in der bereits die Einstellungen einer Szene erkennbar sind und die man danach gewissermaßen mit Kamera und Darstellern „nachfilmt“.

Es gibt einen gewaltigen Vorteil bei der Verwendung von Storyboards. Gemeinhin unterscheiden Leute ja gerne zwischen Handwerk und Kunst – ein Tischler übt ein Handwerk aus, doch wenn er Madonnenstatuen schnitzt, dann ist es Kunst. Oder so. Film ist, das ist eher unangenehm, irgendwo dazwischen angesiedelt. Doch gibt es eine Sache, die das Handwerk der Kunst voraus hat: Effizienz.
Es ist nicht unproblematisch, sich darnieder zu setzen und aus den Worten, die in einem Drehbuch vielleicht stehen, eine Folge von Bildern zu machen. Oftmals kommen Drehbuchzeilen ganz unschuldig daher, doch wenn man darüber nachdenkt, ist die visuelle Umsetzung irgendwie doch Bockschwer. Was kann man da also tun?
Man baut vor. Der Regisseur, der Kameramann und – in unserem Fall zumindest – der Aufnahmeleiter hocken sich vor dem Dreh zusammen und erdenken, natürlich mit dem Drehort im Hinterkopf, eine Folge von Bildern, die Einstellungen. Dies ist ein künstlerisch-kreativer Schaffensprozess und als solcher nur schwer nach der Uhr zu gestalten, was bedeutet, dass man lieber früher als später damit anfängt. Stu Maschwitz nennt sie „zwingend erforderlich“ für alle NoBudget-DV-Filmer und der Mann muss es ja wissen. Um ihn wörtlich zu zitieren: „You‘ll create a plan so detailed that shooting and editing may well feel like paint-by-numbers exercises.“
Und der Mann hat Recht. Das Storyboard bietet einem die Möglichkeit zum Übergang: Aus der künsterlichen Arbeiten am Papier erwächst die kreative Idee, doch am Set bleibt die kreative Freiheit zuhause und das Handwerk beginnt.
Wir haben „Xoro“ ohne Storyboards gemacht und drehen „Verfluchte Eifel“ mit und schon am Ende des ersten Drehtages war der gigantische Sprung erkennbar – eine gute Vorbereitung ermöglichte es uns, unsere Arbeitsgeschwindigkeit am Set de facto zu verdoppeln. Und die Boards sind ein zentraler Teil davon.

VE Szene 2Wir haben euch hier einmal eine Seite aus unseren Storyboards zu VE herausgesucht. Ist eine sehr kurze Sequenz ziemlich zu Beginn des Films, doch sie gibt einem eine Idee, worum es geht.

Abschließend kommen wir noch zu einem Haken, so aus der Orga-Sicht gesprochen. Kevin Smith meint im Making Of zu Clerks 2, dass niemand zur Filmschule geht, um Produzent zu werden. Obwohl ich ganz persönlich widersprechen würde, hier ein weiterer Grund dafür: Wie schon gesagt, das Kreativteam wird sich niemals mit den Szenen-Merkblättern der Produktionsleitung herumärgern müssen; die Produktionsleitung sollte aber ebenfalls schnell anfangen, auch die Storyboards zu lieben, wenn sie einmal da sind.
Warum das so ist? Dazu mehr beim nächsten Mal…

Grüße,
Thomas

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2 Gedanken zu „Das Storyboard: Die Quintessenz der Szenengestaltung

  1. Holger

    Storyboards sind für mich irgendwie immer ein wenig … gruselig gewesen. Ich sehe den Sinn und die Nützlichkeit von ihnen wirklich und dennoch finde ich es immer wieder hemmend, dass man da „zeichnen“ muss. Ich habe früher häufiger mit Kindern/Jugendlichen zusammen in Ferien-Projekt-Wochen kleine Filmchen gedreht, bei denen wir dann auf sowas verzichteten – in erster Linie wegen meiner persönlichen Unfähigkeit, das was ich im Kopf habe, auf Papier zu bringen. Ich habe zwar häufig sehr konkrete Vorstellungen im Kopf, aber sowas auf Papier zu bannen, ist für mich unmöglich. Einzige Möglichkeit wäre wohl, dann sich jemanden zu schnappen, der das kann. Aber irgendwie an dieser Schnittstelle ist dann das Problem, warum ich Storyboards immer als gruselig empfand.

    Ich vermute einmal, dass bei eurem Team da wohl schon allein durch die Größe dann eher vielleicht jemand „graphisch“ begabtes dabei war. Oder hattet ihr da ähnliche Probleme? Für mich erscheint da wirklich das Hauptproblem darin: 1. jemand zu finden, der sowas zu Papier bringen kann und 2. diesem jemand dann ungefähr zu vermitteln, was er da zu Papier bringen soll. Auch wenn ich den Artikel auch wieder sehr gerne gelesen habe, das hatte mir irgendwie ein wenig gefehlt. Oder bin ich da allein mit dem Problem und es ist eigentlich gar keins und ich sehe nur nicht, wie man es umgehen kann?

    Antwort
  2. eifelarea Autor

    Die Nachfrage ist berechtigt. Ich habe, auch weil noch jemand anders per Mail in etwa das gleiche fragte, die Planung für’s Blog etwas umgeschichtet und das übernächste Posting wird sich dann auch hier mit der Frage beschäftigen, wie man eigentlich ein Storyboard hinbekommt.
    Um kurz die Frage direkt anzugehen: Ja, wir haben jemanden, der das kann. Markus, eigentlich unser Aufnahmeleiter, ist ja auch nicht umsonst der Haus-und-Hof-Zeichner der DORP und dort an fast jedem Download beteiligt. Er zeichnet bei uns die Storyboards gemäß Skizzen von und in Rücksprache mit Regisseur Matthias.

    Aber es gibt da diverse Alternativen. Einige davon dann beim übernächsten Post.

    Grüße,
    Thomas

    Antwort

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