Die Bildachse

Bonjour!
Ein vielen Leute nicht bekanntes, aber unterbewusst immer relevantes Konzept der Bildaufteilung im Film ist eine harte Trennlinie, die man gemeinhin Bildachse nennt. Nehmen wir uns also noch mal unser Schaubild-Männchen und bauen damit zwei Filmstreifen.
Achsensprung 1 Schaut euch beide Grafiken mal an. Beide beginnen mit der eröffnenden Einstellung. Die nennt man „Establishing Shot“, aber die ganze Komposition einer Schnittfolge, das machen wir später einmal. Belassen wir es für jetzte einfach mal bei „das ist die Eröffnung“.
Tun wir so, als wäre es ein Gespräch. Ganz klassisch werden dabei die beiden Gesprächspartner abwechselnd von grob der Perspektive des anderen gezeigt. Nennt man „Schuss“ und „Gegenschuss“.
Achsensprung 2 Doch etwas stimmt bei dem zweiten Beispiel nicht. Klar, das dritte Bild ist anders und etwas ist eindeutig falsch daran. Schaut es euch einmal gut an. Etwas irritiert daran. Nur was ist es?

Die Kamera ist in Beispiel 1 in beiden Fällen auf der Seite der „Darsteller“ geblieben, aus der auch etwa die erste Einstellung gefilmt war. In Beispiel 2 dagegen überschreitet die Kamera diese Seite, ist nun rechts von der rechten Person und hat damit eine unsichtbare Linie durchbrochen: Die Bildachse.

Achsensprung ÜbersichtNehmen wir uns mal das dritte Schaubild hier vor. Dort sieht man es recht deutlich – eine Achse läuft quer durch das Bild. Das ist der 180°-Bereich jeweils vor und hinter der gefilmten Szenerie. Verlässt man seinen ursprünglichen 180°-Bereich, so nennt man das „Achsensprung“ und diese Irritation tritt ein.
Aber warum?
Achsensprung 3 Der Grund ist in der Positionierung der Figuren zu sehen. Im „Establishing Shot“ steht der eine links, der andere rechts. Hier nun mit 1 und 2 gekennzeichnet. Auch in „Schuss“ ist 1 weiter links und 2 weiter rechts. Beim Gegenschuss ist es genauso: 1 ist links, 2 ist rechts.
Im Achsensprung aber vertauschen die beiden ihre Position – plötzlich ist 2 links und 1 rechts. Das wirkt, in jedem Fall, auf den Zuschauer hoch irritierend und unangenehm.

Solange man in seinem 180°-Bereich bleibt, tritt dieser Effekt aber nie ein und man kann unbesorgt seine Kamera positionieren.
Fast.
Denn diese Von-Links-Nach-Rechts-Logik gilt in einer Abwandlung auch noch einmal vor Bildelemente im Vordergrund. Wir haben uns so einen Fauxpas bei einer Deleted Scene von „Xoro“ mal sehr königlich gebaut.
Pseudo-Achsensprung in der Taverne Man beschaue auch hier das nebenstehende Bild – obwohl wir innerhalb unserer Bildachse blieben, ist die Fackel im Vordergrund mal links und mal rechts von dem von Matthias gespielten Wirt. Das wirkt ebenfalls ganz und gar falsch und komisch.

Doch generell bleibt die Faustregel vor allem anderen: Wer auf seiner Seite der 180°-Achse bleibt, der ist auf der sicheren Seite.

Und kommendes Mal bewegen wir dann wie versprochen die Kamera.

Viele Grüße,
Thomas

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s