Wege und Arten, die Kamera zu bewegen

Morgen liebe Filmfreunde und -macher!
Wir werden uns heute mit verschiedenen Arten beschäftigen, nach denen man die Kamera bewegen kann. Dabei geht es nicht um Utensilien – denen widmen wir uns im kommenden Beitrag.
Generell kann man zwei verschiedene Modi von Kamerabewegung unterscheiden: Auf der Stelle und durch den Raum. Werfen wir doch mal einen Blick auf beide.

Schwenken, Neigen, Rollen
Auf der Stelle ist es möglich, die Kamera entsprend aller drei Achsen zu bewegen bzw. zu kippen. Das haben wir schon mal angerissen, aber beschauen wir uns das mal im Detail.
Bewegt man die Kamera auf der Horizontalen, so spricht man von einem Schwenk. Wenn etwa ein Charakter die Straße entlang geht und die Kamera sich eben hinter ihm her dreht, so ist das ein Schwenk. Die gibt es in verschiedenen Geschwindigkeiten bis hin zum Reiß-Schwenk, bei dem die Kamera etwa einem schnellen Wagen „hinterhergerissen“ wird.

Wird sie dagegen geneigt, so ist das eine Bildbewegung entlang der Vertikalen. Wenn sich die Kamera etwa auf Hüfthöhe befinde und dann von den Füßen des Charakters sich hoch zu seinem Gesicht, nun ja, neigt, ist es eine Neigung des Bildes.

Eine nur sehr, sehr selten verwandte Form ist dann noch das Rollen. Hier wird das Bild entlang einer gedachten dritten Achse bewegt und beispielsweise um 90 Grad gedreht, so dass der Gehweg nun nicht mehr am unteren, sondern am rechten Bildrand zu sehen ist. Es gibt nur recht wenig Anwendungsgebiete dafür, da es in der Regel vor allem irritierend wirkt. Sinnvoll angewandt kann man es aber etwa in dem neuen Babylon 5-Film „Voices in the Dark“ sehen, wo eine übernatürlich geprägte Verhörszene durch diene stetige in die eine oder andere Richtung rollende Kamera mystifiziert wird.
Ganz klassisch ist das Rollen auch zur Darstellung von Seegang oder der „Treffer“, wenn das Raumschiff Enterprise mal wieder unter Beschuss steht.

Von Fahrt und Zoom
Zunächst einmal ist es wichtig zu betonen, dass bei einem Zoom die Kamera natürlich auch an Ort und Stelle bleibt. Da aber der Zoom oft als „die Kamerafahrt des kleinen Mannes“ bezeichnet wird, habe ich sie einmal zusammengefasst.
Bei einer Fahrt, fangen wir da mal an, bewegt sich die Kamera durch den Raum. Ob nun auf Schienen, Rädern, an einem Kran oder als s.g. „entfesselte Kamera“ (also per Handkamera, Steadycam etc.; kommen wir das nächste Mal zu) ist egal. Sie bewegt sich durch den Raum und erschafft dadurch eine sehr dynamisches, sich regelmäßig wandelndes Bild, was den Zuschauer bei Stange hält.
Alles Fahrten außer der entfesselten Kamera sind in der Regel sehr ruhig und gleichmäßig, was sie sehr angenehm zu schauen macht. Die entfesselte Kamera hat zumindest das Potential, viel unruhiger zu sein, wie etwa jüngst häufiger in Actionfilmen zu sehen.

Zoom VS. Fahrt 1Bei einem Zoom dagegen wird durch die Veränderung der Brennweite des Objektivs das Geschehen näher an die Kamera herangeholt. Gerade in Italo-Western ist der Zoom sehr beliebt gewesen, da er wesentlich einfacher und kostengünstiger ist als eine Kamerafahrt und ein ähnlchies Ergebnis liefert. „Kostengünsig“ ist im Amateurbereich ja immer ein gutes Stichwort, aber die Betonung liegt auf „ähnlich“.
Schaubildzeit! Betrachten wir die beiden nebestehenden Streifen. In beiden ist Néomi im ersten Bild gleich weit von mir entfernt gewesen. Im oberen Streifen allerdings habe ich die Kamera danach näher an sie heran begeben, während ich für Bild 2 sie nur herangezoomt habe.
Zoom VS. Fahrt 2 Zerlegen wir das einmal systematisch und schauen, was auffällt. Zwischen der normalen Aufnahme und dem Zoom gibt es keinerlei perspektivische Veränderung. Das führt dazu, dass die Blumen (1) und die öffentlichen Telefone (2) komplett aus dem Bild verschwinden und dass die Außentische (3) und der Schirm (4) im gleichen Verhältnis größer werden, wie es auch Néomi.
Bei der Fahrt liegen die Dinge ganz anders. Aufgrund der ganz anderen Position der Kamera sind die Blumen (1) und die Telefone (2) noch immer im Bild, sind weniger stark größer geworden als Néomis Gesicht und durch den anderen Blickwinkel scheinbar enger an sie herangekommen. Die Tische (3), vormals bei Zoom noch exzellent im Bild, sind ganz hinter ihrem Kopf verschwunden und der Schirm (4) ist kaum größer, als er es noch im Ausgangsbild war.

Die Kamerafahrt-Perspektiven-Geschichte im Selbstversuch
Wer dem einmal selber nachgehen möchte, kann dies recht einfach tun. Sucht euch einen Raum mit Fenster, aus dem heraus ihr einige Meter weit gucken könnt. Stellt euch so weit es geht vom Fenster weck und blickt hinaus. Würdet ihr nun zoomen, bliebe der Anblick gleich, nur die Mitte würde größer und der Rand verschwände.
Nun geht näher darauf zu. Ihr seht viel mehr von draußen, während das, was außerhalb des Fensters liegt, bei weitem nicht so sehr „größer wird“ wie etwa die Fensterbank und der Rahmen.
Das gleiche perspektivische Prinzip, dass einen Zoom von einer Fahrt unterscheidet.

Wann eben doch zoomen?
Der Zoom ist aufgrund seiner vielfältig problematischen Eigenschaften heute eher unbeliebt und wird nur in seltenen Fällen verwandt. Aktive Verwendung hat er etwa noch in „Firefly“ gehabt (als Hommage an den Italo-Western allerdings), sowie – ebenfalls Science Fiction – derzeit in „Battlestar Galactica“. Da er dort oft mit Fehlschärfen kombiniert wird, erzeugt er da umso mehr den „Mitten drin statt nur dabei“-Charakter der Szenen.
Zuletzt sei noch gesagt, dass man mit einer Kombination aus Zoom und Fahrt eine ganz faszinierende Wirkung erzielen kann. Kommt von Hitchcock, nennt sich „Vertigo-Effekt“ und ist hier knackig beschrieben.

Sollte ich ein kurzes (und schlimm verfälschendes Fazit) ziehen, so kann man sagen, dass Schwenk und Neigung Handwerkszeug sind, Rollen eher was für besondere Momente ist, der Zoom meist nur eine Notlösung darstellt und die Fahrt eigentlich das kreative Optimum bietet.

Doch wie kriegt man das ohne Budget alles sauber hin?
Einige Lösungsansätze dazu dann beim kommenden Mal, wenn es heißt „Mittel, seine Kamera aufzustellen“.

Viele Grüße,
Thomas

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