Vier Ratschläge für‘s angenehme Drehen

Einen wunderbaren guten Morgen zusammen!
Heute habe ich einfach einmal vier Weisheiten zusammengestellt, die sich in den letzten Jahren bei uns als Handlungsmaximen gefestigt haben. Im Grunde sind es alles Sachen, die man mit gesundem Menschenverstand auch erschließen kann … aber da wir selbst nicht immer alles von Anfang an berücksichtigt haben, kann es nicht schaden, die Sachen mal beim Namen zu nennen.

„Viel“ bedeutet „viel Arbeit“
Das ist eine sehr simple und och sehr weise Kalkulationsregel. Hat eine Szene viel Dialog, wird man wahlweise viel Arbeit in die Aufnahme des Set-Tons oder später in die Nachvertonung stecken müssen. Hat ein Film viele Spezialeffekte oder müssen die Farben in vielen Szenen nachbearbeitet werden, heißt das, viel Postproduktion. Sollen viele Schnitte gemacht werden, ist das viel Arbeit für den Cutter. Und sind viele Schauspieler auf ein Mal in einer Szene, ist es viel Arbeit, für den Dreh einen gut machbaren, gemeinsamen Termin zu finden.
Es lohnt sich wirklich, einmal jede Szene, jeden Produktionsschritt auf die „viel“-Regel abzuklopfen. Man muss es deshalb ja nicht gleich anders machen, aber man ist gewarnt und ahnt wenigstens, was auf einen zukommt.

Wenn du‘s heute nicht kaputt machst, kannst du‘s morgen noch verwenden
Man muss man Set eine Menge im Hinterkopf behalten und wenn es bei euch so ist wie bei uns, dann rotieren die meisten Leute am Set vor allem unter der Prämisse, einen möglichst guten Film zu drehen.
Dafür hat man meistens zu wenig Zeit und umgekehrt zu viel zu tun, so dass irgendwann eine gewisse Hektik und ungünstig-wilde Dynamik um sich greift. Was darüber meistens als Erstes droht, in Vergessenheit zu geraten, ist die Erkenntnis, dass einem vermutlich nur sehr wenig von dem Equipment selbst gehört, mit dem man dreht.
Etwa die Scheinwerfer. Wir drehen manchmal mit einer ganzen Palette von Bauscheinwerfern, um Szenen auszuleuchten. Davon gehört exakt einer Eifelarea, rund fünf kommen aus meinem Haushalt, drei von Markus‘ Seite aus etc.
Geht pfleglich mit den Sachen um. Keine Szene kann so gut sein, keine Aufnahme so rockig, dass ihr es riskieren wollt, die Sachen vielleicht das nächste Mal nicht mehr geliehen zu bekommen.

Vorbereitung zahlt sich aus

Es ist so offensichtlich, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, es hier zu schreiben. Dennoch: Was im Vorfeld getan ist, muss am Set nicht noch gemacht werden. Das ist ja auch einer der Gründe gewesen, weshalb ich vor einer Weile hier Storyboards so propagiert habe.
Aber es endet nicht mit den besagten Bildergeschichten zur Drehreihenfolge. Fragt euch am besten schon ein, zwei Wochen vor dem Dreh, wie es genau ablaufen wird. Was wird benötigt, vor, hinter und an der Kamera? Macht Listen, überlegt euch Zeitpläne und Abläufe, organisiert Mitfahrgelegenheiten und sagt den Leuten wieder, wieder und wieder, dass am Tage x ein Dreh ansteht.
Der Dreh selber wird dadurch sehr viel entspannter.

Plan B
Generell hat man ja so seine Wunschvorstellungen. Der Schauspieler A tritt aus dem willig bereitgestellten Bankgebäude heraus, guckt grimmig in die Kamera und rennt dann mit dem weißen Sack, auf dem ein schwarzes Dollar-Zeichen prangt, die Straße herunter, rennt dabei Schauspielerin B um.
Mein Rat: Überlegt euch, gleich nach der Wunschvorstellung, schon mal, wer den mutmaßlichen Bankräuber außer Schauspieler A auch noch spielen kann. Und wer passt auf Schauspielerin B. Egal wie perfekt A und B wären, macht euch einfach Gedanken. Ebenso, wo man es drehen könnte, wenn die Bank kurzfristig aus irgendeinem Grunde nicht zur Verfügung steht. Und eigentlich auch, was man tun kann, wenn der Dollar-Sack beim ersten Take kaputt gehen sollte.
Mehr noch: Macht euch einen Notfallplan, was man drehen könnte, wenn das in dieser Zusammensetzung gar nicht weiter geht. Gibt es eine Szene, für die nur A gebraucht wird, oder nur B? Gibt es vielleicht gar Szenen, die man ganz ohne Schauspieler drehen könnte – Landschaftsaufnahmen oder Einstellungen von As Fluchtauto, dass eine Gasse weiter steht.
Ein Dreh funktioniert in den seltensten Fällen so, wie man sich das vorher überlegt hat. Sich im Vorfeld einem Baumdiagramm gleich zahlreiche Ausweichrouten für so ziemlich jeden Ausfall zu überlegen, macht einen am Set entspannter und flexibler.

So viel zu diesen einfachen Alltagstipps. Kommendes Update beschauen wir uns mal noch eine ganz besondere Eigenschaft jedes einzelnen Schrittes eines Films: Die Produktionsqualität.

Viele Grüße,
Thomas

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s