Was macht einen Film zum Film? Teil 1: Die Bildrate

Buenos Dias!

Willkommen zum zweiten, großen Theorieblock hier bei Eifelarea Film. Im letzten Block haben wir uns mit dem Bild, der Bildaufteilung und dergleichen beschäftigt, doch das alleine verschafft einem Film leider noch nicht dieses „Kino“-Gefühl, um dass es uns hier ja immer geht.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die über das bereits Gesagte hinausgehen und die dafür sorgen, dass ein Film eben nicht mehr diesen Home Video-Flair hat, sondern filmischer, kinohafter und damit indirekt auch teurer/kostspieliger wirkt. Wir stellen sie hier aber zumindest in kurzen Worten jeweils mal vor, damit euer Erstling direkt viel professioneller wirken kann.

Dass Film aus Einzelbildern besteht, dass dürfte eigentlich jeder wissen, seit er in Kindheitstagen sein erstes Daumenkino wahlweise gesehen oder sogar gezeichnet hat. Wer etwas informierter ist, der weiß vielleicht sogar, aus wie vielen Bildern Film besteht.
Die PAL-Kamera, die die meisten unserer Leser vermutlich verwenden, nimmt ihre Umwelt mit 25 Bildern die Sekunde auf. Das bedeutet generell, dass pro Sekunde 25 verschiedene Bilder vor dem Auge des Betrachters aufgeblinkt werden und dadurch der Eindruck einer fließenden Bewegung entsteht. Das ist die Bildrate und die wird oft in fps angegeben, als frames per second, Einzelbilder die Sekunde.
25 Frames, das sind fünf weniger als das amerikanische Standardformat NTSC hat und einer weniger als im Kino, denn Kinofilme laufen mit 24 Bildern pro Sekunde ab. Das ist alles mehr als zwingend erforderlich, denn eine fließende Bewegung wird vom menschlichen Auge ab etwa 18fps registriert, was man auch alten Stummfilmen ansehen kann, die teils nur mit 16 oder 18 Bildern pro Sekunde aufgenommen worden sind.

Allerdings sind das alles theoretische Angaben und so zwar nicht falsch, doch lassen sie einen wichtigen Faktor außen vor. Wenn man einmal die DVD eines Kinofilmes mit dem vergleicht, was man frisch von seinem DV-Band digitalisiert hat, so wird man feststellen, dass der Kinofilm vermutlich „ruckeliger“ wirkte. Das ist tatsächlich ein Problem, denn obschon man ja meinen sollte, sanfteres Bild sei immer besser, so führt einfach die Sehgewohnheit des Publikums dazu, dass der Effekt als ungewohnt, also auch nicht typisch für „echte“ Filme wahrgenommen wird.
Liegt dieser Effekt nun an dem einen Einzelbild pro Sekunde, dass PAL schneller läuft? Mitnichten.

Die korrektere Angabe zu dem, wie unser Fernsehformat funktioniert, wäre eigentlich 25i. Das i steht für „interlaced“, also Halbbilder. Unser Fernsehbilder flackert pro Sekunde 50, nicht 25 mal auf, was ein ruhigeres und weniger flimmerndes Bild erzeugt. Um jedoch die Informationsmenge geringer zu halten, wechselt nicht mit jedem Fünfzigstel das gesamte Bild, sondern jeweils abwechselnd jede zweite Bildzeile. Dieses sogenannte Zeilensprungverfahren führt nun aber dazu, dass interlaced gemachte Aufnahmen unnatürlich flüssig wirken und andere Probleme auftreten können, auf die wir hier ob des Artikelumfangs nicht alle eingehen können.

Die Lösung ist ein kleines p anstelle des i, was für progressive steht. Ein progressives Bild setzt sich nicht aus Halb-, sondern aus Vollbildern zusammen, im Falle von PAL also aus 25 Stück. Dadurch werden die Bewegungen weniger flüssig, da der Bildübergang bei 25p nicht wie bei 25i im wahrsten Sinne des Wortes fließend ist.
Es ist kurios doch sogar im Selbstversuch zu testen: Ein progressiv aufgebautes Bild wirkt in der Tat direkt viel eher so, als sei es mit Film aufgenommen worden.

Doch wie kriegt man sein Bild nun halbbildfrei? Die beste Methode ist es, eine Kamera zu haben, die dazu in der Lage ist. Bei HD-Kameras sollte das ganze Thema ohnehin keines sein, bei DV-Kameras dagegen wird man vermutlich erst im preislichen Mittelfeld ein Gerät auftun können, dass befriedigende Ergebnisse liefert.
Die andere Variante ist es dagegen, dass Bild später am Computer umrechnen zu lassen. Zumindest die besseren Schnittprogramme auf dem Markt von Adobe Premiere aufwärts können beim Export das Bild in Vollbilder umwandeln, doch behebt dies nicht zwangsläufig alle Nachteile, die ein interlaced gefilmtes PAL-Bild sonst noch mit sich bringt.

Dabei will ich aber nicht so verstanden wissen, dass ich PAL für ein schlechtes Format halte. Wenn Spötter die Wirkungen des Formats auch gerne als „Problem anderer Leute“ beschreiben, so ist es doch in seiner technischen Konstruktion dem amerikanischen NTSC und dem französischen SECAM weit überlegen. Und weil man mit so was immer so schön „vom Fach“ wirken kann: Die gleichen Spötter beschreiben NTSC als „Never The Same Color“ und variieren bei SECAM zwischen „Seven Extra Colors A Minute“ und „System Even Crueler (than the) American Method“.

Fernsehformate werden wir hier sicher ein anderes Mal noch mal besprechen, für heute lautet die Parole: „Progressiv filmen!“
Und kommendes Mal widmen wir uns dann mal einem dieser Themengebiete, die mich auch nach mehreren Jahren noch immer gruseln und die ja doch immer mit Tücke verbunden sind. Wir sprechen über die Beleuchtung.

Viele Grüße,
Thomas

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