Was macht einen Film zum Film? Teil 2: Die Beleuchtung I

Moin!
Wie versprochen geht es weiter mit der Theorie bei uns und hin zu einem Thema, dass sicherlich zu den im Amateurbereich mit am öftesten schlecht umgesetzten Bereichen gehört: Das Licht.
Dieser Abschnitt wird in zwei Teilen erscheinen. Heute erzähle ich euch einmal ein paar generelle Informationen zur Ausleuchtung im Film, kommendes Mal kommen dann Ratschläge zu Aufbau und Verwendung der Lichtquellen.

Tageslicht
Maschwitz schreibt, Gott sei unser Beleuchter, doch ist das ein Rat, der mit Vorsicht zu genießen ist. „Was ist so schlecht an echtem Licht?“ mag man fragen, doch die Antwort liegt nahe: Es ist echt.
Film-Licht, so wie man es aus dem Kino kennt, ist nicht realistisch. Im Gegenteil: Licht ist einer dieser Faktoren, an denen man erkennen kann, dass man beispielsweise keine Dokumentation guckt. Sicher, als Filmemacher ohne Budget wird man sehr schnell an Punkte kommen, wo die Sonne alleine genügen muss, doch liegen die Nachteile auf der Hand. Sonnenlicht wandert den Tag über im Halbkreis um das Set und treibt einen damit in Sachen Anschlussfehler und Schatten schnell zur Weißglut. Man hat keinerlei Möglichkeit, sich vor Wetterumschwüngen zu schützen und wenn ein sonniger Tag sich plötzlich bewölkt, kann das schon zu ordentlichen Problemen führen.

Mehr Licht!
Das menschliche Auge ist sicherlich nicht perfekt, aber doch mit das großartigste visuelle Aufnahmewerkzeug, dass wir kennen. Und ganz gleich was abgedrehte Forschungsinstitute an Linsen entwickeln könnten, eines bleibt eine sichere Angabe: Das Objektiv eurer Kamera wird eurem Auge unterlegen sein. Die Folge ist klar, aber wichtig: Das menschliche Auge braucht deutlich weniger Licht, um gut sehen zu können als eine Kamera.
Vor allem ist da der sogenannte „Dunkelstrom“ ärgerlich: Das ist das nervige Phänomen, dass zu dem starken Bildrauschen bei nicht ausreichend hellen Szenen mit digitaler Aufnahmetechnik führt.
Wer also sein Licht aufbaut, der sollte immer einen Blick durch die Kamera werfen, bevor er zu einem Ergebnis kommt. Nur so kann man erahnen, ob es Sinn hat, die Szene so wie getan in Licht zu kleiden.

Lichtfarbe
Licht ist nicht farbneutral, wenn auch hier das menschliche Auge gerne diesen Eindruck vermittelt. Jeder Leuchtkörper strahlt in einer bestimmten Farbe und nur mittels angepasstem Weißabgleich kann man sicher sein, dass die Farben nachher das sind, was man sich erhofft.
Das kann man gut im Selbstversuch testen: Man nehme seine Kamera und leuchte einen Raum mit einer Lichtquelle aus, etwa einer Halogen-Lampe. Man justiere das Weiß, wie es zu sein hat und wirke damit dem gelblichen Schein der Lampe entgegen. Und nun greife man zu einer LED-Leuchte und halte sie ins Bild. Es wird sich nicht das kalte, aber das blaue Grauen breit machen.
Insofern sollte man auch, wann immer man kann, das Vermischen unterschiedlicher Leuchtkörper vermeiden.

Lampen für Jedermann
Professionelle Studiolampen kosten Geld, und zwar nicht wenig. Wer also wie wir ohne Budget dreht, tut gut daran, eine Alternative zu finden. Die perfekte Alternative heißt „Bauscheinwerfer“ und ist für rund 15 Euro in jedem Baumarkt zu kriegen. Wer etwas sucht und Glück hat, findet sogar welche auf einem Stativ, was einem die Arbeit natürlich erheblich erleichtern kann. Billiger wird man sein Set nicht ausgeleuchtet bekommen.
Allerdings sind Bauscheinwerfer auch nicht ohne Tücke. Inszenatorisch eher ein Problem ist das harte Licht, dass sie normalerweise werfen und das zu unschönen Schlagschatten führt, also hart abgezeichneten Umrissen. Das lässt sich leicht vermeiden, indem man das Licht nur indirekt auf sein Ziel richtet, also etwa eine weiße Wand anstrahlt und mit dem reflektierten Licht den Raum erhellt. Dabei verliert man aber natürlich Leuchtkraft.
Der andere Nachteil ist dagegen die große Hitze, die Bauscheinwerfer erzeugen. Nicht nur lohnt hier der Erwerb einiger Schweißerhandschuhe, um die Dinger im Zweifel auch mal halten zu können, sondern es gilt auch sonst, die Augen offen zu halten.
Eine Szene in Xoro haben wir ausgeleuchtet, indem wir Styropor als Reflektionsfläche verwendet haben und unsere tapferen 500 Watt-Strahler haben uns die Platten teils einfach weggeschmolzen. Doch auch professionelle Scheinwerfer-Folie haben wir mit den Dingern schon eingeschmolzen.

Scheinwerfer-Folie?
Licht im Film ist normal mal abseits der Natur der Lichtquelle farbig. Blaues Licht symbolisiert Nacht, ein Orange oder Gelb signalisiert manchmal Morgen, manchmal Hitze. Wir werden noch diesen Monat auf Film-Farbgebung zurückkommen, doch an dieser Stelle zum Grund der Folie, immerhin könnte man es ja auch leicht nachher am Computer einfärben.
Der Vorteil ist der, dass man hier Lichtquelle für Lichtquelle die Farben bestimmen kann und etwa in einer blauen (weil blau beleuchteten) Nacht noch immer ein gelbes Feuer haben kann. Würde man es am Computer colorieren, wäre das Feuer ebenfalls blaustichig geworden.
Eine andere, nette Sache, um sie vor einen Scheinwerfer zu kleistern, ist Gaze. Gaze ist eine Art Mineralwolle und macht ebenfalls aus direktem Licht eine diffuse Lichtquelle, also eine, die keine harten Schatten wirft. Doch Obacht: Auch Gaze kriegt man mit Bauscheinwerfern geschmolzen…

Somit einige etwas wirre und quer durch die Bank gegebenen Tipps zum Thema „Licht und Film“. Etwas akademischere Theorie und die grundlegenden Lektionen zum Thema Aufbau folgen dann zum kommenden Update.

Viele Grüße,
Thomas

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Ein Gedanke zu „Was macht einen Film zum Film? Teil 2: Die Beleuchtung I

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