Farbe macht das Leben bunt, Teil I

Juten morjen!
Nachdem wir die vergangenen beiden Postings lang über das Licht am Filmset gesprochen haben, steht für heute und die nächsten beiden Male ein anderes, ganz besonderes Thema auf dem Plan: Farbe im Film.

Was glaubt ihr, wann wurde der erste farbige Film vorgeführt? In den 40ern? Den 30ern? Den 20ern gar? Alles falsch, das erste, bunte Bild flatterte bereits 1896 über die Leinwand. Damals allerdings war es noch notwendig, das schwarzweiße Filmnegativ von Hand anzumalen und so künstliche Farben in das Bild bringen. Das Ergebnis war teils sehr beeindruckend, aber da man wirklich Einzelbild für Einzelbild von Hand die Färbung vornehmen musste, war es zugleich ein sehr aufwendiges Verfahren.

1912 entwickelte Léon Gaumont dann das erste Drei-Farb-Verfahren der Welt, dass es unter großem Aufwand bei Aufnahme und Projektion ermöglichte, tatsächlich mehre Farben wiederzugeben. Wie so oft in der Geschichte ging das allerdings noch unter und nach 1920 hörte man nichts mehr von der Technik.
Der wahre Durchbruch des farbigen Films kam 1915 aus Amerika in Form der Technicolor Motion Picture Corporation. In den kommenden Jahren wurde dort ein Verfahren entwickelt, dass es sogar ermöglichte, farbige Filme mit normalen Projektoren wiederzugeben. Auch dieses Verfahren ermöglichte es, in den drei Grundfarben aufzunehmen, allerdings hatte es den Nachteil, dass diese auf verschiedene Negative aufgezeichnet wurden.
Die wurden dann im Nachhinein übereinander gelegt und erzielten so ein Gesamtbild, allerdings war dies damals nicht wirklich mit Präzision machbar. Wer einmal die Gelegenheit hat, der vergleiche die beiden großen DVD-Veröffentlichungen von „Vom Winde verweht“. Die Neuauflage zeigt wunderbar, wie brilliant das Bild von 1939 (!) auch heute noch wirkt, wenn die Farben digital exakt aufeinandergelegt werden. Die alte Version dagegen zeigt das große Problem der alten Technicolor-Methode: Manuell kombiniert, lagen die Farben selten wirklich exakt übereinander, so dass „schwimmende“ Ränder entstanden.
Erst gegen Ende der 40er, Anfang der 50er gelang es, verlässliche Verfahren zu entwickeln, die es ermöglichten, mehrere Farben auf ein einzelnes Negativ aufzunehmen.

Farbfilm war von daher in den Anfangstagen sehr, sehr teuer. Es hat insofern nicht nur kreative, sondern auch durchaus wirtschaftliche Gründe, dass „Der Zauberer von Oz“ erst bunt wird, wenn Toto und Dorothy nicht mehr in Kansas sind.
Ein Kompromiss zwischen dem Wunsch nach Farbe und den Kommentaren der Rechnungsabteilung fand man daher in den frühen Jahren des Films noch in der Fototechnik. Eine Virage ist das Endprodukt eines Vorgangs, der sinnig „Viragierung“ heißt und ein monochromes Färbeverfahren ist. Das heißt, dass das, was normalerweise bei einem S/W-Film weiß wäre, in eine bestimmte Farbe gehüllt wurde.
Es entwickelte sich dabei ein richtiger Code, den die Zuschauer damals auch verstanden, um bestimmte Eindrücke zu erzielen. So wurden Nacht-Szenen etwa blau eingefärbt, um ihnen so mehr Stimmung zu geben. Zwei der berühmtesten Stummfilme aus Deutschland – Murnaus „Nosferatu“ und Langs „Metropolis“ – liegen in viragierten Fassungen vor. Allerdings, wenn man mich nach meiner Meinung fragt, würde ich „echtes“ schwarzweiß diesem faulen Kompromiss jederzeit vorziehen. Ein Beispiel aus dem viragierten Nosferatu gibt es auf YouTube – aber bitte ignoriert die Musik, wenn ihr einmal hier vorbeischaut.

Interessant ist jedoch, und da finden wir auch zu unserem Ziel zurück, selber Filme zu drehen, wie sich der Umgang mit Farben über die Jahrzehnte wieder gewandelt hat. Als der Farbfilm aufkam, sollten Filme vor allem bunt sein. Gerade wer die wunderbaren, restaurierten Fassungen der alten Monumentalfilme sieht, wird von reinen, grellen, kräftigen Farben ja fast erschlagen. In den kommenden Jahren nahm das dagegen ab und es wurde zunehmend auf realistischere Töne Wert gelegt.
Nun aber, im Zeitalter der Computertechnik, ist man teils fast schon wieder bei der Virage angekommen. Wer sich etwa einmal die einzelnen CSI-Serien nebeneinander beschaut, kann die krassen Unterschiede in der überzogenen Färbung kaum leugnen. Es gehört zu den Markenzeichen einer Bruckheimer-Produktion, dass die Farben sehr stark stilisiert werden und ist sicherlich auch einer der Gründe, warum seine Filme so gut aufgenommen werden.
Leute nehmen diese Stilisierung gerne und dankend zur Kenntnis, akzeptieren sie nicht nur, sondern erwarten sie. In einem modernen Film sind oft kaum mehr als drei grobe Farbtöne auf ein Mal im Bild und dies ist kein Defizit, sondern Teil der Inszenierung.
Wer einmal ein schönes Beispiel sucht, um möglichst viele Looks auf einen Streich geboten zu bekommen, der sollte einmal Joel Schumachers „The Number 23“ in den DVD-Player legen. Während sich der eine Plotfaden um Jim Carreys Charakter in sehr realistischen, bodenständigen Farben darbietet, sind die Einspieler aus der fiktiven Welt Fingerlings in sehr bearbeiteten Tönen zu sehen, angefangen in einer bunten Kinderwelt, endend in der düsteren Weltsicht eines Wahnsinnigen.

Farben sind also ein Stück Filmkultur. Doch wie setzt man sie nun konkret ein, um seinen eigenen Film besser zu machen? Nun, das schauen wir uns das kommende Mal einmal an, wenn wir mit dem Farbcode viragierter Filme beginnen und danach überprüfen, was davon im digitalen Zeitalter noch Bestand hat.

Bis dahin – bleibt uns gewogen!

Viele Grüße,
Thomas

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