Durch das digitale Auge (Farben, Teil III)

Gut geschlafen, digitale Gemeinde?
Heute wird‘s happig, auch für mich, denn heute werfen wir mal einen ersten Blick auf das große Themenfeld „Technik“.

Das Filmformat, das wir bei Eifelarea Film verwenden, ist das sogenannte MiniDV-Format. Wenn ihr eine Digitalkamera habt und diese nicht auf DVD aufnimmt, stehen die Chancen schon mal gut, dass auch ihr auf Mini-DV aufnehmt. Das sind kleine Kassetten, gar nicht so unähnlich den alten, analogen Formaten, aber technisch dennoch ganz anders aufgebaut.

MiniDV ist – der Name verrät es – ein Nebenprodukt der DV-Bänder, die auch im professionellen Bereich zur Aufzeichnung verwendet werden. Doch da die Formate untereinander ohnehin kompatibel sind, hat sich MiniDV gerade im semiprofessionellen Raum einen guten Namen gemacht. Mit Recht, wie wir sehen werden.
Ich beschränke mich hier übrigens, ihr merkt das schon, auf die Nicht-HD-Formate. High Definition ist in Deutschland noch immer eher eine Randerscheinung und dazu sehr ressourcenlastig, weshalb wir bei Eifelarea auch nach wie vor in SD drehen. Auch gibt es mit HDV ein Verfahren, in HD auf DV-Bänder aufzunehmen, aber auch das lassen wir hier einmal außen vor. Unser Regisseur Matthias dreht beruflich teilweise auf HDV und vielleicht kriege ich den ja mal dazu, hier etwas darüber zu schreiben … aber nicht heute.

SD, HD, DV, HDV – schon verwirrt? Gut, denn es wird schlimmer.
MiniDV nimmt die Bildinformationen, die vor der Linse ablaufen, nicht 1:1 auf. Das tut im Grunde kein Format, der Datenwust wäre selbst anno 2007 schlicht nicht effizient zu bewältigen.
Das bedeutet, dass DV das Bild irgendwie kleinkriegen muss. Das geschieht durch eine ganze Reihe von Mechanismen, die ich hier allerdings nur mal beim Namen nennen möchte. Wiki-Links sind dabei, für jene, die ins Detail wollen.

Eine digitale Kamera nimmt ihre Umwelt über Chips war, sogenannte CCDs. Günstige Kameras verwenden einen solchen Chip für alle Farben, bessere Kameras haben dann bereits drei CCDs, für jede der Grundfarben.
Apropos Grundfarben: Im Kunstunterricht habt ihr vielleicht gelernt, dass die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau sind, weil man aus ihnen alle anderen Farben mischen könne. Nun, das war durchaus richtig, gilt aber nur in der Malerei. Beim Licht, und damit auch beim Film, sind die Grundfarben zwar auch R, G und B, aber G steht für Grün, nicht für Gelb. Das ist generell zwar wichtig zu wissen, aber sei für heute mal nur gesagt.

Denn es wird noch etwas komplizierter. DV verwendet ein Verfahren bei der Aufzeichnung, das hochkompliziert heißt – „chroma downsampling“ – und es auch ist. Dabei wird das Bild nicht einfach im RGB-Farbraum abgelegt, sondern in das Farbmodell YCbCr übertragen. Das nun ist hochtechnisch, kann man gerne nachlesen, doch ich beschränke mich mal auf den Punkt und überlasse den Beweis anderen Leuten:
DV, Aufgrund der Natur von YCbCr, zeichnet die Farbe Grün mit merklich mehr Details auf als die anderen beiden. Das ist tatsächlich sehr wichtig, denn wir waren etwa bei den Landschaftsaufnahmen für „Verfluchte Eifel“ neulich selber mal wieder auf‘s Neue fasziniert, in was für poppigen Farben da die grünen Wiesen in der ansonsten tristen Nebellandschaft aufleuchteten. Geschuldet ist‘s der 4:2:0-Einschränkung des Farbmodells bei PAL-DV.

Ein Vorteil ist aber, dass für die nicht-grünen Bereiche auch weniger Daten abgespeichert werden müssen. Dadurch ist das Signal bereits kleiner, bevor es überhaupt komprimiert wird.
Kompression, das ist 2007 wohl nichts Neues mehr, ist der Versuch, die Datenmenge zum Abspeichern einer Datei zu reduzieren, ohne dabei große Verluste zu erleiden.
Und direkt vorweg: DV ist nicht verlustfrei. Das verwendete Verfahren heißt DCT (Diskrete Kosinustransformation) und funktioniert damit ganz ähnlich wie bei den JPEG-Bildern, die man allerorts im Internet sehen kann. Dabei wandelt, laienhaft gesprochen, das Bild in Formen um, die sich gut komprimiert speichern lassen. Ein ähnliches Verfahren ist etwa auch MJPEG, mit dem Ditigalfotoapparate und manches Handy kleine Videos speichern kann.
Doch es gibt einen wichtigen Unterschied zu MPEG2, dem Verfahren, dass etwa auf DVDs Verwendung findet. DV, genauso wie MJPEG, komprimiert alle Einzelbilder separat, ohne Einfluss aufeinander. MPEG dagegen komprimiert Bilder in einem Fluss, was zwar insgesamt eine stärkere Kompression ermöglich, aber katastrophale Folgen im Schnitt haben kann, wenn man den Ausgangspunkt wegschneidet, auf den noch immer Informationen in dem Videofluss Bezug nehmen.
Darum ist eine DV-Kamera auch immer der Vorzug zu geben, wenn man zwischen ihr und einer Mini-DVD-Kamera wählen kann, da auch diese bereits in MPEG2 komprimieren und man nur noch sehr schlecht damit weiterarbeiten kann.

Somit habe ich jetzt viele fast fragmentarisch anmutende Technikdaten genannt, doch drei Informationen solltet ihr aus diesem Artikel zumindest mitnehmen:
– (Mini)DV speichert mehr Grüninformationen als irgendetwas anderes. Wer wenig Grün im Bild haben will, wird Postproduktion brauchen.
– Der Farbraum, in dem wir Aufnahmen, ist RPG, das Farbmodell YCbCr.
– DV ist MPEG2 überlegen, da hier alle Einzelbilder separat komprimiert und unabhängig voneinander verwaltet werden.

Zum Abschluss noch eine schlechte Nachricht – chronisch überarbeitet und ausgelastet, wie wir alle sind, werden wir in den kommenden Wochen den Drei-Tage-Update-Takt hier im Blog nicht mehr halten können. Zumindest nicht ohne erheblichen Qualitätsverlust, weshalb wir für‘s erste Mal auf ein Update alle fünf Tage hochgehen.
Es kommen sicher mal wieder bessere Zeiten, aber derzeit geht es nicht anders. Demnach lesen wir uns auch nicht am fünften November, sondern erst am siebten wieder hier.

Viele Grüße,
Thomas

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