Scharfe Bilder

Moin!
Auch wenn ich den sperrigen Beititel mittlerweile ad acta gelegt habe, auch heute weitere Gedanken zu der Frage, was ein Bild „filmisch“ macht. Fangen wir mit einem Beispiel an:
Der Ninja mit TiefenschärfeSchaut euch das nebenstehende Bild einmal an. Wirkt halbwegs fesch, oder? Es entstammt unsere „Xoro: the Eifelarean“ und der Ninja da, das bin sogar ich. Aber darum geht es nicht.
Was ist es, dass diesem Bild seine Dynamik gibt? Was ist verantwortlich?
Die Antwort ist recht einfach: Es ist die gezielte Unschärfe im Bild.

Der Ninja, also ich, ist gestochen scharf zu erkennen, der Wald dahinter aber nicht. Das ist ein typisches Mittel in Filmen, aber auch in der Photographie, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers in entsprechende Bahnen zu lenken. Der unscharfe Hintergrund wird ganz unbewusst ausgeblendet, da uns die Schärfe signalisiert, dass wir auf den Ninja zu achten haben.

Wie kommt das also?
Das Schlagwort hier heißt wahlweise Tiefenschärfe oder Schärfentiefe – das ist tatsächlich ein unlösbarer Glaubenskrieg und beide Begriffe können synonym verwendet werden. Der Begriff beschreibt den Objektraum, in dem ein Gegenstand entlang der optischen Achse bewegt werden kann, ohne unscharf zu werden.
Man kann das an sich ganz leicht testen. Wenn man seine Hand vor seine Augen hält und seine Augen darauf scharfstellt, wird der Hintergrund unscharf. Das ist ein Phänomen, dass eben auch bei den optischen Sensoren und dem Linsensystem einer Kamera vorzufinden ist.
Profis machen ganz gezielt Gebrauch von dem Effekt, oftmals auch mit unscharfen Objekten im Vordergrund, um einem Bild zusätzliche Tiefe zu verleihen.

Ich habe unseren Kameramann Ralf einmal gebeten, einige Zeilen zu dem Thema zu schreiben und sowie er die Zeit findet, werde ich die Ausführungen zum „Wie“ und „Warum“ hier gerne nachreichen. Generell gilt allerdings, dass der Effekt mit den kleinen DV-Kameras oft recht knifflig zu konstruieren ist. Es lohnt sich aber – was man auch daran sieht, dass selbst Zeichentrickfilme und Animes versuchen, den Effekt darzustellen.
Denn auch diese endlose Schärfe von Vorder- bis Hintergrund ist ein typisches Zeichen von amateurhaften Produktionen und jeder Shot, der auch nur einen Hauch von Tiefenschärfe (Schärfentiefe) aufweist, wertet den professionellen Look der Produktion direkt erheblich auf.
Aber natürlich kann man, wie immer, auch durchaus bewusst versuchen, gegen den Look anzukämpfen. Wer etwa mal den französischen Film „Vidocq“ in die Finger bekommt, sollte da mal einen Blick riskieren – dieser Film hat keinen Unschärfebereich und wirkt daher sehr, sehr schräg. Bei Youtube wird man fündig, aber soweit ich das gesehen habe, nicht in einer Qualität, die das wirklich illustrieren kann.

Der Franzose mit SchärfentiefeNebenstehend übrigens noch ein Shot aus „Verfluchte Eifel“ (ja, endlich mal wieder), der Gérard Wüller als französischen Soldaten zeigt. Auch da haben wir ziemlich getrickst, um die entsprechende Unschärfe zu zaubern.

Kommendes Mal gibt es dann mal wieder ein paar bewegte Bilder vom VE-Set, wenn alles gut geht, bevor wir uns dem letzten Themenfeld widmen, in dem Profis sich von Amateuren trennen: Dem Ton.

Bis dahin alles Gute und
viel Spaß beim Film,
Thomas

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3 Gedanken zu „Scharfe Bilder

  1. Matthias Schaffrath

    Doch Glaubenskrieg. An sich hast du recht, die Tiefe des Schärfebereichs sollte korrekt mit „Schärfentiefe“ bezeichnet werden. Leider gibt es auch eine „Tiefenschärfe“, der Begriff beschreibt nämlich, wie scharf der Hintergrund im Vergleich zum Vordergrund abgebildet wird.

    Wenn es darum geht, ein Objekt im Vordergrund scharf aus einem unscharfen Hintergrund herauszuarbeiten, erreicht man eine geringere Tiefenschärfe, indem man die Schärfentiefe verringert. Die beiden Begriffe bezeichnen zwar jeweils etwas anderes, können aber synonym verwendet werden (etwa als Anweisung an den Kameramann) und führen zum selben Ergebnis.
    In der Produktionspraxis werden aber meist sowieso klarere Anweisungen gegeben, wie ein Bild aufgenommen werden soll.

    Der Glaubenskrieg findet sich eher im Bereich der Filmanalyse, wo es um die Wirkung von Bildern geht und weniger um die Technik (von der der Autor oft genug auch nicht allzuviel Ahnung hat). Es gibt genügend Texte, die konsequent den Begriff „Tiefenschärfe“ verwenden, um das Stilmittel zu beschreiben und das zurecht, weil im Text eben die Tiefenschärfe diskutiert wird.
    In früheren Zeiten gab es wenig Möglichkeiten, Filmschaffenden bei der Arbeit zuzusehen oder eine Kamera in die Hand zu bekommen. Die Akademiker und Journalisten, die damals für Filmtheorie verantwortlich waren, saßen oft genug mit Notizblock und Bleistift im Kino und mussten von dem ausgehen, was sie auf der Leinwand sahen. Seit damals ist der Begriff der „Tiefenschärfe“ unausrottbar im Vokabular deutscher Filmanalyse enthalten.
    In jüngerer Zeit, wo durch Videokameras und softwarebasierte Produktionssysteme auch Normalsterbliche wie Medienwissenschaftler Filmtechnik einmal wirklich in die Hände bekommen, neigt man in der Tat dazu, lieber den Begriff der „Schärfentiefe“ zu verwenden, der im Handbuch steht.

    Allerdings sind die alten Texte oft genug grundlegen und nicht obsolet und besonders ulkig wird es, wenn ein Autor jüngeren Datums, der natürlich immer brav „Schärfentiefe“ schreibt, ältere Texte zitiert, in denen immer „Tiefenschärfe“ zu lesen ist.
    Und da Zitate für alle Theoretiker das Fundament sind, auf dem sie ihre Theorien bauen, hüten sie sich oft genug, anzumerken, dass das Zitat, dass ihre Aussagen untermauern soll, falsche Begrifflichkeiten enthält…

    Da nun beide Begriffe herumspuken, hört man mal das eine oder das andere. Aber wenn ich an der Kamera stehe und gesagt bekomme, ich solle mehr Tiefenschärfe ins Bild bringen, kann ich entweder eine Diskussion anfangen oder wissen, was gemeint ist und zum Blendenring greifen…

    Antwort
  2. eifelarea Autor

    Jo, da ist mir Matthias eindeutig zuvor gekommen und hat eigentlich alles gesagt, was ich auch sagen würde.
    Der Verweis auf die Theoretiker-Liga ist durchaus angebracht (zumal das ja auch durchaus meine Abteilung ist, ich bin in erster Linie auch Germanist), aber Fakt ist auch einfach, dass ich genug Lehrbücher besitze, die den Begriff konfus genug verwenden, als dass ich ihn in der Praxis im Zweifel einfach nicht als eindeutig voraussetzen würde…

    Antwort

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