Der Teufel liegt im Detail

Moin!
Nach einer Phase allgemeiner Zeitlosigkeit wollen wir dann also heute mal wieder zurück ins Geschäft eintauchen. Unser Thema dabei? Details.
Wenn man als unbedarfter Zuschauer zum ersten Mal das Making-Of einer richtigen Big Budget-Produktion sieht, wird man vermutlich nur mit dem Kopf schütteln können. Wer etwa sieht, was für ein immenser Aufwand bei „Troja“ in die Ausgestaltung der Schilde gegangen ist, mit welcher Liebe zum Detail die alle kleine, individuelle Verzierungen erhalten haben etc., der wird sich sicher fragen, ob sich das denn irgendwie rentieren kann.
Die einfache Antwort hier: Ja, es rentiert sich.

Es ist ein ganz erstaunliches Phänomen, aber diese Details sind Dinge, die man nur in ihrer Abwesenheit bemerken würde. Was ich meine?
Nehmen wir mal so etwas wie einen modernen Klassiker, nehmen wir „Jurassic Park“. Der Film wurde seinerzeit massiv gefeiert, weil er das erste Mal glaubwürdige Dinosaurier auf die Leinwand gezaubert hat. Gemeinhin ist die Erklärung dafür, dass „Jurassic Park“ ja zugleich der Durchbruch für die CGI-Technik war, also ’computer generated images‘. Das ist zwar nicht so ganz falsch – der Film war hier Pionier – aber als Erklärungsversuch unzutreffend. Denn wenn es alleine das CGI wäre, warum sind dann auch heute, immerhin 15 Jahre nach Erscheinen des Saurierepos, so viele CGI-Effekte noch so schlecht?
Es sind die Details.

Wer sich „Jurassic Park“ heute noch mal mit den wachen Augen eines Erwachsenen sieht, kann Zeuge der verblüffenden Mühe werden, die seitens der Macher in die Dinosaurier investiert wurde.
Sie atmen alle. Wer darauf achtet, kann da Brustkörbe sich heben und senken sehen, wo auch immer ein Blick darauf geworfen werden kann.
Sie interagieren korrekt mit der Umwelt. Der T-Rex in der legendären Szene im Regen sinkt in dem nassen Schlamm ob seines Gewichtes ein, seine Pupillen verkleinern sich, als das Licht der Taschenlampe ihm direkt ins Auge scheint. Sein Atem lässt Scheiben ebenso beschlagen wie es der des Raptors, bevor er in die Küche tritt.
Zumindest was den T-Rex betrifft, kann man sich die Szene auch ganz bequem einmal bei YouTube anschauen: Macht auch heute noch Spaß.

Sind diese Details nun also nur für CGI-Effekte wichtig?
Nein, keineswegs. Es sind diese Details, die dem Film Leben einhauchen. Es sind die lateinischen Graffiti in „Rome“, die dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, nicht nur Kulissen zu sehen. Es sind die dreckigen Fingernägel der Hobbits in „Herr der Ringe“, die ihm subtil sagen „Ja, diese Leute sind anscheinend echt auf einer strapazenreichen Reise durch die Wildnis“. Es sind die kleinen Floralmuster auf der Küchentapete der Serenity in „Firefly“ und „Serenity“, die sagen „Jau, hier wohnen wirklich Menschen.“

Wenn diese Details ausbleiben, wenn das Filmbild auf das nötigste beschränkt bleibt, dann bleibt der Film flach. Vielleicht hat er tolle visuelle Effekte und sogar ein gutes Drehbuch, aber er zieht einen nicht in die Handlung, er nimmt einen nicht mit auf eine phantastische Reise.
Was man dann erhält ist ein herzloses Stück Film wie „Firewall“ oder eben den typischen B-Actionfilm aus dem Nachtprogramm.

Die gute Nachricht daran ist: Details müssen nicht immer teuer sein. Man kann leicht viele kleine und liebevolle Details zu einer Szene hinzufügen, indem man sich einfach nur die Zeit nimmt und einmal darüber nachdenkt, was man gerade dreht.
Nehmt euch diese Zeit. Stellt euch vor, dass das, was ihr da gerade filmen wollt, wirklich existiert. Wenn es wirklich wäre, wie wäre es dann? Wenn ihr eine Wohnung echt bewohnen würdet, was wäre dann irgendwann zwangsläufig da? Wenn der Attentäter einen Einsatzkoffer hat, auf welche Art und Weise würde er ihn über die Zeit personalisieren? Wenn ein Desktop zu sehen ist – wie würde der Charakter ihn einrichten? Sehr ordentlich, oder konfus wie meinen eigenen hier?

Dies ist sehr wertvoll investierte Zeit – denn sie hebt, mal wieder, einfach den reinen, gefühlten Produktionswert eures Films.

Grüße,
Thomas

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