Grundlagen zum Filmton – Teil 1: Beispielhaftes

Moin Moin!
Worüber wir hier heute sprechen, könnte grundlegender für das Medium Film nicht sein, wird aber gerade im Amateursegment doch immer wieder auf‘s Neue vernachlässigt. Der Ton.

Aber fangen wir doch einfach mal vorne an, beginnen wir mit einem Selbstversuch.
Dieser Link führt zu einer Szene aus „Bad Boys 2“, die derzeit bei YouTube zu haben ist – die Highway-Verfolgungsjagd aus dem Film. Wer nun die DVD hat, der nehme natürlich lieber die, denn die Bild- und Tonqualität könnte besser sein, aber egal.
Klickt auf den Link und, wichtig, macht eure Boxen aus, bevor das Video läuft. Und nun schaut zu. Es ist langweilig und belanglos irgendwie, oder? Die Schnitte wirken unmotiviert und fast willkürlich, die verwackelten Aufnahmen des Ferraris sind ohne den heulenden Motor nur befremdlich.
Aber gut, belohne sich wer mag und schaue die Szene noch mal mit Ton, dann schauen wir hier weiter.

Warum also verfehlt diese Szene derart ihre Wirkung, wenn der Ton fehlt? Klar, auf der einen Seite ist da zunächst einmal zu sagen, dass wir uns natürlich gerade um 50% der Sinnesreize des Videos beraubt haben, keine Frage. Aber warum verliert das Bild scheinbar an Wirkung, wenn der Ton fehlt? Mehr noch: Bei Maschwitz lesen wir (mit Recht), dass wackeliges, körniges Bild zu verzeihen ist, rauschiger Ton aber eigentlich nie. Wieso?

Die Antwort darauf ist zweigeteilt. Zunächst einmal schafft Ton Orientierung und Atmosphäre gleichermaßen. Die sich verändernden Motorengeräusche der obigen Szene unterstreichen die Schnitt, das „Fauchen“ der passiert werdenden Autos vermitteln einen auditiven Anker für das schnelle Bild und hilft einem, den Blick zu lenken.
Wohlgemerkt, wir sprechen hier jetzt zunächst einmal vor allem von den Geräuschen, auf die Sprache kommen wir noch zurück.
Ton hat auch seine ganz eigene Art, auf uns zu wirken. Ein tiefes Basssignal etwa spricht einen de facto direkt körperlich an und gibt schweren Objekten Wucht, Musik unterschwellige Bedeutung. Der Ton lenkt einen also auf ganz vielen Ebenen gleichzeitig und „erklärt“, was man da eigentlich zu sehen hat.

Umgekehrt führt generell beim Menschen der Wegfall eines Sinnes auch immer dazu, dass die Wahrnehmung („Rezeption“ sagt der, der schlau wirken will) sich auf die anderen Sinne konzentriert. Dazu könnte man an dieser Stelle vieles schreiben, worauf es uns aber ankommt: Wenn dieser auditive Anker ausbleibt, wird das Auge bisweilen auch zu aufmerksam.
In der Praxis kann man das sehr leicht anhand eines absoluten Klassikers überprüfen: Der Duschszene aus Psycho.
Gibt es natürlich auch bei YouTube – also, Boxen aus, angeklickt, Illusion zerbrochen.
Man sieht auf einmal, dass das Messer nicht in den Körper eindringt. Alles wirkt, ohne die mittlerweile klassisch zu nennende musikalische Inszenierung, ganz laienhaft und was einst eine Generation das Fürchten lehrte, wirkt nur noch amateurhaft.
Auch hier gilt – danach ruhig noch mal mit Ton gucken, dann ist‘s wieder gut…

Kommendes Mal dann einige Gedanken zum Thema Dialogton und das mal darauf etwas aus der Praxis des Amateurfilmers…

Grüße,
Thomas

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