Grundlagen zum Filmton – Teil 2: Dialoge

Gut geschlafen, liebe Leser?
Wer verstehen will, was einen guten Filmton ausmacht, der muss gerade hierzulande eigentlich etwas früher anfangen. Film, das ist etwas, was in Deutschland nach dem dritten Reich erst wieder aufkommen musste. Wir haben, durch das Nazi-Regime und den zweiten Weltkrieg bedingt, keine durchgehende Entwicklung im Unterhaltungsfilm-Bereich gehabt.
Gerade nach dem Krieg wurde in Deutschland in vielerlei Hinsicht ein Neuanfang gemacht und es hielt schnell etwas Einzug, was vorher nicht denkbar gewesen war: Ein Sortiment übersetzter, ausländischer Filme.

Film ist, pauschal gesagt und damit ungenau, im Nachkriegsdeutschland etwas gewesen, was zumindest zur Hälfte synchronisiert ablief. Natürlich gab es auch eigene Produktionen, das will ich jetzt nicht in Frage stellen, aber während hier noch wieder wachsen musste, was einst war, konnte importiert werden, was schon die Zeit zum Reifen gehabt hatte.
Nur führt dieser Zustand zu einigen kuriosen Verzerrungen dessen, wie man hierzulande Dialoge wahrnimmt.

So haben Dialoge stets rein und klar zu sein. Unverständliches Getuschel oder Gemurmel, was etwa in amerikanischen Produktionen alleine schon dadurch immer gegeben war, dass dort nicht jede Dialogpassage neu eingesprochen wurde, gibt es bei uns quasi nicht. Wenn eine Figur auf dem Bildschirm oder der Leinwand den Mund aufmacht, dann muss das, was dort herauskommt, verständlich sein. Das treibt bisweilen sogar so kuriose Blüten, dass Figuren, die im Original eine Fremdsprache mit Untertiteln sprachen, um exotisch zu wirken, bei uns mit übersetzt und eingedeutscht werden.
Aber diese Regel gilt dann auch ebenso für den Amateurfilmer – wenn Stimmen erklingen, muss man sie verstehen.

Das gilt im gleichen Maße auch für die Wechselwirkung mit der Geräuschkulisse, oft nur kurz „Atmo“ (für „Atmosphäre“) genannt. Wo in anderen Ländern Motorenlärm oder dergleichen auch ruhig mal einige Silben verschlucken darf, hat so etwas in Deutschland keine Chance. Überhaupt scheint bei uns die Abmischung wesentlich Sprachoptimierter zu erfolgen, wenn man mal während einer DVD die Tonspur wechselt.

Umgekehrt haben wir aber auch einige Freiheiten, die im Ausland weniger gegeben sind. Die eine, die unserer Sache dienlich ist, ist dabei sicherlich der Mangel an Notwendigkeit zur Lippensynchronität. Wir sind es gar nicht gewohnt, dass die Münder der Personen auf dem Schirm sich auch nur mehr als vage an dem orientieren, was gerade gesprochen wird und können daher auch auf aktiver Seite mal etwas schludern, was das betrifft.
Dass das in Amerika anders ist, kann man immer mal wieder beobachten, wenn etwa in Trailern harte Schimpfworte durch nettere Ausdrücke ersetzt werden, damit die Vorschau auch vor Filmen laufen kann, deren Freigabe weniger streng ausgefallen ist als die des Beworbenen.
Da geht dann dort direkt ein Aufschrei durch die Foren, hierzulande kann man es ja nicht einmal bemerken.

Das typische Erkennungszeichen eines Amateurfilms hierzulande ist und bleibt daher die schlechte Qualität des Tons, gerade aber der gesprochenen Sprache. Selbst das theoretische Wissen, dass in den vorangegangenen Worten steckt, hilft nicht, schlechteren Ton zu akzeptieren. Man ist kann nicht mal sagen, man sei besseren Wissens konditioniert worden, denn schlechte Sprachqualität ist einfach immer das Resultat von wenigstens mangelnder Technik, mangelnden Wissens oder mangelnder Übung.

Bei der Technik können wir nur auf Umwegen helfen und die Übung muss man selber durchleben. Aber was das Wissen angeht, so werden wir in fünf Tagen dann an dieser Stelle unsere erste Tour durch den Ton forsetzen. Dann geht es um den eigenen Ton. Damit wäre unsere Ton-Tour eigentlich auch erst einmal beendet gewesen, aber weil die Nachfrage durchaus da war und ist, beende ich den Reigen dann direkt vor Weihnachten noch mit einem speziellen, vierten Teil: Der Musik.

Grüße,
Thomas

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