Grundlagen zum Filmton – Teil 3: Der eigene Ton

Und guten Morgen mal wieder!
Nachdem wir die letzten beiden Updates lang uns eher theoretisch mit dem Ton im Film befasst haben, heute ein paar Grundlagen direkt aus der Praxis.
Generell kann man, auch oder vielleicht sogar gerade, im Amateur-Segment und beim NoBudget-Bereich zwischen drei großen Säulen unterscheiden.

Der Set-Ton
Der Setton ist zunächst einmal das, was man wirklich vor Ort, am Drehort, aufnimmt. Und dabei ist es ganz wichtig, sich über eine Sache im Klaren zu sein: Das wird, alleine mit dem Mikrophon an der Kamera, vermutlich nur von sehr begrenztem Erfolg sein.
Der bei mir so gerne zitierte Maschwitz schrieb mal, die an der Kamera angebrachten Mikros seien vor allem Deko – und Recht hat der Mann! Neben einer zumeist generell geringen Qualität haben diese Mikros gleich eine ganze Reihe von Schwächen, die man kaum übersehen kann. Meist sind sie zu schwach, man hat keine Möglichkeit sie auszurichten oder gar näher an die Geräuschquelle zu bringen. Wenn es schlimmer kommt, sitzen sie nicht vorne auf der Kamera, sondern etwa oben, was dazu führt, dass man nachher vor allem den schnaufenden Kameramann, nicht aber seine Darsteller hört. Glaubt mir, unsere allererste Kamera war so und ich kenne das Problem.
Auch ein nicht zu unterschätzender Nachteil rührt aus der Miniaturisierung bei DV-Kameras her, denn mittlerweile sitzt das Mikro oft so nahe an der Mechanik, dass die Cam ihr eigenes Bandlauf-Geräusch aufzeichnet.

Greifax und die TonangelWer vernünftigen Ton am Set mitnehmen möchte, der sollte sich wenigstens um eine Tonangel und/oder ein gutes Mikro bemühen. Die Angel ist zunächst mal vor allem eine lange Stange, um das Mikro über oder an die Darsteller heran zu bekommen und kann natürlich einfach aus einem Besenstil gebaut werden. Professionelle Tonangeln sind dagegen noch aus leichtem Alluminium, können in der Länge verstellt werden, sind extra isoliert und haben einen aus diversen Gründen praktischen Griff aus Schaumstoff.
Bei den Mikros wird die Sache noch mal bedeutend komplizierter, weshalb ich da nur die Warnung, dass gute Mikros echt (!) teuer werden, herausgeben möchte und irgendwann mal Ralf bitten werde, das hier etwas fachlicher zu erläutern.
Richtig gut ist‘s natürlich, wenn man dazu noch ein Mischpult organisiert bekommt. Die gibt es auch in batteriebetriebener Form und die ermöglichen es dann, sich später in der Nachbearbeitung viel, viel Arbeit mit der Auspegelung der Lautstärken zu ersparen. Aber gute Mischpulte stehen guten Mikrophonen in Sachen Kosten sicherlich nichts nach und auch wir leihen uns das Tonequipment derzeit noch aus, anstatt es selber zu besitzen.

Dubbing
„Dubbing“ werden wir in der Postproduktion noch mal sehr nahe beleuchten, aber in kurzem Worten ist es das Nachsprechen von Dialogen, später im Studio oder an einem vergleichbaren Ort.
Dubbing ist eine Menge Arbeit, denn schnell zeigt sich, dass das lippensynchrone Nachsprechen von Dialogzeilen gar nicht mal einfach ist, erst recht, wenn man es noch „schauspielern“ muss. Im Kostüm, am Set, mit Ansprechpartnern, ist es doch erheblich einfacher, den Worten den richtigen Klang zu geben, als irgendwo in einem Zimmer, Monate später, wenn man Aug‘ in Aug‘ mit einem Mikrophon steht.
Wir haben „Xoro“ zu rund 60 oder 70% gedubbt, schätze ich, und das hat alleine bei den 35 Minuten Gesamtfilm (von denen recht viele dialoglos sind), bei fünf oder sechs Sprechern, ein komplettes Wochenende, je von Morgens bis Abends gedauert.
Die Fachleute sprechen übrigens von ADR – und weil im Filmbereich ja nichts einheitlich ist, ist dann je nach Lehrbuch oder Quelle ‚Automatic Dialogue Recording‘, ‚Additional Dialogue Recording‘ oder ‚Automated Dialogue Replacement‘ damit gemeint. Na gut.
Im Endeffekt wird hier die Szene in sogenannte „Takes“ unterteilt, die nicht so direkt mit den „Takes“ am Set verwechselt werden sollte. Die ADR-Takes sind jeweils kurze Parzellen des Films, die wieder und wieder eingesprochen werden und so Abschnitt für Abschnitt abgearbeitet werden. Dieser Vorgang wirkt bisweilen stupide, aber lässt sich auch im Kleinen konstruieren und funktioniert durchaus sehr gut. Haben wir bei „Xoro“ auch durchaus gemacht.
Obacht geben sollte man dann noch bei der Auswahl des Equipments und des Aufnahmeortes. Was für Mischpulte und Mikros zuvor gesagt wurde, gilt hier im Prinzip natürlich auch wieder. Als Aufnahmequelle ist jeder handelsübliche Rechner geeignet, bevorzugt noch mit einem zweiten Gerät, um das Video unabhängig laufen lassen zu können.
Der Ort sollte möglichst wenig Hall haben, sonst klingt der Ton unpassend und bisweilen blechern. Sehr gute Schallschlucker an den Wänden wären etwa Stoffbahnen oder auch Buchregale.
Um bei der eigenen Erfahrung zu bleiben: „Xoro“ haben wir in einem Raum voller Bücher eingesprochen; aufgezeichnet auf einen PowerMac G5, die Videos abgespielt auf einem iBook G4. Das hat ziemlich gut geklappt.

Die Konserve
Die dritte Tonquelle sind einfach Soundsammlungen, die man überall findet. Sie ersparen einem das mühsame Aufzeichnen eigener akustischer Effekte (was eigentlich eine vierte Säule sein müsste, aber im Amateurbereich ebenfalls fast schon undurchführbar ist), sind aber auch nicht ganz so einfach zu finden.
Es gibt Dutzende und Aberdutzende Soundarchive im Netz, nur leider sind die wenigsten davon gut. Selbst die kommerziellen Seiten sind oft nur von bescheidener Qualität, die kostenfreien Angebote sogar meist noch schlechter.
Es gibt natürlich auch richtig professionelle Soundarchive auf DVD, die kosten aber dann auch direkt wieder Preise, die der Professionalität angemessen sind. Teils sprechen wir hier von hunderten Euros, aber es geht sogar darüber hinaus.
Generell empfiehlt es sich hier, einfach alle Ohren offen zu halten und zusammeln, was man irgendwo findet. Denn das beste Soundarchiv ist dann nachher ohnehin das, was man sich selber zusammengestellt hat.

Damit ist unsere Grundlagentour durch das Filmemachen dann auch erst mal so gut wie abgeschlossen und die wichtigsten Kinder sind mal beim Namen genannt worden. Kommendes Mal befassen wir uns dann hier noch mit ein paar ganz, ganz generellen Grundlagen zum Thema Filmmusik, bevor dann mal wieder News in eigener Sache folgen und ich im Anschluss ein weiteres, eher besonderes Feld anschneiden möchte: Spezialeffektaufnahmen am Set.

Grüße,
Thomas

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