Grundlagen zum Filmton – Teil 4: Die Musik

Morgen zusammen!
Aufgrund entsprechender Nachfrage werde ich dann heute also doch noch einige Takte zum Thema Filmmusik erklingen lassen. Da muss man eigentlich viel, viel mehr zu sagen, aber zumindest einige Grundlagen kann ich an diesem nachweihnachtlichen Tage natürlich gerne einmal erläutern.

Filmmusik ist, genauso wie jeder andere Ton, sehr wichtig. Viel mehr aber noch als Soundeffekte und Sprache ist die Musik ein dem Film einen Charakter verleihendes Mittel. Musik schafft Identität und, verwandt, aber noch wichtiger, Musik ermöglicht das Wiedererkennen.
„Star Wars“ und „Indiana Jones“ haben Lieder hinterlassen, die ganze Generationen schon an den ersten Tönen erkennen, jeder identifiziert den Doppel-0-Agenten anhand der Gitarre, meinem Vater wird es auch heute noch ganz warm ums Herz, wenn die „Winnetou“-Melodie ertönt und wem einmal das „Lied vom Tod“ gespielt wurde, der wird auch das so schnell nicht wieder vergessen.
Solche Musik ist das, was man heute häufig als OST betitelt sieht, als „Original SoundTrack“. Musik, eigens für den Film komponiert und in der Regel recht aufwendig eingespielt. Dabei geht bereits sehr viel Einfluss vom Komponisten aus und oft sind es mit der Zeit dann auch immer die gleichen Namen, die man bei vergleichbaren Filmen vorfindet.
Ein modernes Paradebeispiel wäre da etwa Hans Zimmer, der für „Crimson Tide“ einen wundervollen Soundtrack geschrieben hat, den man in varrierter Form seither dann aber auch noch in seinen Scores zu „The Rock“, „Gladiator“ oder „Fluch der Karibik“ gehört hat. Ich hab es schon öfter probiert und gerade Leute, die nicht ganz so versessen auf Filmmusik sind, haben in der Tade Probleme, die Lieder immer exakt zuzuordnen.

Das Gegenbeispiel dazu ist in der Regel der Gebrauch populärer oder zeitgenössischer Musik. Das wird manchmal als der kleine Bruder „echter“ OSTs angesehen, was aber natürlich so auch nicht ganz stimmt. Wer etwa einmal bewusst den Director‘s Cut zu „Donnie Darko“ schaut, dem wird schnell auffallen, wie gezielt und inszenierend hier bekannte Lieder zur Untermalung der Bilder eingesetzt werden.
Alleine die (auch in der Kinofassung vorhandene) letzte Montage zu Gary Jules‘ „Mad World“ ist einfach nur traumhaft schön geraten.

Auch Fernsehserien bedienen sich gerne einmal dieser zweiten Variante, da das Komponieren pro Folge natürlich auch auf Dauer ordentlich ins Geld geht, manchmal aber auch einfach aus kreativer Setzung heraus.
Ganz aktuell kann im Fernsehen etwa „Supernatural“ gesehen werden, eine Serie, die ihren Flair nicht zuletzt auch aus der in der Handlung abgespielten, aber wie ein Soundtrack verwendeten Rockmusiksammlung der beiden Protagonisten zieht. Doch um im gleichen Genre zu bleiben, schon Jahre zuvor wurde Musik als bestimmendes Element gerne einmal eingesetzt. In dem oft zu Unrecht als ‚Akte X‘ kleiner Bruder‘ bezeichneten „Millennium“ fanden gerade in der zweiten Staffel zahlreiche großartige Lieder ihre Anwendung, von Patty Smiths „Horses“ in voller Länge (9:26!) über Zager and Evans‘ „In the Year 2525“ und Americas „Horse with no Name“ bis hin zu Paul Mauriats „Love is Blue“. Mit großartiger Wirkung.
Wiederum ein Beispiel für eine andere Herangehensweise wäre dann noch „Babylon 5“ – die legendäre SciFi-Serie ist die erste Fernsehproduktion gewesen, bei der für jede einzelne der über 100 Episoden exklusiv Musik komponiert worden ist. Klar, Mark Snow hat auch für Millennium eigene Musik geschrieben, doch die wurde oft vielfältig wiederverwendet. Christopher Franke dagegen hat bei „Babylon 5“ an jede Episode selbst Hand angelegt. Das Ergebnis? Es „fühlt“ sich direkt noch mehr wie ein Spielfilm an.

Die verwendete Musik hat einen massiven Einfluss auf das komplette Feeling einer Szene oder auch eines ganzen Films. Die Auswahl ist ganz entscheidend, wie nicht zuletzt auch uns bewusst wurde, als wir „Xoro“ wieder und wieder bearbeitet haben.
Man kann zu diesem Thema nun viele Ratschläge geben (und werden wir, wenn wir zur Postpro kommen), doch für jetzt einfach mal fünf ganz einfache, grundlegende Empfehlungen zum Thema:
1. Achtet darauf, dass die Musik zu dem passt, was ihr wollt
2. Die Musik soll die visuelle Ebene unterstützen, vielleicht tragen, aber nie überlagern
3. Verwendet kein Lied, dass einem bekannten Filmtitel extrem ähnlich ist, wenn ihr euch nicht freiwillig in dessen Schatten stellen wollt, als Hommage etwa
4. Billige Synthesizer-Musik wird immer wie billige Synthesizer-Musik klingen; selbst wenn kein Orchester verfügbar ist, versucht, dass es so klingt, als wäre dem doch so
5. Obacht vor der GEMA.

Wir lesen uns dann am 1. 1. im neuen Jahr wieder; dann mit News in eigener Sache, Berichten direkt von der Front, könnte man sagen…

Viele Grüße,
Thomas

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