Zwei Seiten einer Medaille: Kombinieren von VFX und SFX

Schönen guten Morgen zusammen, liebe Leserschaft!
Jetzt haben wir es die vergangenen Postings lang doch mehr oder weniger so aussehen lassen, als könne man eine recht klare Grenze zwischen digitalen und am Set realisierten Spezialeffekten treffen. Das ist, so um ein Gefühl für die Bereiche zu kriegen, auch durchaus machbar, aber in der Praxis eigentlich nie der beste Weg.
Beide Gebiete haben so ihre Nachteile, wie wir gesehen haben – doch lassen sich bei geschicktem Einsatz die Vorteile beider Herangehensweisen dergestalt vereinen, dass man mit ihnen den jeweiligen Nachteilen entgegenwirken kann. So helfen oft schon ein oder zwei eingestreute Close-Ups von gefilmten Effekten, um über die Künstlichkeit eines CGI-Effektes hinweghelfen zu können.

Da gibt es ganze Berge prominenter Beispiele für. Ganz dicke etwa: „Der Herr der Ringe“. Peter Jackson und seine Leute haben massenhaft Techniken vereint, um die phantastische Welt von Mittelerde realisieren zu können. Da werden Kamerawinkel, verzerrende Linsen, zusammengefügte Einzelshots, CGIs, CGI-extensions (also die digitale Erweiterung gefilmter Elemente), klassische Paintings und vieles mehr mit großem Aufwand zusammengefügt, um am Ende ein nahtloses Produkt zu erzeugen.
Das gleiche gilt etwa für Guillermo del Toros grandiosen Film „Pans Labyrinth“. Der Pan darin war ein Kostüm, ist über Make-Up und on-set effects realisiert; bis auf die Beine. Die wiederum wurden dann digital verändert, da es physisch einfach nicht umzusetzen war. Somit ist alles wirklich greifbar, was man aus der Nähe sieht, doch wo die Realität nicht mehr kooperiert hat, kam dann der Computer zur Hilfe.

Ähnlich wurde auch etwa in „Jurassic Park III“ gearbeitet. Wer einmal die „Bulletproof“-Edition der Filme in die Finger bekommt, sollte sich dort mal die Effekt-Making Ofs zum dritten Teil anschauen. Es ist sehr spannend zu sehen, welche Raptoren beispielsweise CGI und welche animatronisch waren, denn mit bloßen Auge sichtbar ist es nicht. Aber wenn man es sich aufmerksam anschaut, wird einem immer klar, warum an welcher Stelle welcher Weg gewählt wurde, wo es mehr auf die Bewegung ankam, beispielsweise, und wo eher der Detailgrad im Close-Up von Bedeutung war.
Ein letzter Beispiel für heute: „Revenge of the Sith“, also Star Wars: Episode III. Der finale Kampf zwischen Anakin und Obi-Wan ist eine ganz obskure Mischung aus Green-Screen-Aufnahmen, sehr viel CGI, aber auch sehr aufwendigen Modellaufnahmen für die Landschaft und sogar Archivmaterial eines Vulkanausbruchs als Fundament für die Magmafontänen im Hintergrund. Auch hier hilft die DVD: „Innerhalb einer Minute: Making of Episode III“ ist eines der schönsten Making Ofs der vergangenen Jahre, ungeheuer informativ, schön aufgemacht und eben auch mit großem Detailgrad, was Effektbelange betrifft.

Aber gilt das so auch für Amateurfilme? CGI und Animatronik, das klingt immer schrecklich nach hohem Budget, ich weiß. Aber nicht täuschen lassen, das funktioniert halt auch im Kleinen.
In „Xoro“ etwa haben wir einen Turm aus Pappmaschee als Modell realisiert, um ihn dann mit einem digitalen Hintergrund und ebenso digitalen Flammen auf den Zinnen zu versehen.
Warum den Turm als Modell? Weil wir weder technisch noch menschlich die Ressourcen haben, um ein ebenso „greifbar“ aussehendes Modell am Computer zu erzeugen; echt ist halt, wie wir gelernt haben, hier auch einfach echt.
Der Hintergrund dagegen ist ein gewaltiger Wolken-Vortex und daher einfach nicht real zu filmen.
Die Flammen auf den Zinnen dagegen, nun, die hätte man natürlich legen können. Aber abseits der Brandgefahr für das gesamte Modell greift hier vor allem das Problem, dass kleine Flammen wie kleine Flammen aussehen, egal was man tut. Loderndes Feuer muss groß sein … oder eben digital.
Das Ergebnis kommt bei Vorführungen durchaus durch die Bank weg gut an, aber eben vor allem, weil wir hier so viele Techniken kombiniert haben.

Kommendes Mal gibt es dann noch einen kleinen Blick auf ein bisher komplett unerwähntes Feld der digitalen Möglichkeiten, um unseren „Einführungskurs: Spezialeffekte“ zu beenden.

Viele Grüße,
Thomas

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