Die getarnte Seite der SFX: Korrekturen

Morgen auch!

Eine der Kernkonzepte bei der Produktion einer Filmszene ist eine möglichst große Kontrolle über alle Umstände der Aufnahme. Dazu gehört, unter anderem, natürlich auch ein möglichst großer Design-Einfluss auf die Umgebung. Wer eine menschenleere, isolierte Eifel zeigen will, was wir in „Verfluchte Eifel“ durchaus anstreben, der kann weder Fließverkehr noch zu viele Zeichen von Zivilisation gebrauchen.
Wer, wie wir wiederum bei „Xoro“, einen Ausblick in eine noch vor-mittelalterliche Welt geben möchte, der hat weder ein Interesse an Strommasten am Horizont noch an Kondensstreifen am Himmel.

Auch hier kann der Computer zum Retter in der Not werden. Denn erst die digitale Technik macht es möglich, wie wild in gefilmtem, bewegtem Material herummalen zu können.
Zumindest wer Zugang zu professioneller Software hat, kann da problemlos auch größere Korrekturen im Detail vornehmen.

Es gibt allerdings einige „Aber“, die nicht unerwähnt bleiben können:
1. Es ist viel Arbeit.
Es ist ungeheuer viel Arbeit, diese Korrekturen vorzunehmen. Sich nun also am Set jede zweite Minute zu sagen, dass man das ja auch digital noch retten könne, ist also genau der falsche Ansatz und zieht im besten Falle nur die Postproduktion in die Länge, geht aber vermutlich langfristig auch auf Kosten der Qualität vonstatten.

2. Man sieht es nicht, aber man sieht, wenn es nicht gemacht wird
Oder anders ausgedrückt: Man investiert hier sehr viel Zeit und Energie in etwas, was man am Ende nachher bestenfalls gar nicht wahrnimmt. Was man auch nicht wahrnehmen soll.
Das kann für denjenigen, der Monate seines Lebens in diese Bereinigungen gesteckt hat, durchaus sehr schnell demotivierend wirken, wenn etwa am Ende eines Star Wars-Fanfilms die (technisch echt einfachen) Lichtschwerteffekte lobt, aber niemand zu würdigen weiß, dass man die Skihütte aus der Totalen des „Eisplaneten“ minutiös retuschiert hat.

3. Es schränkt ein
Hier sind wir wieder bei der Ironie: Die digitale Technik, die die kreativen Geister einer Filmproduktion ja eigentlich befreien soll, führt in der Praxis oft dazu, dass man weniger Freiheiten hat als vorher.
Was eben zuvor über CGI-Arbeiten gesagt wurde, gilt auch hier: Wenn die Kamera sich bewegt, muss man die Retusche den Bewegungen anpassen. Zoomt oder fährt sie gar, könnte es zu Tiefenverschiebungen kommen. Einen Strommast vor blauem Himmel zu entfernen ist eine Fingerüber. Einen Strommast zu entfernen, der wechselnd halb und ganz vom Kopf des Protagonisten verdeckt wird, ist dagegen bereits richtig Arbeit. Und hat man dann an dem Tag auch noch schöne, dramatisch ziehende Gewitterwolken am Himmel gehabt, dann wird es plötzlich zu einer mehrere Abende füllenden Arbeit, die man Pixel für Pixel von Hand durchführen muss.
Also filmt man lieber so, dass es in der Postpro leichter geht und schon hat man sich, ehe man sich versieht, sein eigenes kreatives Gefängnis gebaut.

Weiß man dies und nimmt es auch dergestalt zur Kenntnis, kann man allerdings aus naheliegenden Gründen von derartigem Computereinsatz durchaus mächtig profitieren.
Aber auch hielt gilt halt wieder: Weniger ist mehr. Jeder Shot, den man ohne große Nachbearbeitung verwenden kann, ist am Set weniger Arbeit, in der Postproduktion weniger Arbeit, leichter bereits im Rohschnitt zu verwenden und somit insgesamt schlichtweg der günstigere Weg.
Doch wenn man es geschickt macht, sind auch auf diesem Wege wieder einige Pluspunkte auf der „Produktionsqualität“-Skala zu holen.

Somit beenden wir das kleine 1×1 der Spezialeffekt-Grundlagen aber auch, um uns kommendes Mal noch einem wirklich abgedrehten, technischen Thema zu widmen: dem hAOV.
Verwirrt, irritiert, ratlos, was zum Geier das sein soll?
Keine Sorge, kommendes Mal leiste ich Erklärungsdienste.

Viele Grüße,
Thomas

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