hAOV, ein unbekanntes Wesen

Morgen auch, liebe Leserschaft 🙂

So, dann atmet noch mal gut und tief durch, denn heute wird es ziemlich technisch; wir sprechen über den hAOV.
Fangen wir vorne an: hAOV ist ein fieses Akronym und steht für „horizontal angle of view“, ergo „horizontalen Aufnahmewinkel“. Euer Kamerabild wird durch eine Linse aufgenommen, die ihrerseits wiederum ein bestimmtes Gesichtsfeld abdeckt; eigentlich ähnlich, wie es auch das Auge tut. Dieses Feld ist naturgemäßg mit einem Winkel zu beschreiben und dieser ist, was oft unterschätzt wird, sehr wichtig.
Wer später im Computer digitale Effekt erzeugt, generiert seine CG-Bilder ebenfalls durch eine Linse hindurch. Verwendet man dort nun einen anderen AOV, wirkt das einkopierte Bild verzerrt und passt nicht wirklich zu der eigentlichen Aufnahme, da die Brechung eine andere war.

Zwar kann man in jedem halbwegs gebräuchlichen 3D-Programm den hAOV der virtuellen Linse einstellen – aber wo liegt der Wert der eigenen Kamera?
Wenige Handbücher gehen wirklich darauf ein, aber es gibt durchaus einen Trick und eine Formel, wie man an den Wert kommen kann.

Schauen wir uns das einmal an:
Wir brauchen: die Kamera, einen Kontrollmonitor, ein Objekt mit einer messbaren Länge (Sofa, Bett, Tisch, Auto etc.) und einen Taschenrechner.
Zunächst einmal messen wir das Objekt und notieren die Länge möglichst genau.
Danach richten wir die Kamera auf dieses Objekt aus, so dass es mit seiner Länge exakt den Bildbereich der Kamera ausfüllt. Hier kommt der Kontrollmonitor ins Spiel, denn dies sollte auf einem Display kontrolliert werden, das zu den Rändern hin keinen Bildbereich verschluckt. Röhrenmonitore und -fernseher fallen da also schon einmal flach, der Sucher der Kamera aber leider auch zu oft.
Wichtig ist hier auch, dass der Zoom exakt so eingestellt ist, wie er nachher für den CG-Shot auch sein wird, denn eine Veränderung der Brennweite führt auch zu einer Veränderung des hAOV. Zoom und Effektarbeit sind von daher zwei sehr problematische Themenfelder…
Hat man die Kamera ausgerichtet, wird die Entfernung von ihr zum Objekt gemessen. Dabei sollte möglichst vom Knotenpunkt der Linse aus gemessen werden, aber das ist jetzt auch keine Milimeterarbeit.

Wir haben nun also zwei Werte: Objektlänge und Entfernung. Fangen wir an zu rechnen.
Wir halbieren die Länge und teilen diese durch die Entfernung zum Objekt. Danach bestimmen wir den Arkustangens im Bogenmaß des zuvor ermittelten Wertes (auf wissenschaftlichen Rechnern ist das normalerweise die mit ArcTan, die ATAN oder Tan¯¹ betitelte Funktion) und multiplizieren diesen wiederum mit 2.
Als Formel liest sich das dann wie folgt, wenn wir die Objektlänge mit X und die Entfernung mit Y beziffern:
hAOV=(ATAN((X/2)/Y))*2

Sieht für den einen oder anderen vermutlich sehr gruselig aus, aber man muss es ja nicht verstehen, nur anwenden, zumindest für unsere Zwecke. Das Ergebnis in Grad beschreibt nämlich exakt den horizontalen Aufnahmewinkel der Kamera mit der Einstellung, die beim Test vorlag.
Den kann man sich nun notieren und ggf. in der Postproduktion beim erstellen Dreidimensionaler Effekte zu Rate ziehen. Wir werden darauf zurückkommen.

Kommendes Mal folgen dann ein paar Gedanken zu einem ganz anderen Themenfeld, das aber eigentlich sogar noch wichtiger ist: Wir sprechen über Stunts und Filmsicherheit.

Viele Grüße,
Thomas

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