Von Stunts und Set-Sicherheit

Morgen zusammen!

Sprechen wir heute doch mal über ein besonders kritisches Thema: Setsicherheit.
Prinzipiell sind Stunts eine tolle Sache. Der Eindruck, dass da Leute wirklich einer körperlichen Gefahr ausgesetzt waren überträgt sich eigentlich mit gnadenloser Sicherheit auch auf den Zuschauer. Selbst eher mittelmäßige Filme können einen mit einem gut eingesetzten Stunt wieder wachrütteln und ins Geschehen werfen. So ist etwa Greg Yaitanes‘ „Hard Attack“ mit David Bradley kein Film, für den es sich lohnt, sich vor den Fernseher zu setzen … aber gerade der Shootout zu Beginn des Films ist trotzdem ungeheuer beeindruckend. Nicht zuletzt, weil man an einer Stelle einfach wirklich den Eindruck hat, dass man Bradley da beinahe gesprengt hätte. Das beeindruckt.
Ähnliches findet man in Greengrass‘ Bourne-Filmen. Der große Aufwand, Matt Damon möglichst intensiv und direkt in die Action einzubinden macht sich bezahlt und die Verfolgungsjagten wirken weitaus intensiver als das, was die Konkurrenz oft so bietet.

Doch kehrt man gedanklich mal wieder in die einfachere Realität der NoBudget-Filme zurück. Natürlich jagen wir keine Sprengsätze hoch, filmen keine blechreichen Verfolgungsjagten, aber es ist auch eine irrige Annahme, dass du das Stunts seien.
Irgendwo im Film hüpft einer der Darsteller elegant über einen Jägerzaun? Stunt.
Eine Treppe mit acht bis zehn Stufen wird mit zwei Sätzen genommen? Stunt.
Die betrogene Freundin ohrfeigt ihren Freund? Stunt.

Warum? All das sind Dinge, bei denen es zu Verletzungen kommen kann. Ja, selbst bei der Ohrfeige, denn wenn die gute Frau Ringe trägt, ist da schon relativ schnell etwas passiert. Und ihr wärt sicherlich nicht die ersten Amateurfilmer, die sich in diesem Moment schmerzlich feststellen, nicht vorbereitet zu sein.

Vorbereitung beginnt in diesem Falle aber eigentlich schon vor dem Dreh, bei der Prävention. Es ist nicht immer möglich, aber wo es geht, sollte man Stunts langsam und Stück für Stück durchgehen. Das haben wir bei Xoro auch etwa bei den Schwertkampfszenen so gemacht: Man beginnt wie in Zeitlupe und arbeitet sich dann langsam hoch.
Hier ist auch wichtig, dass auch die Darsteller ehrlich sind und anmerken, wenn ihnen etwas zu weit oder auch nur zu schnell geht. Nur wenn sie sich absolut sicher fühlen, kann das Unfallrisiko gering genug sein, dass ein Dreh wagbar ist. Und nur, wenn sie sich sicher genug fühlen, können sie nebenher auch noch die Konzentration aufbringen, ihre Rolle zu verkörpern, denn das sollte auch in den gewagteren Sequenzen konsistent sein.

Matt Damon nannte die Stunts der „Bourne“-Filme mal NAR, „no acting requiered“, aber auch hier sollte man Vorsicht walten lassen und seitens der Produktion auch einfach kritisch an die Sache herangehen: Geht keine unnötigen Risiken ein, sondern sucht lieber einen Tag länger nach einem Weg, das sicher über die Bühne zu bekommen. Wenn der Stunt so heftig ist, dass der Darsteller davon „mitgerissen“ wird, dann kratzt ihr vermutlich schon spürbar an der Grenze dessen, was sicher ist…

Und wenn dann doch mal etwas passiert?
Ein Auto-Rettungskasten kann hier schon mal wunder wirken. Natürlich ist es auch immer von Vorteil, jemanden am Set zu haben, der auch wirklich weiß, was er dann da tut, aber selbst der wäre ohne Kasten aufgeschmissen.
Fragt am Besten vorher mal nach, wer noch wie fit in lebensrettenden Sofortmaßnahmen ist, wer vielleicht sogar noch etwas mehr kann; der Zivildienst in Deutschland zahlt sich hier oft aus und man ist erstaunt, wieviele Leute im eigenen Bekanntenkreis zwar keinen Sanitäter ersetzen können, im Notfall aber wissen, was zu tun ist.

Film-Drehs sind auch immer eine Frage der Verantwortung. Die Kernbotschaft für heute ist aber einfach: Wenn ihr euch wissentlich entscheidet, euch über „Children, don‘t try this at home“ hinwegzusetzen, seid euch dessen bewusst und trefft alle nur erdenklichen Maßnahmen, damit nicht schiefgeht.
Denn hier geht es einmal mehr als nur um den Film, hier geht es um die Gesundheit von Cast und Crew. Und bei allem Spaß, den Stunts machen können (tun sie!): Obacht geben!

Nächstes Mal gibt es dann etwas in eigener Sache: Wir haben, wie unlängst geschrieben, Tobias Belter umbesetzen müssen, da Soeren weggezogen und daher nicht mehr verfügbar ist. Doch Ersatz ist gefunden … und genau den stelle ich euch kommendes Update dann mal vor.

Grüße,
Thomas

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