Der Film, der Xulu gewesen wäre

Die Straßen eines Eifeldorfs bei Nacht. Ein Wagen rast heran, ein Mann Anfang bis Mitte zwanzig springt heraus. Er hechtet auf den Eingang eines Hauses zu, die Tür ist jedoch nur angelehnt. Er rennt hinein in das Dunkel, ruft den Namen einer Frau … und ein Schemen kommt über ihn.
Schnitt.
Filmtitel.

So ungefähr hätte Xulu begonnen, wenn wir das Projekt nicht (vorerst) eingefroren hätten. Die Haupthandlung setzte an anderem Ort ein. Ein Student verlässt seine Unistadt, da er in die Eifel fahren wird, um dort für seine Abschlussarbeit in Geschichte vor Ort einige Recherchen anzustellen. In einer schönen Montage fährt er im Zug ins Nirgendwo, von Credits umgeben, um dann letztlich an einem furchtbar kargen Bahnhof anzukommen.
Sein Freund, der aus der Eifel kommt und der ihm bei der Arbeit helfen wollte, ist nicht da. Das überrascht den Zuschauer weniger, ist der besagte Freund doch der junge Mann vom Anfang, den Protagonisten aber umso mehr. Er recherchiert also munter drauf los, denn nicht nur der Bekannte ist verschwunden, auch dessen Freundin (der Frauenname, wir erinnern uns) ist verschwunden.

Der Film erzählt von dem Punkt an auf zwei Ebenen, was passiert ist. Einerseits in der Gegenwart, wie der Protagonist recherchiert, andererseits in Rückblenden, auch optisch sehr anders, was in den letzten Wochen im Dorf vorgefallen ist. Da er schneller recherchiert als Zeit vergeht holen die Rückblenden dabei langsam auf und beide Erzählstränge münden gemeinsam in einem packenden Finale. Da geht es um böse Hinterwäldlerkulte, Schläger, den Dorfbehinderten und einigen starken Tobak, von dem wir uns bis zum Ende nicht entscheiden konnten, ob wir uns trauen, so etwas zu filmen.

Warum also ist aus Xulu nie etwas geworden?
Nun, einerseits haben wir den Mittelteil der Handlung nie wirklich ans Laufen bekommen. Zwar wussten wie, was zwischen Anfang und Finale passieren muss, es waren keine logischen Schwierigkeiten; die Tücke lag vielmehr in der Dramaturgie, die sich einfach nicht so ganz aufspannen lassen wollte.
Dazu kamen diverse Umsetzungsschwierigkeiten. Wetter war ein essentieller Bestandteil der Geschichte und als solches natürlich bei einem Film von unserem Kaliber ein echtes Problem. Die Intensität dessen, was in dem Dorf wirklich vor sich ging war auch so ein Faktor, der es zumindest schwierig machte, sich eine konkrete Umsetzung wirklich vorzustellen. Und zuletzt, das muss man sagen, ging uns die Arbeit an dem wirklich düsteren Film irgendwann dann auch ernsthaft auf das Gemüt.

Wir entschieden uns also letztlich zu einer radikalen Umarbeitung. Néo und ich zogen uns aus der inhaltlichen Planungstruppe zurück, um die einfach auf eine werkfähige Größe zu schrumpfen und Markus, Matthias und Ralf kreierten, was jetzt auch auf Eis liegt: Verfluchte Eifel.
Einige Elemente (Städter reisen in die Eifel, Abschlussarbeit Geschichte, ein Teil der Ästhetik) blieben erhalten, vieles andere wurde neu gemacht. Genauso, wie wohl hin zum potentiellen Das Kreuz viel Wandel erfolgen wird.

Ich finde das Schicksal von Xulu nach wie vor sehr, sehr schade. Das ist eine Idee, in die ich vom ersten Gedanken an viel Herzblut gesteckt hatte. Wer weiß, vielleicht mache ich mal eine Novelle daraus, das könnte gut gehen. Oder wir verkaufen die Filmrechte für teures Geld 😉

Soviel für heute. Kommendes Mal möchte ich dann mit einem sehr nachhaltigen Mythos aufräumen, nämlich dem, dass man für Videobearbeitung Hi-End-Rechensysteme braucht.
Ist gelogen. Ehrlich. Seht ihr dann.
Viele Grüße,
Thomas

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