Vom Ende der großen Schnittsysteme

Morgen zusammen!

Nun ja, der Titel heute ist etwas reißerisch. Natürlich werden bei Multi-Millionen-Dollar-Filmen auch nach wie vor riesige Schnittanlagen zur Anwendung kommen, natürlich laufen gerade Spezialeffekt-reiche Filme durch diverse Anlagen, damit sie auf der Kinoleinwand mittlerweile eben den erwarteten Fotorealismus aufweisen können, aber zumindest eines ist passé: die Notwendigkeit dazu.

Rechts von mir unter dem Fernseher liegt etwa noch die DVD vom Director’s Cut von „Zodiac“. Sehenwerter Film und schöne Auflage, aber für uns vor allem wegen einer Sache interessant: David Fincher hat den Film auf einem (zugegebenermaßen hochgerüsteten) Mac Pro geschnitten. Mit mehr oder weniger exakt der gleichen Software, die man ganz legal im Laden kaufen kann.
Und selbst derartige High End-Geräte sind keine Notwendigkeit. Kevin Smith erzählt etwa im Making Of von „Clerks 2″, dass er den Rohschnitt des Films in den Nächten zwischen den Drehs auf seinem PowerBook angefertigt hat.
Das geht. Selbst bei Profis.
Warum also im NoBudget-Kreis einem Avid nachschmachten?

Fragen wir mal anders herum – worauf haben wir „Xoro“ geschnitten?
Der komplette Schnitt des Films, inklusive Grading und visueller Effekte, wurde auf einem alten Pentium III mit einem 1 Ghz-Prozessor und gerade mal 256 MB RAM angefertigt. Einzig die DVD wurde, nicht zuletzt weil ich einfach einen neuen Rechner hatte, auf einem iMac G5 mit gleicher RAM-Zahl zusammengefügt. Das ist dann auch der gleiche Rechner, den ich bis zuletzt für „Verfluchte Eifel“ verwendet habe und auf dem derzeit die Spezialeffekte für den drittel Teil unserer Fu Ma Chu-Trilogie entstehen.
Dazu kommt dann eigentlich nur noch mein altes iBook G4, das wir für diverse „Ich zeig dir mal, wie weit wir sind“-Arbeitsschritte verwendet haben.

Man sieht also, da ist wirklich keine High-End-Technik nötig – wenn sie natürlich auch schön zu haben ist. Was man allerdings braucht, das ist Festplattenplatz. „Xoro“ fing an auf einer internen 70 GB-Platte, hatte die aber binnen weniger Monate voll. Er erweiterte sich dann auf eine externe 250 GB-Festplatte und, als diese auch voll war, eine weitere 300 GB-Platte.
Für „Verfluchte Eifel“ kamen dann noch mal 500 GB dazu, die nach der Auf-Eis-Legung des Erstgenannten eben auch den Effekten des „Dr. Fu Man Chu“ eine Heimat bietet. Alles in allem eine ganze Menge Platz; insgesamt mittlerweile über ein Terrabyte.

Die gute Nachricht dabei ist aber, dass Festplatten mittlerweile auch nichts mehr kosten. 250 bis 300 GB sind bereits locker für unter 100 Euro zu haben – weniger als ein Drittel, als ich für die erste derartige Platte bei Xoro bezahlt habe.
Bei uns hat sich die Verwendung externer Festplatten (Firewire oder USB2, keinerfalls USB1, das ist zu langsam für Echtzeit-Arbeiten) bezahlt gemacht, da man so auch mal leichter andernorts an dem Film arbeiten kann. Sei es, dass man sich was mit in den Urlaub mitnehmen will, dass man einfach bei jemand anderem an der Schnittfassung arbeiten will oder aber, wie etwa bei uns, dass das Dubbing nicht im Schnittraum erfolgt.

Somit braucht man also, in der Kurzfassung, einen Prozessor beliebiger Leistung mit einer beliebigen Menge RAM – es gibt im Handel heute nichts mehr, was nicht prinzipiell ausreichen würde – und möglichst viel Festplattenplatz.
Klingt machbar, oder?

Und dann braucht man natürlich noch die Software.
Aber darauf kommen wir dann das nächste Mal wieder zu sprechen.
Viele Grüße bis dahin,
Thomas

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