Pars pro Toto in der Bildgestaltung

Hallo zusammen!

Dies ist der erste von insgesamt drei Beiträgen, die sich mit dem Thema „pars pro toto“ befassen. Das rührt in dieser Form einfach daher, dass dieser Begriff, der vor allem aus der Literaturwissenschaft stammt, im Grunde für drei verwandte, aber doch unterschiedliche Themenfelder bei Film verwendet wird.

„pars pro toto“, das ist Latein und meint, frei übersetzt, „einen Teil für das Ganze“. Es geht also darum, nur ein bestimmtes Element zu inszenieren und damit dem Zuschauer den Rest zu suggerieren. Das funktioniert deshalb so gut, weil der selber nachdenken muss, weil sein Verstand beginnt, Lücken zu füllen. Das Tolle daran, wenn der Verstand das übernimmt, ist nicht zuletzt, dass er das immer wohlmeinend tut. Das heißt: Was wir uns denken ist in der Regel besser als alles, was man uns zeigen könnte.
Darum sind Bücher beispielsweise auch oftmals besser darin, den Leser in die Handlung zu ziehen – die Optik ist dabei dann ganz ihm überlassen.

Wie aber nun nutzt man so ein „pars pro toto“?
Eine Möglichkeit ist die Verwendung in der Bildsprache, in der Bildgestaltung. Ein Beispiel dazu kennt jeder: Am Anfang von „Rückkehr der Jedi-Ritter“ tritt Darth Vader theatralisch die Rampe des Shuttles herunter, doch sieht man zunächst nur seine Füße. Jeder, der die ersten beiden Filme gesehen hatte, wusste, wer das ist. Die Szenerie, die Musik und nicht zuletzt einfach die „Kleidung“ machten das sofort klar. Aber man sah es eben nicht direkt. Man ahnte es zuerst.

Natürlich ist es eigentlich nicht das beste Beispiel, das man finden kann, immerhin schwenkt die Kamera noch in der selben Einstellung nach oben – aber es ist griffig und vermittelt die Idee durchaus recht gut.

Abzugrenzen ist dies übrigens von einer generischen Detailaufnahme. Wenn eine Figur ein Foto betrachtet und dann eine sehr nahe Aufnahme des Fotos erfolgt, ist dies kein „pars pro toto“. Wirf die Person aber einen Stapel Fotos ins Feuer und man sieht danach die Ecke eines einzelnen Fotos Blasen werfen und vergehen, dann schon.
Warum? Weil bei der einfach Betrachtung kein Akt der Suggestion vorliegt, bei dem zweiten aber schon – das eine Foto steht sinnbildlich für alle geworfenen Fotos und man muss nicht alle schwelen und vergehen sehen, um zu wissen, dass sie nun nicht mehr sind.

Kommendes Mal, in fünf Tagen denke ich, erweitern wir dann den Fokus etwas und schauen, wie ein „pars pro toto“ auf eine ganze Szene gesehen aussehen kann.

Viele Grüße,
Thomas

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s