Pars pro toto in der Erzählung: Die Montage

Hallo zusammen!

Willkommen zur letzten Runde von „pars pro toto“. Wir hatten es in der Bild- und der Szenengestaltung – doch man kann noch einen Schritt weiter gehen und es komplett als erzählendes Mittel nehmen.
Reden wir nicht lange um den heißen Brei, ein Beispiel: Stellen wir uns einen Film vor, der irgendeinen Regime-Umsturz inszeniert. Wir sehen marschierende Truppen, sehen vielleicht ein, zwei bekannte Gesichter aus dem Widerstand fallen, dunkle Musik und vermutlich viel sinnbildliche Eindrücke. Es wird nicht erzählt, oder erklärt, was genau passiert, aber die Zusammenstellung der Bilder und ihr Arrangement transportieren dem Zuschauer alle Informationen, die er braucht, um trotzdem die richtige Idee zu bekommen.

Bemerkt? Im Endeffekt ist das, wovon ich hier rede, eine Montage. Also eine sinngebende Zusammenstellung von Sinneseindrücken, die aus ihrem größeren Kontext herausgenommen worden sind – und damit eben auch „pars pro toto“ sind.

Eine klassische Form der Montage findet man oft in Action-Filmen, wo sie entweder Reise- oder Vorbereitungsszenen darstellen. Ganz klassisch ist da etwa die wundervolle Sequenz in Rocky 4, in der neben der Kernbotschaft „Beide Boxer trainieren wie die Blöden“ auch noch ganz klar ein Statement gemacht wird, wer hier der Gute ist. Rocky trainiert „down to earth“, am Boden der Tatsachen, der böse Russe dagegen wird mit Drogen und einer Art Trainingsindustrie in Form gebracht. Achtet auch mal auf die Jesus-Symbolik, wenn Rocky im Schnee einsinkt – unbezahlbar!

Ebenfalls klassisch ist die „Jetzt sind sie verliebt“-Sequenz, in der turtelnde Leute zu schnulziger Popmusik in Zeitlupe an Stränden entlang laufen. Ich erspare mir jetzt mal, dafür bei YouTube ein Beispiel zu suchen – phantastisch parodiert wurde das Mittel übrigens in einem der „Nackte Kanone“-Filme.

Wichtiger zu illustrieren allerdings ist mir noch, dass solche Kollagen auch durchaus komplexere Abläufe illustrieren können. „V for Vendetta“, die Verfilmung des gleichnamigen Comics von Alan Moore, bietet beispielsweise eine wundervolle Montage-Sequenz, die in diesem Kontext mehr sagt als tausend Worte.

Eine Sonderform dieser Kollagen ist übrigens der Trailer, der streng genommen auch nach dem gleichen Prinzip operiert. Grund genug, kommendes Mal einfach mal ganz unbefangen einen Blick auf die Manipulationswirkung von Trailer-Montagen zu werfen. Da habe ich ein sehr schönes Beispiel für.

Viele Grüße,
Thomas

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