Ein Lehrstück in Sachen Trailer

Hallo zusammen!

Das hat hier ja mal wieder lange genug gedauert, aber hier ist er, der versprochene Artikel zur Wirkungsweise von Trailern.

Wie ich schon das letzte Mal andeutete, operieren Trailer vor allem auf Basis von Annahmen und suggerierten Vermutungen. Das erreichen sie durch ausdrucksstarke Bilder – manchmal sogar gerade deshalb ausdrucksstark, weil sie aus ihrem Kontext gerissen wurden – und Musik.

Wie mächtig das ist, zeigt ein Trailer, der mittlerweile auch ohne dieses Blog viel die Runde gemacht hat, aber dennoch sehenswert ist:

Schauen wir einmal: Warum funktioniert das so gut? Am Ausgangsmaterial kann es ja nicht liegen, denn „The Shining“ ist einfach nicht so ein Film, wie der Trailer es nahe legt.
Zum Einen ist da die Musik, die nicht nur bestimmte Genre-Klischees bedient, sondern auch einfach einfach Gefühl von Frieden und Sicherheit bietet, das schon richtiggehend ein Gegensatz zu dem steht, was man im Film wirklich vorfindet.
Eine ganz zentrale Bedeutung haben aber natürlich auch die Slogans des Trailers. Die Art wie er vertont ist – unbeschwert, nicht zu dramatisch, gar nicht düster – transportieren ebenfalls ganz stark eine Erwartungshaltung an den Film. Mit sehr wenigen Worten werden Figuren charakterisiert und damit ebenfalls in ein ganz bestimmtes Licht gerückt. Seinfeld hat die Off-Kommentare amerikanischer Trailer mal wundervoll auf die Schippe genommen, aber damit auch viel Wahres gesagt.

Spannend daran ist: Echte Trailer operieren ganz exakt genauso.
Wenn man sich mal den Trailer zu einem aktuellen Familien-/Komödien-/Liebesfilm anschaut, da ist der Aufbau im Grunde genau identisch. Und am Ende glaubt man, eine Idee zu haben, wie der Film funktioniert und was einen erwartet, wenn man ins Kino geht. Würde man den Film schon kennen, würden die meisten Leute vermutlich nicht ins Kino gehen. Aber da sie glauben erkennen zu können, dass der Filme die eine oder andere Erwartungshaltung erfüllen wird, gehen sie dann. Es ist unbekannt, aber es ist nicht undurchschaubar.

Und mehr werde ich heute dich nicht lehren, junger Padawan.

Viele Grüße,
Thomas

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Ein Gedanke zu „Ein Lehrstück in Sachen Trailer

  1. Christoph

    Sehr hilfreich! 😉

    Mir ist in letzter Zeit aber aufgefallen, dass es bei einigen Filmen eine Tendenz gibt, statt kurzen, prägnanten Bildern wirklich den „halben“ Film zu zeigen – da sind die Kinotrailer schon mal ihre 3 bis 4 Minuten lang (z.B. beim „Sex and the City“-Film) und erzeugen, zumindest bei mir, eher den gegenteiligen Effekt – die Neugier schwindet, ich bekomme das Gefühl, die interessantesten Szenen und lustigsten Dialogpassagen bereits gesehen zu haben (bei dem genannten Film sollte ich Recht behalten haben). Deswegen darf ein Trailer auch nicht zu lang sein und sollte vage bleiben, finde ich.

    Auch ein interessantes Phänomen (gibt’s zumindest in der Umgebung Koblenz im Kino): Trailer, die vor dem eigentlichen Trailerblock und vor der Werbung im Kino gezeigt werden (meistens deutsche Filme) – Vorhang geht auf, Trailer geht los. Da das dann wirklich bei jedem Film geschieht, ganz unabhängig von dessen Genre, kann es beim fleißigen Kinogänger auch eher den gegenteiligen Effekt haben. Wenn ich zählen müsste, wie oft ich den Trailer von „Die wilden Hühner“ schon gesehen habe…

    Gruß

    Antwort

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