Eifelareas gute Ratschläge 4: Gott ist dein Beleuchter

Hallo zusammen!

Es sind nur vier Worte von Stu Maschwitz, aber sie sind sehr wahr. Er schreibt „God dis your gaffer“, also „Gott ist dein Beleuchter“.
Wenn es irgendetwas gibt, was beim Film viel Zeit frisst, dann ist es die Beleuchtung. Es ist ja oft zitiert und parodiert, dass Dinge, die echt sind, nachher im Film nicht echt aussehen – und das ist nur umso wahrer, wenn es das Licht in einer Szene geht.

Verfluchte Eifel: Eine Szene vom Anfang

Nebenstehend ist ein Screenshot aus einer der nicht verwendeten Szenen aus dem gescheiterten Verfluchte Eifel. Wir hatten das Glück, in einer echten Kirche bei Nacht drehen zu wollen – doch sollte die Szene zugleich geheimnisvoll und mysteriös wirken. Wir haben einen immensen Aufwand betrieben, um die Location auszuleuchten und ich denke, das Ergebnis war durchaus auch der Mühen Lohn. Vor allem die unterschiedlichen Lichtfarben, einmal orange durch Kerzen (außerhalb des Bildes) auf den französischen Soldaten Louis Reno und nachtblau im Rest der Kirche, kommen schön zur Geltung.
Also doch eigentlich alles super, oder?

Ja, fast. Die Eifelarea Film geht ja, genauso wie ich privat, vor allem von Arbeiten im NoBudget-Bereich aus. Da fehlt es vor allem an Equipment und in gewisser Weise auch an Zeit – denn Zeit kauft man zwar nicht wie „die Großen“ es machen mit Geld, aber man bezahlt sie ab vom Wohlwollen der Helfer.
Die Szene, aus der auch der obige Shot stammt, läuft im Rohschnitt ungefähr 40 Sekunden und umfasst genau fünf verschiedene Einstellungen. Gedreht haben wir daran die ganze Nacht. Ich denke, das macht das Problem schon deutlicher.

Das Problem an künstlichem Licht ist, dass man es im Endeffekt fast für jede Einstellung umbauen muss, justieren, anpassen oder wenigstens kontrollieren. Das ist ein immenser Zeitfresser. Schlimmer noch: Es ist eine Phase. In der nur sehr wenige Leute etwas tun können und sich alle anderen am Set langweilen. Und Langeweile ist zweifelsohne etwas, was die Arbeitsfreude schneller untergräbt als eine Wühlmaus ein Gemüsebeet.

Ein Negativbeispiel: Der größte Inszenierungs-Unfall aus Xoro (deleted scene!)

Nun ist es bei Innendrehs fast unumgänglich, mit künstlichem Licht zu arbeiten. Eine mit sehr gutem Grund neu gedrehte und umgearbeitete Szene aus Xoro zeigt als Bild nebenstehend alles auf, was passiert und was das Bild versaut, wenn man es nicht macht.

Aber draußen ist die Sache anders. Am Himmel kreist ein riesiger Beleuchtungsballon namens Sonne und dreht relativ zuverlässig Tag ein, Tag aus seine Bahnen. Natürlich wäre das Licht schnieker, wenn man es kontrollieren könnte. Man muss schauen, dass man nicht zu viel gegen die Sonne dreht (das sog. „Gegenlicht“ erzeugt diese wie Silhouetten anmutenden Bilder, die können schön sein, aber nicht immer), außerdem kann ein langer Drehtag durch den anderen Sonnestand zu garstigen Anschlussfehlern führen.
Die Kunst ist es, die Stärken der Sonne auszuspielen und die Schwächen zu umgehen. Aber das kann man lernen. Ein Blick auf die Karte sagt einem, wo Osten und wo Westen liegt. Das sichert einem schon mal einen groben Überblick, was den Tag über passieren wird. Und dann gilt es einfach mit einem wachen Auge zu schauen, immer mal die Sonne zu beobachten und dann einfach, ganz wie man auch bei den Darstellern auf den einen, richtigen Tage wartet, zuzugreifen, wenn die Sonne einem vielleicht noch ein kleines Highlight bietet.

Die Xoro-Szene haben wir dann auch draußen nachgedreht. Bei Tag in der Sonne; der Nacht-Effekt wurde dann einfach durch ein Spiel mit der Blende erreicht.
Und Verfluchte Eifel gibt es ja bekanntermaßen mittlerweile zu lesen.

Man muss dazu sagen, dass Maschwitz in Kalifornien dreht. „Sein“ sonniger Beleuchter ist erheblich weniger zickig als unserer; wer wüsste das besser als wir, die wir in der Eifel drehen, der Region, die Hemingway mal „Preußisch Sibirien“ nannte.
Aber ich denke, die Beleuchtung ist davon einfach nicht weniger betroffen als jeder andere Schritt der Produktion aus. 90% Chance auf einen wolkenlosen Himmel macht einem das Leben natürlich leichter als 80% Niederschlagswahrscheinlichkeit – aber das würde es auch, wenn man Scheinwerfer aufstellt.

Die Sonne gibt es umsonst, sie arbeitet recht zuverlässig und die Qualität stimmt in der Regel auch absolut.
Und darum ist Gott unser Beleuchter.

Viele Grüße,
Thomas

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