Eifelareas gute Ratschläge 5: Der Ton kommt später

Hallo zusammen!

Was ist es, woran 85% der Amateur-, NoBudget- und Fan-Filme bis heute kranken? Ist es das Bild, die Spezialeffekte oder gar die Schauspieler? Nein, nicht im Geringsten.
Moderne Kameras sind gut bis hervorragend, selbst in niedrigeren Preis-Bereichen und gute Software, um das entsprechend später zu bearbeiten gibt es ebenfalls nicht nur wie Sand am Meer, sondern auch noch zu guten Preisen.
Und wie ich immer wieder gerne sage: Es ist gar nicht so schwer, passable Schauspieler zu finden. Sicher, es ist schwer, hervorragende Schauspieler zu finden – aber ganz ehrlich, die haben viele teure Filmproduktionen ebenfalls nicht im Programm.

Was aber alle professionellen, modernen Filme haben, woran es aber oft bei Hobby-Projekten krankt, das ist der Ton. Ich weiß selber nicht so genau woran das liegt, dass sich oftmals auf zehn wirklich begabte Leute, die mit Bildern – und hier meine ich vom Schnitt bis zu den Spezialeffekten – arbeiten können, oft maximal einer kommt, der Spaß an Ton hat. Aber es ist leider so wahr wie fatal.
Ich habe ja in der Vergangenheit schon viel darüber geschrieben, warum der Ton vom Set oftmals Mist ist. An Camcordern sind fast immer bestenfalls mittelprächtige, meist minderwertige Mikrofone verbraucht und die übleren Vertreter ihrer Art sind auch noch an ungünstigen Stellen angebracht, etwa oben auf dem Gerät und ja jeden Atemzug des Kameramannes zu erhaschen oder aber so nah am Motor, dass das Abspielgeräusch des DV-Bandes zu hören ist.

Was machen also Profis anders?
Eine Variante ist die so genannte Ton-Angel. Eine lange Stange, an deren Ende ein Mikrofon hängt, um zielgerichtet den Ton von den Darstellern abzugreifen. Aber auch hier fallen mir spontan eine ganze Menge Fallstricke ein. Von dem wörtlichen Sinne – das Kabel der Angel ist eine tolle Fußfalle – abgesehen wären da hohe Kosten für ein gutes Mikrofon und ein gutes, weil abgeschirmtes Kabel, zusätzliche Helfer am Set und die Notwendigkeit eines guten Mischpultes zu nennen.
Wir haben es bei Verfluchte Eifel seinerzeit versucht, wie das nebenstehende Bild zeigt, aber die Versuche waren über weite Strecken auch nicht gerade von Erfolg gekrönt.

Dazu kommt, dass selbst ein gutes Mikrofon an einer Stange zwar viele, aber nicht alle Probleme beseitigen kann. Wind etwa ist und bleibt der ewige Feind des guten Tones und wenn nachher die dramatische Szene zweier Liebender im Herbststurm rauscht wie die Aufnahmen eines Urlaubsvideos, das oben auf einem Deich im Herbsturlaub gemacht wurde, dann verliert es seine Wirkung blitzartig.

Eine Lösung davon nennt sich im Jargon „Katze“ und ist dieser ulkige Fellpuschel, der oftmals bei TV-Berichten auf dem Mikro zu sehen ist. Aber auch den muss man ja erst mal haben.

Wir bei Eifelarea sind mittlerweile große, bekennende Fans der Nachvertonung. Dafür braucht man nur ein halbwegs akzeptables Mikro und einen Raum, der möglichst nicht zu sehr hallt.
Natürlich muss man dabei ein wenig darauf achten, dass die Texte halbwegs Lippensynchron sind – aber hier kommt es uns einmal entgegen, deutschsprachig zu sein. Anders als die meisten anderen Länder der Erde erscheint nahezu alles in Deutschland mit einer übersetzten Tonspur – und daher sind wird wesentlich weniger daran gewöhnt, dass die Bewegungen der Lippen mit dem Ton überein stimmen.

Nur einen Fallstrick sollte man dabei vermeiden: Wenn man eine Szene nachvertont, dann die ganze Szene und nicht nur einzelne Sätze – denn sonst stechen diese Sätze störend heraus.
Wer Lust hat, sich das mal als Negativ-Beispiel anzuschauen und Zugriff auf eine O-Ton-Fassung von „Star Wars Episode IV“ hat, sollte sich mal das Gespräch zwischen Han und Leia anhören, nachdem man vom Todesstern entkommen konnte (wer die DVD hat: Da müsste es Kapitel 40 sein). Wenn die Kamera sich plötzlich (hart an der Bildachse rüttelnd) hinter Han und Leia begibt, ist ihr nächster Satz eindeutig in einer ganz anderen Klangumgebung entstanden als ihre anderen Dialogzeilen oder Hans Texte.

Also zwei Faustregeln in der Kurzfassung:
1. Man kommt mit einem mittelprächtigen Bild davon, aber schlechter Ton ist der Tod des Films.
2. Der verlässlichste Weg zu gutem Ton ist die Nachvertonung.

Klingt dogmatisch, ist aber nur aus vielen, schmerzvollen Erfahrungen der Vergangenheit heraus gelernt worden.

Viele Grüße,
Thomas

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