Eifelareas gute Ratschläge 6: Filme, was du hast (und nicht was du gerne hättest)

Hallo zusammen!

Vielleicht kennt ihr das ja auch: Man guckt einen Film auf dem No- oder vielleicht Low-Budget-Bereich, denkt sich selber noch, was für ein gutes Beispiel es ist dafür, was man alles erreichen kann, selbst wenn das eigene Etat nicht mal für den Sprudel einer Drehwoche am Set von Avatar reichen würde, bringt das auch zur Sprache und erntet dann doch nur Skepsis dafür.
Klar, dass das bei denen so gut aussieht, denn die haben ja auch einen Bekannten mit einem Green-Screen-Setup.
Klar, dass das bei denen so gut klingt, einer von denen hat ja Zugang zu einem Tonstudio.
Etc.

Ich habe derartige Gespräche, auch mit wildfremden Menschen auf Messen, schon diverse Male geführt und ich weiß aus Erfahrung zu sagen, dass es in erster Linie einfach ein Fall von „Das Gras ist woanders immer grüner“ ist.
Was ich damit meine? Ein gut gemachter und erfolgreich umgesetzter Film schafft immer, unabhängig von seinem Budget, die Illusion, dass er im Endeffekt mehr zur Verfügung hatte, als es in Wirklichkeit der Fall war. Oftmals wirken Low-Budget-Filme ja auch deshalb nicht schlecht, weil sie wenig Budget hatten, sondern weil eben diese Illusion ihren Zweck verfehlt hat und man eben sieht, dass da an allen Ecken und Enden eingespart werden musste.

Ein Beispiel:
Die „Punisher“-Verfilmung von 2004 kann natürlich in Frage gestellt werden ob ihrer Treue zur Vorlage oder filmischen Qualitäten allgemein, ich persönlich mag den Film durchaus. Was er aber in keinem Fall tut, ist billig wirken. Und das, obwohl er mit einem irrsinnig geringen Budget von 15,5 Millionen Dollar gedreht worden ist. Ein Jahr danach ist für 500.000 Dollar weniger ein anderer Film entstanden: „Dungeons and Dragons: Wrath of the Dragon God“.
Ich denke, es ist offenkundig, welcher Film mehr aus seinem Geld herausholen konnte. Es ist, einmal mehr, die Sache mit dem „Production Value“ – ein Film muss nicht „wertig“ sein, aber er muss so aussehen.

Aber kommen wir zur kleinen Perspektive zurück, dem eigenen Film. Vermutlich liegt das Budget dort eher bei 15-150€, aber der Trick ist im Endeffekt der gleiche.
Jeder hat etwas in seinem Umfeld, was cool ist. Jeder.
Vielleicht fährt die Schwester ein cooles Cabrio, das man perfekt für seinen Agentenfilm einsetzt, vielleicht ist ein Kumpel Feuerspucker oder man eine Bekannte, die gut tanzen kann. Vielleicht wohnt ein Bekannter in einem Hochhausblock, der geradezu danach verlangt, von Zombies überrannt zu werden und vielleicht hat ein anderer genau die Schiffschaukel in seinem Garten stehen, die man für den romantischen Dialog bei Abendstimmung braucht.
Jeder hat etwas Cooles. Die hohe Kunst, und das ist gar nicht einfach, ist es, diese Elemente, die den Film besser machen können, auch zu identifizieren.

Einmal bekam ich nach einem Vortrag zu dem Thema die Rückmeldung, das sei ja alles schön und gut, aber das wäre dann ja auch direkt eine massive Einschränkung der kreativen Freiheit. So könne man ja keine Filme drehen.
Die bittere Wahrheit ist: So werden fast alle Filme gedreht.
Klar, Wolfgang Petersen kann auch mal die Stadtmauer von Troja bauen lassen – bzw. mehrfach, wenn ein Sturm das Set verwüstet. Aber warum hat Kevin Smith seinen Film „Clerks“ wohl in dem Laden gedreht, in dem er spielt? Richtig, weil er ihn hatte.

Ich verwies in diesem Blog ja mal auf „IMPS: the Relentless“, einen sehr aufwendig produzierten Fanfilm aus dem Star Wars-Universum. Der wäre auch nicht so gut möglich gewesen, wenn die Macher nicht Amerika-weit Kontakt zu Leuten gesammelt hätten, die ihrerseits eigene Sturmtruppen-Uniformen besitzen.

Daher ist der große Tipp für diesen Monat: Schaut, was ihr habt. Schaut, was davon cool ist und was vielleicht etwas ist, das zwar für euch selbstverständlich scheint, aber bei dem sich andere später fragen werden „Wie haben die das gemacht?“
Und dann denkt daran, wenn ihr euer Drehbuch schreibt.

Viele Grüße,
Thomas

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