Eifelareas gute Ratschläge 8: Wenn die Kamera in die Schlucht stürzt

Hallo zusammen!

Jeder, der schon länger im Bereich Film aktiv ist – und da ist es vollkommen egal, ob nun No-, Lo- oder High-Budget – kommt eines Tages zu der Erkenntnis, dass ganz egal, wie gut man sich vorbereitet und wie narrensicher die ganze Planung scheint, dass dennoch letztlich irgendetwas garantiert schief gehen wird. Garantiert.
Aus unserer Erfahrung wären da zu nennen: Katastrophale Wolkenbrüche, Bänder die nach einem bombastischen Drehtag nicht mehr funktionieren, Darsteller die aus externen Gründen kurzfristig absagen müssen, Kern-Requisiten, die schlichtweg nicht am Set vorhanden sind, krankheitsbedingte Ausfälle und nicht richtig funktionierende On-Set-Effekte. Und mehr.

Aus dem Xoro-Fundus: Dort hinten, zwischen den Felsen, hätte der Ninja-Überfall gedreht werden sollen. Dann kam der Regen... (Alte Analog-Fotografie!)

Nun haben die obigen Beispiele aber im Grunde zwei Kategorien: Wenn etwa einige Tage vor dem Dreh eine Darstellerin oder ein Darsteller krankheitsbedingt absagt und so ein Dreh nicht stattfinden kann (so etwa bei Hilde bisher ein Mal geschehene), dann ist das sehr ärgerlich, aber dann kommt die Operation an dem Tag halt gar nicht ans Rollen.
Wenn aber am Set etwas pauschal nicht funktionieren will oder, noch schlimmer eigentlich, nach einem hervorragend gelaufenen Dreh daheim bemerkt wird, dass etwas kolossal nicht funktioniert hat, dann kommt man schnell ins Schleudern.
Und, ich sage mal ganz untergangs-prophetisch, das wird passieren, entweder früher oder später.

Was dann in Folge passiert, das ist es, woran ihr effektiv festmachen könnt, wie sehr ihr euch selber als Profi fühlen könnt. Ein Filmemacher mit einer RED One ist nicht automatisch ein guter Filmemacher, sondern er ist in erster Linie erst mal ein Typ mit einer RED One. Ein Profi ist kein Profi, weil er das geilste Equipment der Welt hat. Ein Profi ist Profi, weil er seinen Drehtag retten kann, auch wenn das geilste Equipment der Welt gerade kaputt gegangen ist.

Ein Profi ist ein Profi, nicht weil er den schönsten Drehort aller Zeiten hat, sondern weil er eine Idee hat, was er tun kann, wenn er am Morgen des Drehs feststellt, dass sein Drehort in der Nacht abgebrannt ist.

Nicht immer lassen sich ad hoc Probleme lösen. Im Urlaub erzählte ich Xoro-Regisseur Matthias noch, dass ich im Jahr 2010 insgesamt drei SD-Karten aufgrund technischer Defekte durchgejagt hätte. Lina, Hildes „Lyta“, fragte was man denn dann machen würde. Unser beider Antwort war: Improvisieren.
Als wir bei Xoro den zuvor erwähnten Bandausfall hatten und effektiv 50% unserer Aufnahmen von dem ursprünglich als ein Drehtag geplanten Endkampf des Filmes verloren waren, mussten wir halt einen neuen Drehtag ansetzen und nachdrehen. Wir schafften es effektiv, das jeweils mit anderen Drehs an der Location zu verknüpfen (etwa der Wald, durch den der Ninja läuft – der ist keine fünf Minuten von dort entfernt) und konnten somit eine zu große Explosion des Drehaufwands verhindern.
Als unser Lager-Platz für den nächtlichen Überfall im gleichen Film durch Regenfälle einfach weg war, haben wir einen neuen gesucht. Aber andererseits haben wir ja auch bekanntermaßen unsere größte Niederlage erlitten, als wir nach drei Ausfällen bei der Besetzung der männlichen Hauptrolle in Verfluchte Eifel letztlich das Handtuch geworfen haben.
Ich will da konsequent sein und sage: Für das Projekt waren wir damals auch einfach nicht gerüstet.

Zusammengefasst will ich diesen Artikel aber noch einmal in der wunderbaren Losung ausdrücken, die ich mir von Matthias entliehen habe:
Ein Profi ist kein Profi, weil er unter optimalen Bedingungen phantastisches Material produziert, sondern er ist ein Profi, weil er unter schrecklichen Bedingungen noch immer gutes Material produziert.

Viele Grüße,
Thomas

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