Zwei spezielle Fremdtipps: Kickassia und Suburban Knights

Hallo zusammen!

Achtung: Trash!

Heute möchte ich auf zwei ganz, ganz besondere Filmprojekte hinweisen, muss allerdings ein bisschen weiter ausholen um zu erklären, warum ich die bemerkenswert finde. Denn anders als viele andere Projekte, auf die ich hier schon verwies, liegt es bei denen eigentlich weniger am filmischen Können selbst. Nein, ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und hier von filmisch guten Werken sprechen. Dennoch haben sie ihre Empfehlung verdient.

Beide Filme sind von der gleichen Truppe. Diese Truppe ist eigentlich ein Geschwader von Video-Rezensenten in irgendeiner Form. Unter dem Label „That Guy With the Glasses“ haben die sich mit der Zeit offenbar gefunden, ihre gemeinsame Leidenschaft gepoolt und dadurch eine komplette Plattform geschaffen, die offenbar sogar genug Werbegelder abwirft, dass einige von ihnen vom Video-Rezensieren leben können.
Interessant ist daran schon alleine, dass die ganzen „Rezensenten“ selber Figuren sind. Es handelt sich demnach nicht einfach nur um Filmkritiken, sondern vielmehr um Kritiken, die zwar vielleicht die Meinung der Macher transportieren – aber das immer in ein fiktionales Gefüge gehüllt. Das ist dann auch echt mal gelebte Internet-Kultur.

Zentrale Figuren sind unter anderem der „Nostalgia Critic“, der auch vom Serienvater Doug Walker verkörpert wird, sein von Lindsay Ellis weibliches Pendant, das „Nostalgia Chick“, sowie Noah Antwiler unter dem „Spoony“, den ich hier auch schon mal im Kontext von „Einer gegen das Imperium“ verlinkt hatte.
Das ist alles eigentlich eine ganze Reihe von Postings wert, aber dazu dann ein anderes Mal mehr. Wichtig ist aber noch: Es sind noch deutlich, deutlich mehr Leute mit dem Gesamtprojekt verwoben.

Dieses Gesamtgebilde, firmentechnisch als „Channel Awesome“ laufend, hat ab seinem zweiten Jahr begonnen, richtige Spielfilme zu produzieren. Es gab schon ein Special zum ersten Jubiläum, aber der Maßstab ist mit dem zweiten Film erheblich gestiegen und hat letztlich zu „Kickassia“ geführt.
In Amerika gibt es tatsächlich ein Gebiet in Nevada, das sich selbst zur „Republik von Molossia“ erklärt hat. Das wird, soweit ich das sehe, toleriert bzw. als Tourismusattraktion verstanden, jedenfalls aber nicht geahndet. Letztlich beläuft sich die Bevölkerungszahl der selbsternannten Mikronation auf 12, ihr Land auf nicht mal ganz sechs Hektar. Dennoch, so weit, so tatsächlich wahr.
Der Plot von „Kickassia“ nun ist der, dass der Nostalgia Critic seine ganzen Rezensenten um sich schart, um Molossia zu erobern und dort ihr neues Land, Kickassia zu errichten. Was darauf folgt sind zwei Stunden Klamauk, der beschreibt, wie sie das Land erobern, dann aber letztlich an der inneren Zerrissenheit ihrer Gruppe zu scheitern drohen.

Bevor ich darauf eingehe, warum ich den „Quatsch“ hier verlinke, kurz noch ein paar Worte zum diesjährigen Special „Suburban Knights“. Wieder ruft der Critic seine „getreue Schar“ zu sich. Ein Rollenspieler ist verschollen, während er offenbar im wahren Leben auf der Suche nach einem magischen Artefakt war, das sich „Malachite’s Hand“ nennt. Er hat allerdings eine Schatzkarte hinterlassen und der Critic will eben jenen Schatz finden.
Bedingung ist aber, dass sich alle Beteiligten in eine Fantasy-Rolle versetzen, um die gelegten Spuren richtig identifizieren zu können. Und so verkleiden sie sich unter anderem als Link, Gandalf, Arwen, Indiana Jones oder auch „Jeremy Irons im Dungeons & Dragons-Film“ und schicken sich halt an, dieser Queste zu folgen. Wieder mit viel Klamauk, sehr vielen Insidern und über zwei Stunden hinweg.

Fangen wir mit einem wichtigen Kommentar an: Diese Filme sind quasi das, was auch unsere „Heuler“ sind. Also unsere Kurzfilme wie Texas Tom oder JB4, die großteilig derzeit auch nicht im Netz sind, aber mal aufbereitet werden sollen, sowie Zeit da ist.
Inwiefern? Die Handlung ist mehr als sekundär zum Plot, die Ausstattung erhebt an keinem Anspruch, so etwas wie die Illusion von Realität aufkommen zu lassen und die Darsteller betreiben das schlimmste Overacting diesseitig von Nicolas Cages schwärzesten Tagen.
Warum also?

Nun, zunächst einmal genau darum. Diese Filme verkörpern zum Teil exakt die Geisteshaltung, aus der heraus wir hier funktionieren. Es sind Filme, weil es Spaß macht, Filme zu drehen. Es sind Filme, die einfach zwei Stunden lang gut Unterhalten wollen – wohl wissend, dass man nicht per se gute Unterhaltung braucht, um gut unterhalten zu sein.

Aber mehr noch fasziniert mich persönlich eigentlich – und Achtung, Geisteswissenschaft voraus – die Meta-Ebene der Filme. Es vergeht im Grunde keine Szene, in der nicht andere Filme parodiert werden. Mehr noch, oftmals basieren diese Parodien wiederum auf einem Kontext, den die regulären Rezensionen der Seite mit gelegt haben. Das macht zugegebenermaßen einen Quereinstieg etwas verwirrender, aber wer dem „Channel Awesome“-Programm folgt, kriegt hier ein gutes Stück „Community“-Gefühl geboten. Was ja auch voll im Sinne unserer ideale, der kleinen, aber mit Enthusiasmus gedrehten NoBudget-Filme ist.
Es wird aber ja sogar noch schlimmer. Einen guten Teil der Handlung bestreitet der Nostalgia Critic in einem an den Street Fighter-Film angelehnten M.Bison-Kostüm. Es spielt also Doug Walker den Critic, der wiederum die Klischeerolle eines Film-Diktators verkörpert. Und irgendwie ist das schon reizvoll.

Das, was die Filme letztlich für mich ausmacht, ist die Liebe zu ihrem Medium. Die Liebe zu Filmen, aber auch die Liebe zu Internet-Sketch-Videos gleichermaßen. Beides sehr gekonnt, und dabei gekonnt dilettantisch umgesetzt.
Man kommt beim Zuschauen nicht immer um das Fremdschämen herum. Nein, eigentlich gibt es sogar ziemlich viel davon.
Aber mancher von uns bei Eifelarea Film hat sich durch die zumeist in 15-20 Minuten mundgerecht zerteilten Blöcke geschaut und ich denke Spaß hatten wir schon irgendwie.
Aber schlagt mich nicht, wenn ihr keinen Zugang dazu finden solltet, ich habe euch gewarnt. Mehr zu „Channel Awesome“ gibt es dann noch mal zu einem späteren Zeitpunkt.

Viele Grüße,
Thomas

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