Eifelareas gute Ratschläge 11: CGI Miamia

Eisig wehte der Wind über die kleine, grasbewachsene Anhöhe. Die Wolken zogen über ihnen dahin als lieferten sie sich ein Rennen und die tiefstehende Sonne warf gelbes Licht auf die weiten Felder.
Der Kameramann stöhnte auf bei dem Blick durch das Objektiv.
„Der Shot ist super so, tolles Setting, Tiefenschärfe ist stimmig. Aber da hinten, auf dem Hügel, die Windräder, die werden nachher im Bild sein.“
Ein Stöhnen ging durch die Crew. Das würde den gesamten Drehtag vor Probleme stellen. Langsam stand der Postproduzent auf, zog seine Sonnenbrille aus und schaute gewitzt zu den anderen.
„Das machen wir digital“, sagte er. Und setzte die Brille wieder auf.

Hallo zusammen!

Okay, zugegeben, zur Hälfte heißt dieser Eintrag nur so, um die Anspielung auf den Titel „CSI Miami“ machen zu können, denn um Miami wird’s hier heute gar nicht gehen. Wohl aber um CGI.

„Computer generated images“, also kurz CGI, sind ja schon seit mehr als einem Jahrzehnt gewissermaßen die Grundlage nahezu aller moderner Effektarbeit. Auch im No-Budget-Filmbereich spielt es eine immer größere Rolle, macht es doch gerade auch Effekte aus den Kategorien möglich, die früher ohne großes Geld niemals denkbar gewesen wären – ob jetzt Matte Paintings oder Raumschiffe, die man früher noch als Modelle hätte bauen müssen.
Und natürlich ist CGI auch sonst an vielen Orten im Einsatz, wo man es gar nicht erahnen mag. Im weitesten Sinne fällt dann eben doch auch gerade eine Serie wie „CSI Miami“ in die Beispielliste, ob nun offensichtlich wie in den oftmals computergenerierten Ultra-Detailaufnahmen, oder aber auch einfach insgesamt in der Verstärkung des brennenden, gelben, grellen, heißen Looks des Serien-Ablegers.

Doch eine Sache verraten einem die meisten Leute nicht: CGI mag oftmals auf den ersten Blick kostengünstig sein, aber es ist dabei auch immer zeitintensiv. Ich weiß wovon ich da rede, hab ich doch während der Arbeiten an Xoro unzählige Hintergründe teilweise von Hand neu geformt, um Windräder, Getreidesilos, LKWs, Flugzeuge und Crewmitglieder zu entfernen. Eine Arbeit, die bei Hilde in weiten Teilen ganz entfällt, da wir unsere Drehorte mit größerer Bedacht ausgewählt haben.

Und daher ist mein guter Ratschlag auch nicht, wie vielleicht eingangs vermutet, dass man Szenen schon immer noch irgendwie am Computer wird retten können – sondern das Gegenteil: Greift nur dann zu CGI, wenn es unausweichlich nötig ist.
Das gilt gleichermaßen für Kosmetik wie hier in dem Beispiel, in dem halt Gegenstände der Moderne verschwinden mussten, um dem phantastischen Setting des Barbarenfilms gerecht zu werden. Aber auch bei expliziten Effekten sollte man sich immer fragen, ob es nicht vielleicht auch am Set geht.
So kommt es etwa auch, dass wir Morolds Kiste letztlich als Pyro-Effekt realisiert haben und nicht, wie in der ersten Planungsphase angedacht, auf digitalen Rauch zurückgegriffen haben.

CGI ist eine tolle Sache. Sie macht Filme möglich, die ohne den Einfluss von Computern völlig undenkbar gewesen sind, gerade auf dem NoBudget-Sektor. Aber oftmals wird gerade noch am Set übersehen, wie unglaublich viel Arbeit doch in diese Nachbearbeitungen dann nachher doch investiert werden muss.
Und deutlich mehr als nur eine Hand voll NoBudget-Filme haben ihre Drehphase unbeschadet überstanden, sind dann aber in der Postproduktion verstorben, weil die Arbeit, die man sich vorher unnötig aufgehalst hatte, ein Ausmaß erreichte, dem die Macher nicht mehr Herr werden konnten.

Daher unser guter Ratschlag: Wenn es irgendwie analog machbar ist, Pfoten weg vom CGI.

Viele Grüße,
Thomas

PS: Lange war es versprochen, nun ist es endlich soweit und „Eifelareas gute Ratschläge“ gehen in die zweite Runde. Die ersten zehn Beiträge zum Thema findet ihr hier im Blog; wenn alles klappt, gibt es den Nachschub jetzt wieder immer pünktlich zum Monatsanfang.

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