Eifelareas gute Ratschläge 11: Film ist kein Theater

Hallo zusammen!

Oftmals kann man lesen, dass für den budgetlosen Filmemacher das Theater eine gute Quelle für geübte Schauspieler darstellt, die bereit sind für Ruhm und Ehre allein an einem Film mitzuwirken. Das hab ich selber auch schon mehrfach geschrieben, ob nun hier oder in Einfach Filme machen, doch einen wichtigen Zusatzhinweis vergessen eigentlich alle immer zu geben: Film ist kein Theater.

Schauen wir kurz, was ich meine: Selbst bei einer kleinen Bühne sitzt der Zuschauer in der ersten Reihe vermutlich mehrere Meter von der Szenerie und damit den Schauspielern entfernt. Mehr noch, das „Bild“ im Theater wird naturgemäß immer in der Totalen präsentiert. Klar, oder?
Das bedeutet, dass Zuschauer in der letzten Reihe sogar auch mal ein Dutzend oder mehr Meter von der Bühne entfernt sitzen. Und dennoch sollen ja auch diese eine Chance haben, in den Genuss dessen zu kommen, was sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, abspielt. Daraus sind im Bereich Theater gleich eine ganze Reihe Konventionen entstanden, die man aus seinem Film lieber heraushalten will.

Bühnen-Make-Up

Habt ihr schon mal die Chance gehabt, mit den Schauspielern zu sprechen, wenn die gerade von der Bühne kommen? Wenn ja, dann werdet ihr vermutlich gemerkt haben, dass Bühnen-Make-Up dazu neigt, die Farben im Gesicht von Vampira im Vergleich als subtil nuancierte Schatten einzustufen. Das dient – nach der Vorrede sollte es klar sein – dazu, auch im grellen Bühnenlicht bis in die letzte Reihe hinein akzentuierte Gesichtszüge aufbieten zu können.
Natürlich ist das nützlich, aber nicht, wenn eure Film-Kamera statt 5 Meter nur 50cm von dem Gesicht entfernt steht. Solltet ihr also mit Theaterleuten zusammenarbeiten und diese anbieten, sich auch selber zu schminken … fragt mal nach.

Mimik und Gestik

Im Grunde gilt hier das gleiche Argument – wenn der Theaterzuschauer in der letzten Reihe dem Schauspieler im Gesicht die Trauer ansehen soll, muss der – sieht man es von Nahem – eine ziemliche Fratze ziehen. Was dann im Film bestenfalls an die Stummfilme der frühen 20er Jahre erinnert. Und die sind zwar wertvoll und teilweise erstaunlich gut, aber nicht gerade in diesem Punkt.

Stimmmodulation

Stimmmodulation (nur echt mit den drei ‚m’) ist in diesem Kontext vor allem ein schlaues Wort für Lautstärke. Selbst wenn der böse Schurke in Shakespeare’schen Drama beiseite flüstert, macht er das ziemlich laut. Das ist, wenn man kein gutes Mikrofon hat, sogar beim Film gar nicht mal verkehrt – aber es klingt halt einfach anders, als ein „echtes“ Flüstern es tun würde.
Genauso kommt, je nach Gewohnheit der jeweiligen Theatergruppe, der geneigte Schauspieler mit seinem sorgfältig antrainierten, klassischen Sprechrhythmus daher. Der klingt gut und macht Texte tatsächlich sehr verständlich – wer in seinem Film aber eine höhere Realitätsnähe anstrebt als dies auf Bühnen gemeinhin geboten wird, der sollte auch darauf Acht geben. Es klingt sicherlich anfangs hervorragend, mag aber im Nachhinein nicht das sein, was gesucht war.

Dennoch bieten Theaterschauspieler natürlich diverse Vorteile. So sind sie oft gewohnt, ohne Unterbrechung sehr lange Textpassagen zu sprechen und können so wesentlich flexibler drehen als etwa völlige Laien, die alle zwei Sätze ihr Blatt brauchen um zu schauen, wie der Text noch mal ging – und bevor sich jemand angesprochen fühlt, mir geht es da ganz ähnlich. Als ich für den Heuler JB4 drei Sätze in Folge sagen sollte, haben Markus und Ralf ziemlich leiden müssen, bis wir das im Kasten hatten.
Ich weiß schon, warum ich hinter der Kamera stehe.
Aber, und das ist die Lektion für heute, man sollte sich die Unterschiede bewusst vor Augen führen und die Stärken nutzen, ohne sich dabei das Leben unnötig zu erschweren. Denn Film ist halt eben doch kein Theater.

Viele Grüße,
Thomas

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