Filme! Jetzt auch in 3D! (Alles über 3D, Teil 1 von 8)

Hallo zusammen!

Lange war es hier still, aber wir wollen das doch langsam mal wieder ändern. Und, zum ersten Mal seit langem, wollen wir auch nicht nur kurze Ratschläge in die Welt husten. Ich hab mich in den letzten Monaten, nicht für Hilde wohlgemerkt, recht intensiv mit 3D beschäftigt. Und der März ist … der dritte Monat, so wie die Tiefenwahrnehmung die dritte Dimension in der Wahrnehmung … ach Quatsch … jedenfalls hab ich mir gedacht, es ist mal an der Zeit, sich dem Thema hier mal zu widmen.
Ich nehme an – und hoffe, im Grunde – dass die wenigsten NoBudget-Leute in naher Zukunft auf den 3D-Zug aufspringen werden, aber es ist derart dominant ein Thema, wo auch immer man mit Film zu tun hat, dass es angesprochen gehört.

Grundlagen

Wir Menschen sehen dreidimensional. Das bedeutet, dass wir nicht nur eine flache Sicht auf die Welt haben, wie etwa Fotos oder Fernsehbilder es sind, sondern dass wir eine weitere Dimension, die Tiefe, zur Verfügung haben. Das ermöglicht uns, zu erkennen, was weiter vorne und was weiter hinten steht, mit der gleichen, banalen Selbstverständlichkeit mit der wir sagen können, ob etwas weiter links oder weiter rechts steht. Das ist etwas, was Menschen im Grunde auch schon immer fasziniert hat und was auch zu Recht eine hohe Bedeutung für uns einnimmt.

Dreidimensionales Sehen beherrschen wir deshalb, weil wir – das klingt jetzt erst mal trivial – zwei Augen haben. Diese beiden Augen sitzen – noch mal trivial – nicht am gleichen Fleck, sondern nebeneinander. Sie sind aber, was uns wiederum von einigen Tieren unterscheidet, in die gleiche Richtung und in der Regel auf das gleiche Ziel ausgerichtet.
Der durchschnittliche Augenabstand eines Menschen liegt, so sagt es das Lehrbuch, bei ca. 6,5cm. Ausnahmen bestätigen die Regel und vermutlich ist das auch wieder eine dieser Angaben, die von Generation zu Generation alles andere als richtiger wird.
Wer nun einfach mal einen Punkt, sagen wir die Kante des Monitors (oder Handys, Tablets, was auch immer), auf dem ihr das hier lest, fixiert und dann den Kopf leicht einige Zentimeter nach links oder rechts bewegt, bemerkt schnell, dass Dinge, die weiter hinten sind, sich mit einer anderen Geschwindigkeit „bewegen“ als das nahe Objekt. Genauso ist die Perspektive, mit der ihr die Welt seht, wenn ihr nur das rechte Auge offen habt, natürlich eine andere als die, wenn ihr nur das linke Auge offen habt. Klar, liegen ja auch nebeneinander.

Auftritt: Gehirn.

Euer Gehirn schnappt sich diese beiden miteinander im Konflikt stehenden Daten und rührt die kräftig durch. Daraus errechnet entsteht eine Tiefenwahrnehmung, die es euch wie schon gesagt ermöglicht, „nah“ und „fern“ auf die gleiche Weise zu beurteilen wie „links“, „rechts“, „drüber“ und „drunter“.
Wichtig ist dabei zu beachten, dass der Punkt, den ihr fokussiert, alleine über die Augen funktioniert. Das ist etwas, worauf wir ganz am Ende der Reihe, wenn es darum geht, wie man 3D eigentlich aufnimmt, noch mal zu sprechen kommen werden. Aber in Kürze: Es gibt in „Avatar“ eine Einstellung, wo eine Blüte (Pollen? Habe den damals nur im Kino gesehen …) sehr nahe an der Kamera vorbeifliegt und der Rest in Unschärfe lag. Wunderschön … aber meine Augen haben die ganze Zeit rebelliert, weil sie den Hintergrund fokussieren wollten, aber nicht konnten, da ja die Filmaufnahme eine fixe Schärfe besitzt. Das sind Hürden, die bis heute bestehen. Doch dazu später mehr.
Wichtiger aber ist erst einmal: Dreidimensionale Wahrnehmung entsteht, weil das linke und das rechte Auge unterschiedliche Daten an das Hirn senden. Wer also artifizielles 3D erzeugen möchte, der muss beide Augen unterschiedlich beliefern.
Eine Erkenntnis, die auch viele Menschen schon sehr früh hatten. Übernächstes Mal werden wir uns diesen Anfängen widmen.

Kann jeder 3D sehen?

Gute Frage – denn die Antwort lautet „nein“. Zunächst einmal bedarf es zweier Augen. Wer aus irgendeinem Grunde nicht auf beiden Augen Sehkraft besitzt, scheidet aus. Leute mit Sehfehlern, die massiv in die Ausrichtung der Augen eingreifen, etwa durch starkes Schielen, können ebenfalls meist keine vollständige Tiefenwahrnehmung aufweisen.
Doch auch wer nach außen hin zwei gesunde Augen hat, kann von dem, was man in der Fachsprache Stereoblindheit nennt, betroffen sein. Beispielsweise kann es vorkommen, dass man auf seinen beiden Augen eine abweichende Dioptrienzahl aufweist. Das nennt sich auf Schlau Anisometropie und ist bis zu einer Differenz von 0,5 im Rahmen der Norm, wird darüber hinaus als krankhaft eingestuft. Liegt eine solche Differenz vor, kann es vorkommen, dass das Gehirn die Umrechnung der letztlich dadurch unterschiedlich groß wahrgenommenen Bildinformationen beider Augen nicht vollziehen kann. Auch das kann zu einer partiellen oder vollständigen Stereoblindheit führen.
Der Autor dieser Zeilen weiß das, der Autor dieser Zeilen ist partiell betroffen.

Wie übrigens mit allen partiellen Sehschwächen ist es nicht immer ganz einfach, herauszufinden, ob man betroffen ist, da man ja keine Vergleichsmöglichkeiten hat. Falls ihr aber schon immer Probleme hattet, Entfernungen wahrzunehmen – Ballsportarten in der Schule sind ein guter Kandidat, um das zu leidvoll und demütigend zu erfahren – oder aber falls ihr euch immer schon gewundert habt, warum andere Leute über so starke Wahrnehmungseinbußen klagen, wenn sie eine Augenklappe aufsetzen (da ihnen, letztlich, die Raumsicht verloren geht), dann lohnt es sich gegebenenfalls, den Augenarzt beim nächsten Besuch einfach mal drauf anzusprechen.

Der Zweiäugige unter den Blinden

Nun ist es tatsächlich so, dass ein partiell Stereoblinder vielleicht nicht der beste Botschafter für dreidimensionalen Film ist. Ist in etwa wie ein Vortrag eines Schwerhörigen zum Thema Obertongesang, schätze ich.
Aber das ist auch der Punkt. In beiden Fällen gibt es immer noch eine Erfahrbarkeit des Mediums und in beiden Fällen kann man sich die theoretischen Grundlagen natürlich anarbeiten. Die volle Faszination wird vielleicht niemals erfahrbar sein, aber nun gut, das lässt sich nicht ändern.
Willkommen also bei einer Tour durch die Welt gleich dreier Dimensionen. Wenn es auch eine Tour ist, die recht trocken beginnt – nächstes Mal gibt es erst mal sehr kompakt die ganz grundlegenden Fachtermini zum Thema.

Viele Grüße,
Thomas

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Ein Gedanke zu „Filme! Jetzt auch in 3D! (Alles über 3D, Teil 1 von 8)

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