Über „Pitch Meetings“

Hallo zusammen!

Das vorläufige Cover der überarbeiteten und erweiterten Neuauflage von „Einfach Filme machen“

Das vorläufige Cover der überarbeiteten und erweiterten Neuauflage von „Einfach Filme machen“

Wie ihr vielleicht wisst, sitze ich derzeit an der Überarbeitung meines Buches Einfach Filme machen. Viele, viele Texte des Buches nahmen in der Rohfassung ihren Anfang hier im Blog – und das ist eine Tradition, die ich auch für die Überarbeitung beibehalten wollte. Denn es half – daher passt das heutige Thema irgendwie auch als Einstieg – mir damals schon dabei, meine Gedanken zu konkretisieren.
Mein vager Plan ist es, diese Artikel etwa alle 14 Tage hier zu veröffentlichen, bis das Buch letztlich erscheint. Wir werden ja sehen, wie gut das letztlich funktionieren wird. Auf jeden Fall macht der Artikel heute den Anfang – und insofern genug der Vorrede, auf zum Thema: „Pitch Meetings“.

Auf den ersten Blickt scheint es ein Konzept zu sein, das mit den Alltag eines NoBudget-Filmers relativ wenig zu tun hat – aber gerade im amerikanischen Film-Umfeld ist der große Moment einer jeden keimenden Film-Idee das sogenannte Pitch Meeting, zu Deutsch quasi ein „Treffen zum Verkaufsgespräch“. Hier können Produzenten, häufiger aber Drehbuchautoren oder Kreativteams ihre Idee möglichen Studio-Verantwortlichem präsentieren. Sie stellen den Film, stellen die Serie in groben Zügen vor, umreißen die Hauptfiguren, den Produktionsumfang, aber auch schlicht Stil und Format des Projektes. Darauf basierend können die Studios das (meist noch ausstehende) Skript dann erwerben und es werden entsprechende Konditionen ausgehandelt. So kann es zwar sein, dass einer, der seine Idee dort präsentiert hat, in Folge dann auch als Drehbuchautor oder, bei einer Serie, Show Runner unter Vertrag genommen wird, aber das muss nicht so sein. Vielleicht kauft das Studio das Drehbuch auch, lässt es dann aber von „eigenen Leuten“ umsetzen – oder es kauft es gar nur für die Mottenkiste, einfach damit kein anderer seine Finger daran bekommt.

Wenn man sich etwa Podcasts mit Leuten anhört, die diese Arbeitsweise aus der Berufspraxis kennen – gute Beispiele sind da etwa das Nerdist Writer’s Panel und Scriptnotes, die man meines Erachtens sowieso bedenkenlos abonnieren kann –, merkt man schnell, dass es mehr oder weniger eine regelrechte Tortur zu sein scheint. Manchmal wirkt das „Publikum“ schon beleidigend desinteressiert, manchmal ist klar, dass sie etwas ganz anderes wollen und dass sie einen vielmehr überreden möchten, die eigene Idee ihren Wünschen zu beugen und manchmal wird die Präsentation mit großer Freude gelobt, aber dann in den Wochen darauf auf keine Nachfrage reagiert. Es ist ein bisschen wie ein Bewerbungsgespräch, nur eine Abstraktionsebene weiter entfernt.

Für unsere Zwecke sind solche Präsentationen aber auf ganz andere Weise interessant: Es hilft einem, sich auf das eigene Projekt zu fokussieren. Ihr habt eine Filmidee, könnt sie aber nicht wirklich greifen. Ihr versteht für euch, was ihr machen wollt, was ihr umsetzen wollt, doch mehr auf emotionaler und nicht auf praktischer Ebene? Vielleicht sind simulierte Pitch Meetings genau das Mittel eurer Wahl!
Wohin soll die Reise gehen, worum geht es in dem anstehenden Projekt? Ein gedankliches (oder gar mit Freunden ausgelebtes) Pitch Meeting zwingt einen dazu, die Gedanken zu präzisieren. Wenn man es in Worte kleiden muss, kann man sich nicht mehr vor sich selbst damit rausreden, ja nun dieses Bauchgefühl zu haben. Vielleicht kann man es mit Beispielen erklären – Marke „Ich stelle mir den Bankraub vom Feeling her vor wie die Eröffnung von The Dark Knight“ –, aber in jedem Fall muss man es sich konkret vergegenwärtigen.
Somit sind die Treffen für Filmemacher in Amerika oft eine Qual, wenn man sein Herzensprojekt präsentiert und nur in die toten Augen der Produzenten blickt, aber als Kreativtool für uns sind sie nicht zu verachten.

Viele Grüße,
Thomas

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