Das Treatment

Hallo zusammen!

Eine unglaublich wichtige, aber schnell unterschätzte Phase der Drehbuchentwicklung ist das Treatment. Das habe ich hier zwar mal 2007 (!) erwähnt und in Einfach Filme machen etwas mehr dazu geschrieben, aber es gibt da doch mehr, was eigentlich gesagt gehört. Was also ist ein Treatment?
Das ist, wenn man es unprofessionell ausdrücken möchte, ein Drehbuch ohne Dialoge. Man nimmt seine Handlungsfolge und zerlegt sie in einzelne Szenen, plant deren Reihenfolge und Ablauf durch und macht schon mal Notizen, wo später Gespräche stattfinden werden.
Das ermöglicht es einem weitaus besser, seine Handlung zu überblicken, ohne sich dem vielleicht schwersten Teil des Schreibprozesses, den Dialogen, schon widmen zu müssen.
Man kann es sich vorstellen wie der Text eines Theaterstücks oder eben ein Drehbuch, bei dem man alles bis auf die Regieanweisungen löscht und die Dialoge je nur kurz zusammenfasst. Es folgt der Handlung bereits chronologisch, es nennt bereits die Orte, sagt wann welche Figur auftritt oder geht, umreißt auch die groben Inhalte der Unterhaltungen. Zugleich jedoch verliert es sich nicht in Details, sondern bleibt auf einer etwas abstrakteren Stufe.
In der Regel verwenden Treatments die Gegenwartsform.

Aus dem Treatment von Hilde und die Glocken der Amazonen

Aus dem Treatment von Hilde und die Glocken der Amazonen

Beim Treatment geht es erst einmal darum, einen Ablauf zu entwerfen. Häufig wird dieser sich im Schnitt noch einmal wandeln, aber an diesem Punkt nun kann man endgültig schon mal überblicken, was auf einen zukommt. Gerade im No-Budget-Bereich kann man ab dieser Phase in einer Hinsicht aber sogar noch einen Schritt weiter gehen.
Wir haben sie bei uns „Realisierungsnotizen“ getauft: Anmerkungen bereits im Treatment, wie die Umsetzung funktioniert, wer eine Rolle übernimmt oder wo wir etwas drehen können. Das ist dann wiederum im strikten Sinne nicht professionell, aber hilfreich. Und anders als in einem Studio-System werden bei solchen Projekten ja nicht Dutzende bislang unbeteiligter Leute mit dem Treatment arbeiten müssen, sondern, nun, ihr.
Gerade wenn man auch plant, das Treatment zu nutzen, um weitere Leute ins Boot zu holen – „Guckt mal, diesen Film will ich machen, und so plane ich die Umsetzung!“ –, können solche Hinweise bereits helfen.
Außerdem geht es um einen Selbsttest und die Frage: Was will man, was hat man?
Es ist ein Mantra, das ich hier nicht zum letzten Mal herunterbeten werde, aber dies ist ein erster, guter Punkt zu schauen, ob das, was man plant, wirklich umsetzbar erscheint. Wohnt der Schurke in einer phantastischen Villa, aber nirgends im gesamten Umland gibt es eine, geschweige denn eine, zu der man Zugriff haben könnte? Dann raus damit. Vielleicht lässt sich sein Reichtum ja anders darstellen, etwa durch den schicken Sportwagen, den man von einem Bekannten leihen kann?
Allerdings sollte all das niemals dominieren – der Grundgedanke des Treatments ist es, die Filmhandlung auszuformulieren und dort sollte auch der Schwerpunkt liegen. Hier zu sehr auf die Praxis zu pochen, kann die Kreativität stark einschränken; umgekehrt kann man sich aber später viel Frust ersparen, wenn man absolut unrealistische Ideen gleich hier schon verwirft.

Aus dem Konzept-Dokument von Xoro 2: Die Maske des Xoro

Aus dem Konzept-Dokument von Xoro 2: Die Maske des Xoro

Tatsächlich ist dies derzeit auch die Phase, in der sich Xoro 2 befindet. Wir nähern uns zwar dem Punkt, an dem ich anfangen werde, das richtige Drehbuch zu schreiben, aber derzeit schiebe ich noch genau in diesem Arbeitsschritt die einzelnen Bausteine hin und her und tue mein Bestes, dass schon von der Szenenfolge her eine schmissige Handlung zustande kommt.

Viele Grüße,
Thomas

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