Die Eckpunkte einer Dramaturgie

Hallo zusammen!

Der heutige Beitrag verweist in seiner Mitte auf gleich drei Blogbeiträge, die ich drüben in meinem privaten Blog schon ausgeführt habe; ich denke, das ist einfacher, als jetzt hier mich selbst zu zitieren. Seht mir diesen kleinen Akt referenzieller Faulheit nach.
Letztes Mal schrieb ich hier über das Treatment als Vorstufe zum Drehbuch. Beim Treatment beginnt man wie gesagt auch damit, die eigentliche Handlung in Szenen einzuteilen und steuert zudem – ob bewusst oder unbewusst – durch die Inhalte auch die Länge der Szenen. Nun ist eine gut erzählte Geschichte mehr als die blanke Aneinanderreihung von Ereignissen; aus deren Timing und ihrem Umfang ergibt sich die Dramaturgie des Films. Kurzum das, was einen dazu antreibt, weiterschauen zu wollen.
Nun gibt es Modelle, wie die optimale Geschichte aussehe, ungefähr so lange, wie Leute sich überhaupt darüber Gedanken machen. Doch direkt vorweg gesagt: Ein Allheilmittel gibt es nicht.
Der historische Klassiker ist dabei die Drei-Akt-Theorie, die sich schon bei den alten Griechen findet und bis heute nichts von ihrem Reiz verloren hat. Derweil geht die Fünf-Akte-Theorie etwas detaillierter vor. Auch sie hat ihre Wurzeln bereits in der Literatur und ist ebenfalls ein bis heute dienliches, praktisches Werkzeug, um eine Geschichte zu strukturieren. Wer es dagegen wirklich Modern haben will, der sollte Blake Snyders Beat-Sheat vielleicht einmal des einen oder anderen Blickes würdigen – es ist verdammt nah dran, so etwas wie die fundamentale Blockbuster-Formel zu sein.

All diese Theorien gehen jedoch grundsätzlich stets von einem bestimmten Medium aus – Snyder denkt ans Kino, die Akte-Varianten basieren soweit alle noch auf dem klassischen Theater. Das Medium, für das man arbeitet, hat aber einen erheblichen Einfluss.
Das bedeutet, dass dieser Punkt auch der sein sollte, an dem man sich überlegt, für welches Format man produziert. Amerikanische Fernsehserien-Macher haben etwa heute die Herausforderung, dass sie zwar grundlegend fünf Akte verwenden (und abseits der Pay-TV-Kanäle auch müssen, um die notwendigen Werbepausen zu erreichen), aber durch den kurzen Teaser, der oft dem Vorspann noch vorausgeht, kommen sie am Ende auf sechs Akte. Dies ist jedoch keine Staffelung, die in irgendeiner Form der dramaturgischen Absicht, sondern schlicht dieser ökonomischen Notwendigkeit geschuldet ist und eine gute Spannungskurve erheblich erschwert. Auch, weil wir hier von sechs Akten bei teils gerade mal 42 Minuten Lauflänge sprechen. Der Zuschauer soll zudem ja über die Werbung hinaus gebunden werden, was bedeutet, dass auch noch jeder Akt mit einem Spannungsmoment enden muss. Alle sieben Minuten einen erzählerischen Höhepunkt einzubauen ist jedoch etwas, was viele Geschichten schlicht unmöglich macht.

Doch ist auch das natürlich vermutlich kein Markt, den irgendjemand anpeilt, der diesen Artikel hier gerade liest. Youtube aber ist es möglicherweise, und auch dort gelten entsprechende Regeln. Etwa die Faustregel, dass die ersten fünf Sekunden fesseln müssen, damit der User nicht schon zum nächsten Video springt. Dieser Theorie ist es etwa geschuldet, dass Werbeclips auf der Webseite nach fünf Sekunden übersprungen werden können, aber nicht früher. Es galt schon immer, dass der erste Eindruck eines Filmes sein bester sein sollte, um den Zuschauer zu fangen – aber wo sich Kino und Theater noch Zeit nehmen können, weil so schnell schon keiner, der einmal da ist, wieder gehen wird, so wird der Kampf und die Aufmerksamkeit eines Online-Zuschauers stets mit harten Bandagen ausgefochten.

Viele Grüße,
Thomas

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