Software, Apps und Schriftarten – ein Exkurs

Hallo zusammen!

Nicht selten liest man Empfehlungen dazu, welche Software man nun „braucht“, um ein Drehbuch zu schreiben. Allerdings sind es meist vor allem die Hersteller spezialisierter Drehbuch-Software, die einen auf diesen Trichter bringen wollen. Und während solche Software sicher praktisch sein kann, kommt sie auch mit einer Reihe von Fallstricken daher.
Aber bevor wir uns um die kümmern, zunächst der wichtigere Aspekt: Alles, was man braucht, um ein Drehbuch zu verfassen, ist irgendeine Form von Textverarbeitungssoftware. (Im Grunde ja nicht mal das, Schreibmaschinen und Kugelschreiber gehen natürlich ebenso, aber gehen wir mal davon aus, dass digital hier sinnvoller ist.) Ob nun Word unter Windows oder Pages unter OS X, Googles Online-Lösung oder aber ein einfacher Texteditor ohne großen Firlefanz – mehr braucht es nicht. Auch ein Tablet mit einer entsprechenden Software funktioniert.
Nun kommen Drehbücher mit einer Reihe von sehr spezifischen Anforderungen an die Formatierung daher – wir sprachen hier ja schon mal darüber –, was unter Umständen mehr Arbeit ist, wenn man keine „Expertensoftware“ verwendet. Einfach Filme machen beispielsweise schreibe ich nicht mit Word, sondern mit der speziell für Autoren ausgelegten Software „Scrivener“, die auch verschiedene Hilfen für Drehbücher besitzt. Damit werde ich kommenden Monat auch Xoro 2 beginnen. Der Branchenstandard ist derweil ein Programm namens „Final Draft“.1
Allerdings sollte man sich, wenn man sich auf so ein Programm stürzt, drei Sachen überlegen:
Zunächst einmal die Kosten; heute, wo ich dies hier schreibe, kostet Scrivener 40 Euro, Final Draht sogar imposante 199 – Geld, was man sich durchaus sparen kann, wenn man nicht vorhat, direkt in den Profi-Bereich vorzustoßen und das man beispielsweise für konkretes Equipment oder Mieten ausgeben könnte.
Dann ist da der eher kleine Punkt, dass einem die beiden Programme Vorgaben machen; sinnvoll, aber auch restriktiv. Nicht immer ist ein Profi-Drehbuch das, was man selber gerne haben möchte.
Schwerer aber wiegt ein letzter Punkt: Die Kompatibilität. Eine Word-Datei, die ich auf meinem ersten Pentium 100 vor 20 Jahren geschrieben habe, kann ich heute noch öffnen. Ein Textdokument sowieso. Aber ob ich die .scriv-Datei zum Buch im Jahr 2035 noch öffnen kann, wird die Zeit zeigen müssen. Schwerer wiegt das sogar noch, wenn man teilweise mobil arbeiten möchte – denn dann sind auch direkt wieder zusätzliche Kosten oder aber Umwege einzuplanen, um diese geschützten Format auch auf dem iPad o.ä. öffnen zu können. So kostet der Final Draft Writer für iOs direkt weitere 19,99.2

Wer hingegen Vorbilder sucht, wie Profis ihre Drehbücher gestalten, der wird unter iOS kostenlos fündig. Die App „Wknd Read“ stellt nicht nur eigene Drehbücher bequem lesbar auf dem Tablet dar, sie gewährt auch (teilweise zeitlich beschränkt) Zugang zu echten Drehbüchern vergangener Hollywood-Filme. Eine immens wertvolle Inspiration.

Zuletzt aber noch ein Tipp am Rande: Traditionell werden Drehbücher in der an Schreibmaschinen angelehnten Schriftart „Courier“ verfasst. Das geht und ist teils auch nützlich, aber rein typografisch bringt die Schriftart einige Probleme mit sich, etwa wenn es um kursive Zeichen oder das Lesen auf Bildschirmen geht. Doch gibt es eine einfache Lösung: „Courier Prime“. Eine wunderschön gestaltete, gut lesbare und zudem kostenlose Schriftart, explizit für Drehbuchautoren entworfen und optimiert. Und sagte ich schon, dass sie kostenlos ist?
Wer Interesse hat, der kann sich die Courier Prime auf ihrer eigenen Webseite herunterladen.

Viele Grüße,
Thomas


  1. Es soll hier außerdem nicht unerwähnt bleiben, dass es auch genug Kritiker von Final Draft gibt. Wer sich da ein wenig hineinknien will, der könnte beispielsweise hier anfangen
  2. Falls das hier jemanden wirklich interessiert – lange Texte schreibe ich wie erwähnt in Scrivener, als .txt-Dateien synchronisiert mit meiner Dropbox, falls mir unterwegs mal ein Gedanke kommt, der nicht warten kann. Für kürzere Texte und allgemein mobil nutze ich dann Byword, zumal die Markdown-Formatierungen von dort dann etwa auch hier von WordPress ausgelesen werden können. 
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