Wisse, was du drehen willst

Hallo zusammen!

Es gibt eine Menge ganz pragmatischer Fragen, die man sich vor einem Filmdreh stellen kann – welche Szenen werden gedreht, wer muss dafür anwesend sein, was wird an Equipment hinter, an Requisiten vor der Kamera gebraucht und derlei mehr.

Aber es gibt noch eine andere Art, sich im Vorfeld zu fragen, was genau man eigentlich dreht – die Hintergründige. Worum geht es in dem Film, den man dreht? Die Antwort darauf kann sehr oft als Schlüssel dienen, um auch zu begreifen, worum es in einzelnen Szenen gehen soll und Entscheidungen zu treffen, wenn sie spontan nötig sind.

So gibt es etwa eine Anekdote zu Francis Ford Coppola: Beim Filmdreh von „Der Dialog“ wurden ihm von der Requisitenabteilung verschiedene Regenmäntel zur Wahl gestellt: einer durchsichtig, einer dunkel. Sie wollten wissen, ob er sich die fragliche Figur wie einen Detektiv vorgestellt hat, wie einen Humphrey Bogart, oder was sonst. Nun könnte er wahlweise einfach eine willkürliche Wahl treffen, oder aber – noch fataler – unentschlossen am Set stehen. Coppola aber denkt komplexer: Sein Film, weiß er, dreht sich unter anderem um das Thema der Privatsphäre – und darum wählt er den durchsichtigen Schirm, weil er es in dem Kontext spannender findet. Solche Entscheidungen sind aber nur möglich, wenn man über die eigene Materie weiterführender nachgedacht hat als nur von einem technisch-realisierenden Standpunkt aus.

Dies ist jedoch auch eine Herangehensweise, die nicht auf das intellektuelle Kino beschränkt ist. Mein Standardbeispiel ist hier die „Fast & Furious“-Reihe. Auf den ersten Blick ist es eine Filmreihe über „coole Typen“ und schnelle Autos. Das mag auch das Thema sein. Das Leitmotiv aber ist ein ganz anderes: Es ist eine Filmreihe über das Konzept von Familie. Und wenn man sich die Filme unter dieser Prämisse noch mal bewusst anschaut, kann man überall diese typischen, kleinen Designentscheidungen ausmachen, die im Falle eines jeden Drehs aufkommen. Man kann aber vor allem ausmachen, wie oft die Antwort auf mögliche Fragen schon alleine durch dieses Leitmotiv gegeben wurde.

Darum gilt: Man muss seinen Film nicht nur kennen, man muss ihn verstehen. Verständnis für den Inhalt des Films dient nicht nur dazu, dass man beim Dreh schneller gute Entscheidungen treffen kann, es ist zugleich eine Rettungsleine, die verhindert, dass spontane Setzungen plötzlich deplatziert wirken können – denn das Leitmotiv schafft automatisch Kontext.

Viele Grüße,
Thomas

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s