Die wichtigste Schraube am Stativ

Hallo zusammen!

Wer irgendeine Form von Kamerahalterung verwendet – Stative etwa, Slider oder auch Steadycams, der befestigt sein Aufnahmegerät daran, indem er beides mit einer Schraube verbindet. Diese Schraube befindet sich oben auf einem Stativ, auf Slidern und auf jeder anderen Vorrichtung. Manchmal ist die Schraube selbst wieder Teil eines lösbaren Elements – einer sogenannten Wechselplatte oder Schnellwechselplatte –, wodurch die Kamera etwa ohne viele Handgriffe zwischen einem Stativ und einem anderen System gewechselt werden könnte, sofern diese die gleiche Norm verwenden. Doch auch da gilt: Es ist letztlich eine Schraube, die Halterung und Kamera-Korpus verbindet.

Gewinde sml

Will man nun aber selbst eine Kamera-Halterung bauen, so kann man nicht jede handelsübliche Schraube nehmen. Manchmal liest man, dass Kameras metrische M6-Gewinde verwenden würden – doch das ist falsch. Es ist zwar tatsächlich so, dass man eine M6-Schraube in der Regel mit etwas Nachdruck in eine Kamera schrauben kann und das auch hält, doch geht das recht schnell auf Kosten des Gewindes. Es hat historische Gründe, dass hier weitgehend auf metrische Normen verzichtet wird. Das klassische Stativgewinde, was beispielsweise bei Spiegelreflex-Kameras, aber auch bei Camcordern zum Einsatz kommt, ist für eine 1/4“-Schraube ausgelegt. Die kann man man nicht völlig selbstverständlich überall in jedem Baumarkt erwerben, doch die ist durchaus auch in Deutschland zu haben.
Alternativ dazu könnten einem auch Gewinde mit 3/8“ unterkommen, das ist dann aber vermutlich schon ein Gerät der Oberklasse, das eine solche Schraube verwendet. Vollformat-Kameras etwa, oder spezialisiertes Audio-Equipment.

Um es zudem noch etwas komplizierter zu machen, gibt es die Gewinde auch noch mit zwei unterschiedlichen Flankenwinkeln. Früher wurde der britische Standard BSW mit 55° Flankenwinkel genutzt, heute der amerikanische Standard UNC mit 60°. Zumindest hier hat man aber Glück, denn der Unterschied ist so marginal, dass tatsächlich alte Schrauben ohne Probleme (und ohne Schäden) in neue Halterungen passen und umgekehrt. (Wer es gerne pedantisch mag, der findet das alles übrigens auch in Stein gemeißelt in der Norm DIN4503 / ISO1222.)

Der zweite Faktor, den man beachten sollte, wenn man sich selbst eine Kamerahalterung konstruiert, ist die Tiefe des Gewindes. Wer sich das obige Foto anschaut, sieht, dass die Schraube nicht sehr weit aus der Halterung herausragt. Es ist mehr als genug, um die Kamera zu halten, aber eben auch nicht zu viel. Anders als bei einem Möbelstück, wo man die Schraube in der Regel bis zum Kopf reindrehen und sie dann noch mal festziehen mag, muss man nicht weit in eine Kamera vorstoßen, bevor man beginnt, empfindliche Teile in Gefahr zu bringen. Hier empfiehlt es sich, in Zweifel bei der eigenen Kamera einmal vorsichtig nachzumessen und dann Vorkehrungen zu treffen, dass man nicht zu weit drehen kann – etwa, weil die Schraube gar nicht zu weit aus der Konstruktion herausragt, oder beispielsweise indem man einen „Stopper“ aus zwei gegeneinander gekonterten Muttern auf dem Gewindestab anbringt. Auf jeden Fall sollte man hier im Vorfeld Acht geben, denn im Eifer des Gefechts ist sonst schnell mal unüberlegt eine Drehung zu viel gemacht und das Equipment beschädigt.

Viele Grüße,
Thomas

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s