Ein paar Kamerahalterungen extra

Hallo zusammen!

Im September 2007 (!) schrieb ich hier einen Artikel zum Thema Mittel, seine Kamera zu platzieren. Aber neun Jahre sind eine lange Zeit, neue Mittel und Wege zu entdecken. Zeit für ein Update.
Die damals genannten Methoden sind dabei heute ebenso gut wie eh und je – aber es gibt da einfach mehr!

Monopod
Monopod webEin wenig flexibler, aber in der Aufnahme einem Stativ sehr ähnlich ist das Monopod, manchmal auch Einbein genannt. Im Kern steckt im Namen auch schon exakt, was es ist: Ein Monopod ist eine einzelne Stange, oft ein wenig länger als übliche Stative, an deren Kopf die Kamera befestigt werden kann.
Das klingt zunächst nicht spektakulär, aber jeder, der mal einen Tag lang ein Stativ durchgehend von A nach B geschleppt hat, wird schnell erkennen, dass die Reduktion auf nur ein Bein ein deutliches Maß an Flexibilität mit sich bringt.
Die Vorzüge bleiben dabei weitgehend gleich – das Bild ist ruhig, verwackeln ist geradezu unmöglich. Allerdings mit einer Einschränkung: Naturgemäß steht das Einbein nicht von selbst. Vom Luxus, die Kamera an einer festen Position mal sich selbst überlassen zu können oder etwa beide Hände frei zu haben, um zu schwenken und dabei zu fokussieren, muss man sich natürlich verabschieden.

Gorilla-Pods
Gorilla webGorilla-Pods sind ein Markenprodukt, wobei es auch dort mittlerweile Noname-Entsprechungen gibt. Im Grundsatz sind es erst einmal Stative – klassisch mit drei Beinen. Der Unterschied zum herkömmlichen Stativ ist dabei, dass diese Beine nicht stabile, feste Stangen sind, sondern vielmehr aus zahlreichen sehr schwergängigen Kugelgelenken bestehen. Somit kann man seine Kamera nahezu überall zum Halten bringen. Ist der Boden uneben, biegt man die Beine zurecht. Gibt es ein Geländer, so schlingt man die Beine dort herum. Will man höher hinaus, kann ein Baum beispielsweise umwickelt werden.
Kleine Gorilla-Pods für Smartphones und Action-Cams sind bereits unter 30 Euro zu haben und erfüllen in ihrem Segment ihren Job hervorragend. Will man dagegen größere Kameras aufhängen, so hat die Firma ebenfalls Produkte am Start, will jedoch auch, dass man entsprechend tiefer in die Tasche greift.

Slider
Eine Variante all dessen wäre noch ein sogenannter Slider. Slider, auch Kamerarutsche genannt, sind gewissermaßen fixierte Schienensysteme, auf denen ein Schlitten bewegt wird, um zum Beispiel kleine Kamerafahrten zu realisieren. Der Vorteil gegenüber einem Schienensystem ist, dass nichts verlegt werden muss und man schnell einsatzbereit ist.
Professionelle Slider gibt es teilweise auch in Varianten, die man auf ein Stativ montieren kann, sodass man in Windeseile aus einer stationären Aufnahme eine Fahrt konstruieren kann – achtet dann aber darauf, dass ihr nicht am Stativ selbst spart, denn es braucht schon ein robustes Dreibein, damit man den Schwerpunkt so weit zur Seite verlagern kann, wie es ein Slider nunmal tut. (Pro-Tip zwischendrin: Kleine Sandsäcke retten nicht nur Leben, sondern als Gewicht auch teures Equipment.)
Professionelle Slider können unter Umständen recht teuer werden, aber es gibt Alternativen. Die beiden beliebtesten Lösungen im Eigenbau sind entweder Plastikrohre aus dem Baumarkt, die ordentlich eingeölt eine ziemlich gute Grundlage bilden, oder aber Schubladenleisten, gleichsam aus dem Baumarkt, die man als Fundament eines kompakten Sliders nehmen kann. Achtet aber darauf, dass es in letzterem Fall kugelgelagerte Leisten sind, sonst wird das nichts mit der ruhigen Fahrt.

Schulterstützen
Das Konzept dahinter ist sehr einfach: Eine der einfachsten Methoden, etwas zu stabilisieren, ist es, die Schulter zur Hilfe zu nehmen. Darum legen Schützen das Gewehr an die Schulter an, und die meisten Leute neigen dazu, schwere Lasten auf ihren Schultern zu tragen.
Dadurch, dass die Halterung damit an einem weiteren Punkt aufliegt, erlangt die ganze Konstruktion Stabilität, und die Last wird auf den Körper verteilt, was ein längeres Arbeiten ermöglicht.
Schulterstützen gibt es in jeder Preisklasse. Man kann eine entsprechende Schraube durch ein Brett treiben und sich das über die Schulter legen, um bereits einen ersten Erfolg zu haben. Manche Leute funktionieren auch Stative oder Monopods um, ebenfalls mit Erfolg. Wer hingegen etwas Geld in die Hand nehmen mag, kriegt gut ausgewuchtete, gepolsterte Halterungen, die zusätzlich durch eine ergonomische Form helfen, lange, bequem und stabil filmen zu können. Wie immer kennt der Preis dabei natürlich keine Obergrenze.

Das Schwebestativ
Schwebestativ webMittlerweile gibt es auf dem Markt aber auch Lösungen für den kleinen Geldbeutel, die eine richtige Steadycam zwar vielleicht nicht ersetzen können, aber durchaus die gleiche Nische füllen. Das Schwebestativ ist dabei eine wirklich feine Angelegenheit.
Eine Platte, auf der die Kamera montiert wird, führt in einem Bogen herab zu einem Gewicht. Unterhalb der Platte hingegen ist kugelgelagert ein Griff montiert. Durch das Gewicht und das Kugellager pendelt sich diese Konstruktion, wenn sie einmal sauber kalibriert wurde, immer wieder gerade ein. Ein Kameraschwenk wird ruhiger, ebenso wie eine freihändige Aufnahme ein viel professionelleres, ruhigeres Bild erhält. Gerade auch vertikale Bewegungen gewinnen sehr viel Stabilität, da das Gewicht den Horizont der Kamera stabilisiert und dem Kameramann somit eine Last von der Schulter nimmt.
Apropos Last sei aber gesagt, dass das zusätzliche Gewicht natürlich im Laufe eines kompletten Drehtags durchaus seine Spuren hinterlässt. Auch wer ein solches Stativ für Aufnahmen nutzen will, bei denen  der Kameramann selbst vorwärts geht, sollte Zeit zum Üben einplanen. Zwar kann man sehr viel ruhigere Aufnahmen erreichen, aber ungeübt führen Gewicht und Kugellager schnell zu etwas, was ich mal „die Optik eines schwankenden, betrunkenen Seemanns“ nennen mag.
Dafür ist der Preis wirklich fair; schon ab 50 Euro kriegt man mit etwas Suchen solide Geräte. Viele Modelle in der Preisklasse sind offiziell für Smartphones oder Actioncams ausgeschrieben, doch ein Blick auf das erlaubte Gewicht zeigt meist, dass zumindest alles bis zu einer Mittelklasse-DSLR problemlos möglich ist.
Wer dagegen kein Problem damit hat, den Preis zu verzehnfachen, der bekommt auch wirklich schicke Modelle mit kleinem Motor und automatischer, gyroskopischer Stabilisierung – ist aber dann natürlich auch wieder lange aus dem NoBudget-Segment verschwunden.

Der Henkelgriff
Henkel webWer noch ein bisschen günstiger davonkommen will, der wird ab etwa 25 Euro in Form eines Henkelgriffes fündig. Auf den ersten Blick mag man sich fragen, wozu er dient; weder bietet er die zusätzliche Stabilität eines expliziten Gewichtes, noch beispielsweise den Ausgleich eines Kugellagers. Und doch hat er so seine Vorteile.
Zum einen kann man die Stabilität insofern erhöhen, als dass man mehr zum Anfassen hat. Mehr Griff, mehr Boden, generell einfach mehr in der Hand, das hilft ungemein, wenn die Kamera – etwa eine DSLR – kleiner ist, als man sich vielleicht wünscht. Weiterhin ist es eine sehr bequeme Möglichkeit, auch bodennah filmen zu können, egal ob man die Kamera nun von oben hält, oder ob man sie auch einfach abstellt, denn die breitere Fläche unter der Halterung ermöglicht es, auf jeder ebenen Oberfläche einen sicheren Stand zu finden.
Henkel im EinsatzEin weiteres, nettes Feature ist es, dass man je nach Bauweise eine ganze Menge zusätzliches Equipment rund um die Kamera montieren kann. Der abgebildete Henkel hat etwa vorne am Griff noch eine Blitzschuh-artige Halterung, sodass etwa ein kleiner LED-Scheinwerfer oder ein Mikro dort bequem angebracht werden können.
Die große Schwäche des Henkels liegt eher in all dem, was er schlicht nicht ist. Er kompensiert nahezu keine Bewegungen, er ist nicht sehr flexibel und bei der Bedienung der Kamera auch gerne mal im Weg. Der günstige Preis macht ihn aber dennoch möglicherweise attraktiv.

Selfie-Sticks
Nun ja, der Vollständigkeit halber seien sie genannt. Effektiv nur eine mehr oder weniger lange Teleskopstange, an deren Ende die Kamera befestigt werden kann; zudem meist explizit für Actioncams und Smartphones ausgelegt – und anders als bei den Schwebestativen nicht nur in der Theorie, sondern schlicht auch in der Traglast –, sodass die Verwendung mit einer großen Kamera eher ausfällt.
Kann man damit interessante Aufnahmen machen? Mit Sicherheit.
Würde ich zum Kauf raten? Nope.

Viele Grüße,
Thomas

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