Die Wahl des Mikrofons

Hallo zusammen!

Generell gilt: Die allermeisten Kameras haben ein Mikrofon eingebaut. Wenn man nicht gerade mit einer alten DSLR filmt, ist es wahrscheinlich, dass auch Ton aufgezeichnet wird, und wenn es so ist, dann ist es darüber hinaus nahezu sicher, dass die Kamera das schlecht macht.
Es gibt ein paar Designsünden, die sind offensichtlich, wenn man nur darüber nachdenkt. Als Kameras noch auf Band aufgezeichnet haben (und das ist auch „nur“ um die zehn Jahre her), aber gleichzeitig immer kleiner wurden, war es oft so, dass die Kamera ihr eigenes Motorgeräusch aufgezeichnet hat. Und viele Camcorder neigen dazu, das Mikrofon oben auf dem Gehäuse anzubringen. Das ist extrem praktisch, wenn man seinen eigenen Urlaubsfilm kommentieren möchte, während man filmt, oder wenn man darauf steht, jedes noch so hoch fliegende Flugzeug leise in der Tonspur zu haben, aber an sich ist es gerade für unsere Zwecke immer eine schlechte Idee.
Doch selbst wenn die Fehler nicht so offenkundig sind, muss man davon ausgehen, dass eine Kamera bestenfalls dafür gebaut wurde, auch den Ton aufzuzeichnen. Es gibt aber schon einen Grund dafür, dass Profis dazu neigen, ein spezialisiertes Gerät für die Aufgabe zu verwenden. Das aber wiederum führt einen zu der Frage, was genau man da braucht. Und da kommt es, mal wieder, darauf an, was man möchte. Beginnen wir mit einer kleinen Tour durch verschiedene Modellarten, wenn auch etwas unsystematisch.

Stand-Mikrofone

Stand-Mikrofone sind genau das, was der Name suggeriert. Man kennt sie von Radiomoderatoren, alten Fernsehaufzeichnungen, von Bühnenprogrammen, Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen, und sie sind ungeheuer praktisch, aber auch völlig unflexibel. Es gibt auch im Video-Bereich durchaus Anwendungsgebiete, für die sie wie gemacht sind – das Vloggen, beispielsweise, auf das wir zu einem späteren Zeitpunkt noch kurz kommen werden –, wer aber wirklich Spielfilme drehen möchte, für den gibt es bessere Optionen.

Richtmikrofone

Richtmikrofone sind auch seit jeher einer der Klassiker im Heimvideo-Bereich; Mikros, die oben auf der Kamera – oft am Blitzschuh, also diesem Schlitten, in den man einen externen Blitz stecken kann – befestigt werden, sind in der Regel Richtmikrofone. Das bedeutet, dass sie eher darauf ausgelegt sind, in einem engen Bereich möglichst weit Ton aufzuzeichnen, anstatt weit gestreut zu versuchen, alles mitzunehmen, was irgendwie klingt. Der Vorteil ist, dass man Störgeräusche außerhalb dieses engen Kanals tatsächlich deutlich weniger hört; selbst ein günstiges Richtmikrofon liefert unter Umständen bereits bemerkenswerte Ergebnisse. Der größte Nachteil ist, dass man zugleich sehr beschränkt ist in dem, was man aufnimmt. Der Ton kommt von dort, wohin auch die Kamera zeigt – was Geräusche außerhalb des Bildes komplett ausschließt; unpraktisch in Dialogen, beispielsweise. Sogar noch mehr, wenn das Richtmikro sehr gerichtet aufnimmt – dann kann es auch vorkommen, dass man in einer Aufnahme Darsteller links und rechts im Bild hat, aber beide kaum hört, weil man den Ton „zwischen beiden hindurch“ aufgenommen wurde.
Dennoch sind Richtmikrofone eine gute Wahl, wenn man mit wenig Geld bereits eine erste spürbare Verbesserung erreichen möchte.

Nahbesprechungsmikros

Mehr der Vollständigkeit halber erwähnt sollen dafür Nahbesprechungsmikrofone sein. Unter diesem langem Begriff verbergen sich Mikro, die – vereinfacht gesagt – schlicht sehr leise aufzeichnen. Ein Reporter, der im Fernsehen von einem Konzert, aus einem Fußball-Stadion oder von einer Demo berichtet, wird vermutlich eines in der Hand haben – da sich der Aufnahmebereich wirklich nur dicht um das eigentliche Mikrofon ausdehnt, kann der Reporter klar sprechen, ohne dass der oft immense Umgebungslärm mit aufgenommen wird. Auch Sänger auf der Bühne nutzen solche Mikrofone – was man gerade bei Rockkonzerten oft erahnen kann, wenn der Interpret beim Schreien fast ins Mikro beißt, aber dennoch alles sauber aufgezeichnet werden kann.
(Und ja, bevor die Tontechniker unter euch innerlich aufschreien: Es ist insgesamt etwas komplexer; es hat etwas mit Schalldruck zu tun, derartige Mikros sind robuster, was die Gefahr von Rückkopplungen angeht und so weiter, aber im Sinne unseres Themas hier führt das zu weit ab vom Felde, denke ich.)
Solche Mikros sind extrem praktisch, aber dadurch, dass das Mikro dann auch direkt vor den Mund gehalten werden muss, zugleich unbrauchbar für filmische Zwecke.

Ansteckmikrofone

Ebenfalls beliebt im Bereich von Fernseh- und Bühnenprogrammen sind dann aber wiederum Mikros, die man vielleicht sogar nutzen kann: Clip-Ons, auch Ansteckmikrofone oder Lavalier-Mikrofone genannt. Diese gibt es mit Kabel, Funk- oder heute Bluetooth-Verbindung und im Kern tun sie alle das Gleiche: Sie übertragen den Ton direkt von der entsprechenden Person, die es trägt. Sie ähneln damit in ihrer lokal begrenzten Aufnahme ein wenig den Nahbesprechungsmikrofonen, sind aber weder mit deren Tücken geschlagen, noch haben sie das Problem des „aus dem Ton“-Laufens, das Richtmikrofone haben können.
Natürlich setzen sie voraus, dass der Sprecher Kleidung trägt, die es erlaubt, das Mikrofon ungesehen anzubringen – in einem Fernsehbericht mag es egal sein, wenn es oben am Kragen zu sehen ist, bei einem Spielfilm sieht das anders aus. Darum ist gerade Sommerwetter immer ein Problem, wenn Frau wie Mann zunehmend leichter bekleidet sind, bietet sich auch zunehmend weniger Platz, das Mikro zu verstecken.
Die zweite große Hürde liegt dann in der Kleidung selbst, denn raschelnder Stoff, der über das Anstreckmikro schabt, versaut einem den Ton ganz gewaltig. Und zuletzt muss einfach bedenken, dass man durch die Stromversorgung und ggf. die drahtlose Übertragung gleich zwei weitere Fehlerquellen mit am Set hat, auf die man vielleicht auch einfach verzichten kann.
Dennoch: Gerade bei ruhigen Dialogszenen kann man sich mit solchen Mikrofonen unter Umständen gut behelfen. Aber das Gelbe vom Ei ist es noch nicht.

Was, mag man sich fragen, machen denn die Profis?
Die angeln.
Aber darüber reden wir hier dann in einer Woche.

Viele Grüße,
Thomas

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2 Gedanken zu „Die Wahl des Mikrofons

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